Vergleicheritis

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Vielleicht kennst Du sie.
Sie ist eine alte Bekannte von mir.
Kommt immer mal wieder um die Ecke geschlichen und fängt an zu lästern.
Das macht sie manchmal ganz raffiniert, fast unbemerkt, so beiläufig, dass man ihr gar keine Beachtung schenkt. Hier eine kleine Randbemerkung, da ein schräger Seitenblick:
„Hast Du die gesehen? Oh Mann, die hätte ja heute Morgen auch lieber was anderes aus dem Kleiderschrank geholt.“
Oder: „Ach Du meine Güte, sowas würde mein Kind sich ja nicht erlauben. Und wenn doch, dann nur einmal.“
Oder: „Hm, okay, bei mir hat es auch schon so ausgesehen. Aber immerhin räume ich wenigstens auf, wenn ich weiß, dass Besuch kommt.“

NEEEEEIIIIIN, niemand von uns denkt solche Sachen. Auf KEINEN Fall!!! Das machen ja die bösen Menschen. Und ich bin gut. Und außerdem noch Christ. Das ist sozusagen doppelt gut! Falls ich sowas schon jemals gedacht haben hätte würde- also nur –FALLS -dann hätte ich sofort Buße getan und für die Person gebetet, über die ich so schlechte Gedanken hatte.
Oder???

Mal ehrlich:
Ich kenne sie. Die Vergleicheritis.
Und ich will jetzt gar nicht so tun, als ob das eine ganz andere Person als ich wäre, mit der ich gar nichts zu tun hätte.
In Wirklichkeit ist die Vergleicheritis natürlich Teil meiner Herzenshaltung und meiner eigenen Gedankenwelt. Ich kann mich nicht damit rausreden, dass ich völlig unschuldig von ihr angefallen würde und dann Dinge sage oder denke, die ich gar nie so gemeint habe.

Was mir aber auffällt, sind zwei Sachen.
Erstens:
Obwohl sie hässliche Sachen sagt, ist es gut, dieser Stimme in mir zuzuhören und ihr Aufmerksamkeit zu schenken.
Warum?
Weil solche Gedanken, wie ich sie oben beschrieben habe, nicht von alleine weggehen.
Wenn ich sie unbeachtet da und dort stehenlasse, wenn ich so tue, als ob diese negativen Urteile gar nicht existieren würden oder etwas völlig Harmloses sind (so nach dem Motto: „Macht doch jeder!“), dann erst bekommen sie Raum und fangen an, sich wie ein Krebsgeschwür in meinem Inneren auszubreiten. Dann besteht die Gefahr, dass aus einer Beobachtung, die ja erlaubt ist („Mir gefallen die Kleider von XY heute nicht so“) etwas Krankhaftes wird. Eine negative Kraft, die uns dazu bringt, andere und uns selbst zu bewerten. Diagnose: Vergleicheritis.

Wenn ich mich aber darin trainiere, solche abwertenden Gedanken und Urteile zu enttarnen, ihnen auf die Schliche zu kommen und sie schnell wieder fortzuschicken, sobald sie sich anschleichen, dann entziehe ich der Vergleicheritis den Boden in meinem Herzen. Oder, frei nach Luther:  „Wir können nicht verhindern, dass schwarze Vögel über unseren Köpfen kreisen. Aber wir können verhindern, dass sie Nester darin bauen.“

Zweitens:
Vergleicheritis richtet sich zwar oftmals im ersten Schritt gegen andere. Ich denke oder rede abfällig über sie, weil ich daraus sehr kurzfristig meine, einen Gewinn für mich selbst ziehen zu können. Für einen kurzen Augenblick kann ich mich besser fühlen als der oder die andere:
„Super, mein Outfit sticht die anderen aus“.
„Toll, mein Haus ist blitzblank. Ich hab´s wohl etwas besser im Griff als Du.“
„Perfekt, meine Familie ist harmonisch beisammen. So geht das halt mit der Erziehung. Noch Fragen?“.
Und so weiter.

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Aber dann.
Dann kommt der Kater. Dann kommt der Moment, in dem Du Dich vergleichst- und meinst, schlechter abzuschneiden. Der Moment, in dem es alle anderen scheinbar besser auf die Reihe kriegen als Du. Plötzlich fühlst Du Dich auf dem Abstellgleis und die anderen haben Dich abgehängt. Plötzlich trifft Dich ein schräger Blick und Du fragst Dich, wieso all die tollen Kleider immer bei den anderen im Schrank hängen. Plötzlich empfindest Du Dich als zweite Wahl und stehst nicht mehr auf der Siegerseite.
Sie schlägt zurück, die Vergleicheritis.

Vielleicht ahnst Du es schon:
Ich hatte heute eine Begegnung mit ihr. Und es war keine schöne.
Ausgerechnet auf einem Gebiet, von dem ich immer dachte, dass es meine ureigenste Stärke wäre, hat es mich erwischst und mitten aus meiner Neujahrs-Euphorie gerissen. Mein Empfinden: Die anderen können es so viel besser. Wenn ich mich nur ein bisschen umschaue, fallen mir auf Anhieb zehn Frauen ein, die mich in die Tasche stecken. Und wenn ich noch länger suchen würde, dann würde die Liste wohl ins Unermessliche wachsen. So ein bisschen ein Gefühl, als ob man auf einem zugigen Bahnsteig steht und der Zug einem vor der Nase davon fährt. Kennt Ihr das (oh, bitte, Gott, lass mich nicht die Einzige sein...)?

Jetzt ist also Nachlese gefragt: Warum hat mich der Vergleich mit anderen so umgehauen? Weshalb macht es mir so viel aus, dass ich anscheinend hinterherhinke und die Party wohl ohne mich abgeht? Habe ich Angst, etwas zu verpassen? Und wenn ja, was?
Ist es denn schlimm, wenn andere besser sind als ich?
Reicht das Kuchenstück nicht aus, das auf meinem Teller gelandet ist?
Was macht mich satt?

Ich will diese Fragen jetzt gar nicht schnell und lehrbuchmäßig mit den richtigen, frommen Antworten zupflastern. Mein Verstand kennt sie.
Aber drei Dinge sind jetzt angesagt:
Buße (ja, ich weiß, dieses Wort klingt so drückend und so altmodisch, dabei hat es doch eine so tiefenreinigende Wirkung wie kein Waschmittel und kein Gesichtspeeling es je haben könnten).
Dank (irgendwo habe ich gelesen, dass Dankbarkeit die beste Medizin gegen Bitterkeit ist- leider habe ich vergessen, wer diesen schlauen und wahren Satz geschrieben hat).
Und auf mein Herz hören. Denn Veränderung geschieht nicht durch Regeln. Sie geschieht durch Einsicht und Verständnis. Wenn ich herausfinde, wonach mein Herz sich sehnt und warum es auf Irrwegen unterwegs war, kann ich es sanft, aber bestimmt an die Hand nehmen und in eine bessere Richtung führen.
Richtung Jesus wäre gut…

So, und jetzt rate, welches Wort mein aktuelles „Wort des Jahres“ ist (bitte Taschentuch bereitlegen zum Lach-Tränen- Trocknen):

D-E-M-U-T!!! (haha, Gott, sehr witzig!)

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Dir wünsche ich einen vergleichsweise guten Tag!

Herzlichst,
Barbara

alle Bilder: pixabay

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Neuland

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Das neue Jahr ist schon nicht mehr taufrisch. Sogar die Heiligen Drei Könige haben es jetzt geschafft und schon gratuliert. Aber weil ich den Jahreswechsel diesmal ziemlich bewusst wahrgenommen und mir mehr Zeit als sonst für Rück- und Ausblick genommen habe, klingt auch noch etwas davon nach.

Die Aussicht darauf, ein neues Kapitel aufzuschlagen, hat mich beflügelt und motiviert- nicht, weil das vergangene Jahr besonders schlimm war, sondern weil ich irgendwie Lust auf die eine oder andere Veränderung verspüre. Nichts Gewaltiges, nichts Bahnbrechendes, was das Ruder der Weltgeschichte herumreißen wird – ich bin ja kein „stable genius“, haha-, keine spektakulären Vorhaben. Aber ein paar Schritte vielleicht, die nach außen unbedeutend aussehen mögen, für mich aber trotzdem viel bedeuten.

Euch meine konkreten Pläne oder Ideen zu erzählen, habe ich im Moment gar nicht so auf dem Herzen. Nicht, weil ich geheimnistuerisch sein möchte oder in Wirklichkeit überhaupt keine Ideen hätte (das könnte ja durchaus auch sein!!), sondern weil ich mich selbst nicht unter Druck setzen will. Was mir da so an kleinen oder mittelgroßen Schritten oder Schrittchen in den Sinn kommt, wird Zeit brauchen.
Da ich dazu neige, mit mir selbst ungeduldig oder sogar streng zu sein, nehme ich diese Ideen zwar ernst- gleichzeitig sage ich mir aber, dass Gott sehr viel Zeit hat.

Ich finde es richtig schön und sinnvoll, sich Ziele für das neu angebrochene Jahr zu setzen, sich Worte oder Gebete schenken zu lassen. Ich glaube auch, dass Gott uns einen Lebensrhythmus durch Tag und Nacht, durch die Jahreszeiten und -wechsel schenkt. Er gibt uns diese Lebensabschnitte, um sie bewusst zu erleben und zu füllen. Aber natürlich steht er gleichzeitig auch über Raum und Zeit und sieht so viel weiter, als wir sehen können.

Was ich in meinem Herzen an Sehnsüchten, Wünschen und Ideen trage – und was Ihr in Euren Herzen an Plänen und Wünschen tragt-, das mag sich in 2018 erfüllen. Es kann aber auch sein, dass manches davon noch einen längeren Atem braucht. Bestimmt dürfen wir in diesem Jahr viele Samen ausstreuen. Wir dürfen Neuland betreten. Vielleicht im wörtlichen Sinne. Oder im Gebet und innerem Wachstum. Grenzen dürfen erweitert oder Grenzen dürfen geschlossen werden.
Das ist gut.

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Und doch gilt: Wir werden wohl auch 2018 damit nicht ganz zum Ziel und zum Ende kommen. Gottes Geschichte mit Dir und mir, mit unseren Familien und unseren Gemeinden, mit unseren beruflichen, kreativen oder sonstigen Projekten, mit unserem Heranreifen -in einem Wort: mit unserer Berufung- wird wohl den Rahmen sprengen, den uns dieses neue Jahr bringt.

Mich entspannt das.

Ich darf hoffen, aber ich muss nicht erzwingen.
Ich darf ein Ziel anpeilen, aber ich muss mich nicht an den Rand eines burnouts katapultieren.
Ich darf planen und kann gleichzeitig da und dort auch mal die Zügel lockerlassen und mir zugestehen, dass nicht alles, was ich mir für die Zukunft vorgenommen habe, in 12 Monate hineinpassen muss.

Jetzt weiß ich schon, dass das auch ein bisschen ein Luxus- Anliegen ist, über das ich da gerade schreibe. Vielleicht jonglierst Du ohnehin schon mit so vielen Bällen, dass schon der bloße Gedanke an „Mehr“ bedrohlich wirkt. Oder Du bist durch andere Umstände lahmgelegt, vielleicht durch Krankheit, durch Trauer über einen Verlust oder durch Arbeitslosigkeit. Dann hoffe ich, dass meine „Entspann-Dich-Einfach“-Zeilen nicht zynisch in Deinen Ohren klingen. Ich versuche auch gar nicht erst, Deinen Empfindungen gerecht zu werden. Das kann mit so einem post ja gar nicht klappen. Ich hoffe nur einfach mit Dir, dass Gott sich Dir so zeigt, dass Du ihm trotzdem nahe sein kannst.

Zum Schluss noch eine praktische Anregung, die ich bekommen habe:
Wir haben Silvester mit einer befreundeten Familie gefeiert und waren in deren Gemeinde zum Silvester-Gottesdienst zu Gast. Als kleine Aktion wurde vorgeschlagen, dass jeder seine Gebetsanliegen für das neue Jahr auf einen Zettel schreiben und dann an eine Rakete anheften konnte. Zum Abschluss des Gottesdienstes wurden die Gebete dann „in den Himmel abgefeuert“.
Mir hat dieses symbolische In-den-Himmel-Schicken gefallen.
Ich werde mir notieren, welche Bitten ich an Gott gerichtet habe und im Lauf des Jahres darauf achten, wie Gott auf meine Herzenswünsche reagiert (auch hier braucht es wahrscheinlich einen längeren Atem- nicht nur ein einzelner Schuss, abgefeuert in den Himmel, sondern Zwiegespräch mit und Flehen vor Gott).
Vielleicht ist das  ja auch eine Idee für Dich (die Anliegen müssen nicht zwingend an einer Rakete kleben, glaube ich 😉). Ob die Wünsche sich dann erfüllen oder nicht, ob sich langsame Veränderungen anbahnen oder Du ganz ungeahnt mit einem Feuerwerk überrascht werden wirst, ob Gott dazu schweigt, redet oder handelt -das wissen wir nicht.
Aber dass er uns sieht und sich kümmert- das glaube ich ganz gewiss.

Uns allen- den Frohgemuten und Verzagten- wünsche ich ein Jahr voll von Segen und Frieden und guten Veränderungen!

Bis bald vielleicht,
Barbara

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alle Bilder: pixabay

Der beste Gott

Weihnachten ohne einen post…nee, das geht einfach nicht.

Nicht, dass ich eine überwältigend neue Weihnachtsbotschaft hätte, aber Weihnachten ist einfach mein Lieblingsfest, und diese Liebe scheint im Laufe der Zeit nicht weniger, sondern mehr zu werden.

In diesem Jahr vielleicht besonders, weil ich das Mit- und Entgegenfiebern der Kinder noch selten so intensiv gespürt habe wie in den vergangenen Wochen. Alle drei hegen natürlich ihre ganz eigenen Wünsche und Erwartungen, sind mehr oder weniger gewiss, was sie unter dem Weihnachtsbaum finden werden, haben selbst ihre Geschenke schon von langer Hand geplant oder last minute besorgt, trällern das eine oder andere Weihnachtslied vor sich hin, haben die letzten Klassenarbeiten mit schon blankliegenden Nerven hinter sich gebracht und wollen nur noch eins: Dass es jetzt endlich, endlich losgeht mit Weihnachten (okay, das Krippenspiel muss halt auch noch über die Bühne gebracht werden- im wahrsten Sinne des Wortes!!). Weihnachten hoch drei. Diese gespannte Erwartung steckt an!

Mag sein, dass auch meine Kindheitserinnerungen an Weihnachten mit der Zeit nostalgischer werden. Nicht immer war alles rosarot in meiner Kindheit. Aber eines war meine Mutter ganz bestimmt: Eine Weihnachtskünstlerin. Sie hat es verstanden, dieser Zeit eine zauberhafte, geheimnisvolle, feierliche Note zu verleihen, hat mit Hingabe gebacken, mit Liebe Geschenke ausgewählt, das Haus geschmückt, Geschichten erzählt und in meinem Herzen eine vorfreudige Erwartung geweckt, die ganz sicher viel mit Geschenken zu tun hatte, die aber auch auf irgendetwas Größeres gedeutet hat. Weihnachten war die Zeit von Lebkuchenduft, von Wunschzetteln, von Liedern und von Goldstaub- aber auch eine Zeit von Hoffnung. Die Hoffnung darauf, dass alles irgendwie gut werden wird, dass die Familie zusammenrückt, dass uns das Fest verbinden wird und wir alle zusammen glücklich sein werden.

Mein Mann hat es nicht leicht in dem Ganzen. Während seine Mutter – bei sonst klarem Verstand und gutem Geschmack- einen relativ stark ausgeprägten Weihnachtsmann-Tick hat und in der Adventszeit kaum eine Ecke in ihrer Wohnung zu finden ist, die nicht von einem rot gekleideten, dicken Mann mit weißem Bart geschmückt wird, bin ich ein Weihnachtsmusik- Junkie.
Begonnen hat alles ganz harmlos mit einer einzelnen Weihnachts-CD, die mir mal – ich glaube sogar versehentlich- von einer Mitarbeiterin im Bibelladen ausgehändigt wurde. „Hark, the Herold Angels sing“, „Mary, did you know“, „Winter Wonderland” und “Oh come, all ye faithful” reichten aus- und es war mit mir geschehen. Ich hatte mich verliebt- in die großen Emotionen der englischen Weihnachtslieder- Tradition. Und glaubt mir- das hört man…! Bis kurz vor dem ersten Advent halte ich meist durch. Aber wenn es dann darum geht, mit dem Plätzchenbacken zu beginnen und den Adventskalender zu füllen, dann gibt es kein Halten mehr. Und dann hört man sie wieder im ganzen Haus singen: Casting Crowns und Colton Dixon und Mandisa und wie sie alle heißen, und sie singen davon, dass Jesus geboren ist, dass die Freude jetzt bei uns einzieht, dass die Engel anbeten oder auch, dass die Glöckchen klingen und der Schnee fallen soll (es kann ja nicht immerzu so tiefgründig zugehen).

Das alles sind schöne Seiten der Weihnachtszeit (also, zumindest für mich 😉).
Aber sie erklären noch nicht vollständig meine große Liebe zu diesem Fest.
Ihr wisst es natürlich schon und es ist sicher auch in Euren Herzen lebendig: Je länger, je mehr freue ich mich über Jesus. Dass ich seine Geburt besser verstehe als früher, das ist es wohl nicht. Aber ich glaube, die Liebe wird mehr. Und sie kommt nicht von mir.
Selbst wenn ich nicht mit Gott unterwegs wäre- ich würde die Weihnachtsgeschichte einfach glauben wollen. Sie ist so anders, so überraschend, so berührend und so schön. Gottes Wesen drückt sich so einzigartig in der Geburt dieses Kindes aus, dass mein Herz dabei einfach warm wird und schmilzt (und wer jetzt meint, dieser Satz kommt nur von einer Überdosis Weihnachtsmusik, hat nur zum Teil recht…).

Gottes Güte- sein freundliches, liebevolles Wesen- leuchtet darin auf. Und es zeigt mir, dass meine Mutter recht hatte mit ihrer Weihnachtshoffnung: Es gibt diesen Ort und diese Zeit, wo wir die Annahme, Liebe, Geborgenheit und Gemeinschaft finden, die unser Herz sucht. Es gibt dieses Heil und dieses Zuhause. Tannenzweige und Kerzen, schöne Geschenke und gefühlvolle Lieder, Weihnachtsschmuck und Weihnachtgebäck deuten darauf hin. Aber die Erfüllung liegt woanders.
Sie liegt mit Jesus in der Krippe.
Er ist der beste Gott, den ich mir vorstellen könnte. Ich möchte zu keinem anderen gehören.

In all dem Trubel, der heute herrschen wird, will ich mich daran erinnern. Mein Gott ist der Gott, der sich für nichts zu schade ist. Er ist so vollkommen, dass er sich vollkommen klein macht für mich.  Und trotzdem ein König bleibt:

Denn uns ist ein Kind geboren! Ein Sohn ist uns geschenkt! Er wird die Herrschaft übernehmen. Man nennt ihn „Wunderbarer Ratgeber, Starker Gott, Ewiger Vater, Friedefürst.“ (Jesaja 9,5)

Merry, merry Christmas und viel Weihnachtshoffnung wünscht Euch von Herzen

Barbara

 

Foto: pixabay

 

 

Vom Vertrauen

Vor kurzem waren wir am Meer. Ein ganz gewöhnlicher Familienausflug. Mein Mann, die Kiddies, ein befreundetes Nachbarskind und ich. Aus dem ganz gewöhnlichen Familienausflug wurde ein ganz wundervoller Nachmittag. Nix Spektakuläres, einfach nur viele kleine schöne Dinge, die sich harmonisch ineinandergefügt haben: Toller Sonnenschein und wunderbar warmes Herbstlicht. Viel Platz für die Kinder, um zu rennen und zu toben. Ein schönes Picknick. Gute Stimmung. Vorfreude aufs Drachensteigen. Nette Begegnungen. Schöne Gespräche. Auf dem Weg zurück zum Parkplatz dann stellen die Kinder viele Fragen und wollen von Dennis und mir kurz die Welt erklärt haben (aktueller Anlass ist die Bundestagswahl). Wir erklären, begründen, überlegen. Und ich freue mich, dass die Kinder uns so viele Fragen stellen. Noch ist unsere Meinung der Maßstab für sie…

Ein Blick in die Vergangenheit:
Die Familie, in der ich selbst aufgewachsen bin, war ein instabiles Gefüge. Im Rückblick würde ich sagen, dass ich oft das Gefühl hatte, mich auf dünnem Eis zu bewegen: Ein falscher Schritt, und das brüchige Gleichgewicht konnte umschlagen. Jederzeit lag die Möglichkeit im Raum, dass eine Situation entgleisen und die trügerische Ruhe in Streit und Unfrieden umschlagen konnte. Erst heute weiß ich, dass der Streit selbst noch nicht mal das Schlimmste war, sondern die Tatsache, dass keiner dieser Konflikte jemals wirklich geklärt wurde. Unter der Eisschicht türmten sich die Probleme auf und brachen in unregelmäßigen Abständen unter der Oberfläche hervor.

Das Gute daran: Meine Familiengeschichte hat in mir eine unbändige Sehnsucht nach einem heilen Zusammenleben entstehen lassen. Mal selbst eine glückliche Familie zu haben, wurde zu einem Lebenstraum für mich. Und als es dann tatsächlich so weit war und ich Mama werden durfte, kamen die Fragen:
Wie mache ich das eigentlich, eine „heile Familie“ zu gründen? Wie sieht denn eine gute und gesunde Erziehung aus? Was hilft meinen Kindern, dass sie zum Leben ermutigt und ertüchtigt werden? Und was kann ich dazu beitragen, dass sie eine glückliche Kindheit erleben und gute Erfahrungsschätze sammeln?
Hmmm, keine ganz leichten Fragen, oder?

Um Antworten zu bekommen habe ich natürlich den einen oder anderen Erziehungsratgeber gewälzt und darin auch tatsächlich ein paar gute Tipps gefunden. Außerdem habe ich auf mich wirken lassen, wie andere Familien ihr Zusammenleben gestalten und dabei mehr unbewusst als bewusst das eine oder andere herausgefiltert, das mir gefallen hat.
Aus einer inneren Not heraus habe ich auch angefangen, meine eigene Lebensgeschichte aufzuarbeiten und bin dabei auf Themen gestoßen, die nicht nur für mich selbst, sondern auch für den Umgang mit meinen Kindern wichtig waren und sind.
Ja, und abgesehen davon habe ich einfach so vor mich hin gewurstelt, manches richtig und manches falsch gemacht, mich mehr als einmal bei meinen Kindern entschuldigt, an mir und meinem Mama-Sein gezweifelt (also nicht an der Tatsache, dass ich Mutter bin, aber wie ich es bin…), lag meinem Mann mit Selbstzweifeln in den Ohren, habe gebetet, habe gedankt und jeden Tag neu die Nähe zu meiner Familie gesucht. Ob beim Kuscheln, Kakao- Machen, Bilderbuch-Vorlesen, Spazierengehen, Schimpfen, Wieder- Vertragen oder Witze-Anhören. Ob beim Kieferorthopäden, im Kino oder beim Kostümverleih.

Und dann hat es doch 10 Jahre und ein halbes und insgesamt drei Kinder gebraucht, bis ich endlich kapiert habe, worauf es ankommt. Es ist so simpel, dass es schon fast peinlich ist, daraus einen post zu machen (aber das liegt vielleicht daran, dass es ein Brett gibt, das sich manchmal ziemlich dicht vor meinem Kopf befindet…):

Vertrauen.

Es kommt auf das Vertrauen an. So wie bei unserem Ausflug neulich am Meer. Ein Kind geht an meiner Hand und versucht, mit mir ein Stückchen mehr von der Welt zu verstehen, in der es lebt. Es stellt Fragen und ich darf antworten. Es sucht Nähe und ich bin da. Es sucht Freiheit und darf losrennen. Es sucht Geborgenheit und kommt zurück.  Es möchte gesehen werden („Mama, schau mal!“), und möchte auch mal weg („ich geh schon mal vor“).

Dieses kleine Stück Alltagsglück beim Spaziergang hat mir persönlich die Augen geöffnet. Es gibt viele gute Erziehungstipps. Ich habe von vielen Prinzipien und Ansätzen profitiert und mir daraus Anregungen geholt. Am Ende des Tages aber wird es darauf ankommen, dass mein Kind mir vertrauen kann. Dass es mein Herz hinter Regeln und Ritualen erkennt. Dass ich ihm glaubhaft machen konnte, dass ich es gut meine. Und dass mein Kind dieses Wissen in seinem Herzen trägt.
Damit habe ich eine gute Richtschnur gefunden, an der ich meine Entscheidungen und Reaktionen messen und ausrichten kann (was nicht bedeutet, dass mir das dann in jeder Situation gelingen wird!!!): Fördern sie das Vertrauen, das ich mir von meinen Kindern wünsche? Tun sie meinem Kind gut? Geht es dabei (nur) um mein Wohl, meine Bedürfnisse und meine Prinzipien, oder habe ich auch mein Kind im Blick, mit seinem momentanen und seinen längerfristigen Bedürfnissen? Kann ich zum Beispiel begründen, warum mein Kind seine Hausaufgaben verbessern soll, wenn sie nicht ordentlich gemacht sind? Warum ich nicht so gern möchte, dass es ein bestimmtes Buch liest und ihm dafür ein anderes empfehle? Warum ich es alleine zum Supermarkt schicke, aber nicht alleine ins Kino? Warum es nicht auf seinem Tablet spielen darf, wenn das Zimmer nicht aufgeräumt ist?
Wenn die Antwort etwas mit einem guten Ziel zu tun hat, das ich für mein Kind im Blick habe, dann habe ich vielleicht nicht gerade eine Garantie, aber ganz gute Chancen, dass mein Kind mein Herz erkennen und merken kann, dass ich vertrauens-würdig bin.

Ein Kind, dessen Vertrauen missbraucht wird, wird unsicher.
Ein Kind, das ohne versteckte Agenda, ohne Willkür und ohne falsche Abhängigkeiten sein darf, kann sich entfalten.
Ein Kind, das übers Eis balancieren muss, rutscht früher oder später aus.
Ein Kind, das festen Boden unter den Füßen hat, kann stehen, rennen oder tanzen. Denn der Grund, auf dem es steht, trägt.

Das Schöne daran finde ich: Vertrauen kann überall wachsen: Im Kinderzimmer beim Legobauen, auf dem Sofa, wenn wir uns nach einem Streit aussprechen, am Frühstückstisch (okay, da ist selten Zeit 😉 oder – so wie bei uns neulich- am Strand.

Ein hoher Maßstab, diese Sache mit dem Vertrauen.  Den habe ich jetzt gesetzt (Herr, hilf!!!). Ob ich das Vertrauen meiner Kinder weiterhin wecken werde?? In ca. 10 Jahren sind wir schlauer…😉

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alle Bilder: pixabay

 

 

Kind auf Reisen

Es fällt mir gerade schwer zu entscheiden, worüber ich schreiben soll (selbst schuld, wenn man fünf Monate nichts mehr zustande gebracht hat!!!), aber am meisten beschäftigt mich wohl, dass zur Zeit sowohl Dennis (mein lieber Mann), als auch Annie (mein mittleres Kind) nicht da sind. Annie ist 8, also eigentlich kurz vor 9, und wie alt Dennis ist, ist jetzt gerade nicht so wirklich von Bedeutung.
Dennis macht bei so einem extrem krassen Survival Training in Schweden mit (die Firma, für die er arbeitet, hat ihn da hingeschickt, er ist auch sehr gerne und frohgemut mitgefahren, während ich jetzt hier zu Hause sitze und hoffe und bete, dass er den Weg aus den schwedischen Wäldern auch wieder hierher zurück findet…). Annie ist auf Klassenfahrt. Das kann ja auch sowas wie ein Survival Training sein- bei ihrer Klasse ist das auf jeden Fall nur eine schwache Übertreibung. Aber immerhin weiß ich, dass sie gut angekommen ist, dass sie 3 Mahlzeiten pro Tag bekommt (die Süßigkeiten vom Kiosk nicht eingerechnet) und dass sie ein Dach über dem Kopf hat…Von Dennis weiß ich hauptsächlich, dass es in seiner Reichweite keinen Kiosk gibt. Auch sonst keinen Laden. Auch kein Haus. Und kein Telefon. Schluck.

Mit nur drei aus fünf anwesenden Familienmitgliedern fühle ich mich fast wie amputiert – es fehlt ein Teil von meinem normalen Leben. Nein, noch mehr: Es fehlt eigentlich ein Teil von mir selbst.
Inzwischen hatte ich ein paar Tage Zeit, mich daran zu gewöhnen, aber meine Lieblingsmenschen hinterlassen doch eine echte Lücke, die sich auch durch nichts anderes schließen lässt.
Wieder mal ist also so eine Situation entstanden, in der ich begreife, wie endlich vieles ist, was wir als selbstverständlich und normal empfinden. Vermissen tue ich natürlich beide, meinen Mann und meine Tochter. Wenn es um die Kinder geht; empfinde ich den Kontrast zum alltäglichen Leben aber besonders stark. Bei Euch passiert so etwas natürlich nicht, das ist mir schon klar, aber mir gehen meine Kinder tatsächlich auch ab und zu auf die Nerven. Manchmal habe ich schon heimlich gewünscht, dass sie -natürlich nur für kurze Zeit!!!!- unsichtbar oder doch wenigstens auf stumm geschaltet werden könnten. Lärm, Lachen, Geschrei, eine unübersehbare Spur an Gegenständen, die spontan irgendwo fallen gelassen wurden, weil plötzlich etwas ganz anderes gespielt werden musste, knallende Türen und der bedrohliche Ausruf: „Maaaaamaaaa, wo bist Du?“, wenn man sich gerade heimlich mit seinem Kaffee in Richtung Badezimmer schleichen wollte, weil man da ja vielleicht eventuell unbemerkt und ungesehen nur für fünf Minuten …ach, Ihr wisst schon. Ja, und dann seufzt es ab und zu aus den Tiefen des Mutterherzens heraus und man wäre gerne irgendwo anders, dort, wo die Palmen im Wind hin- und hergeschaukelt werden, feiner Sand zwischen den Zehen hindurchrieselt und nur das Rauschen der Meereswogen ans Ohr dringt. Und, vor allem: Kein Kindergeschrei zu hören ist!

Aber jetzt, wie absurd, fehlt mir unsere Vollzähligkeit. Keine Frage, es ist stiller, es ist entspannter, die Arbeit überschaubarer, die Streitereien weniger, sobald ein Kind fehlt. Aber es ist auch: Leerer, langweiliger, unrunder, unschöner. Man merkt ja im alltäglichen Einerlei gar nicht pausenlos, wie sehr einem diese süßen, witzigen, frechen, schlecht erzogenen, kreativen, lauten und einzigartigen Menschen ans (Mutter-)Herz wachsen, wie unglaublich groß der Raum ist, den sie in uns einnehmen und wie merkwürdig es ist, wenn sie dann plötzlich nicht da sind.
Mir tut diese Zeit der vorübergehenden Trennung insofern gut, als ich merke, wie sehr ich sie (oder in diesem Fall eines davon) vermisse. Wie innig tatsächlich die Liebe ist. Wie unsagbar froh und dankbar ich sein kann, dass ich mit diesen Menschen beschenkt bin. Wie glücklich ich mich schätzen kann, dass sie mit mir unter einem Dach leben und nicht durch schwere Umstände oder Schicksale von mir getrennt sind. Das klingt jetzt vielleicht wiederum sehr dramatisch. Aber es gibt so viele Menschen, die alles für dieses scheinbar ganz normale, alltägliche Glück geben würden.
Ich freue mich jetzt erstmal, dass wir in wenigen Tagen wieder beisammen sein werden und uns alle, so Gott will, wieder in die Arme schließen können (die Torte für dieses schöne Ereignis ist bereits in Vorbereitung!).
Natürlich werden wieder Momente kommen, in denen ich mir wünsche, Jesus würde mich kurzfristig für eine kontemplative Zeit der Stille an einen Südseestrand entrücken (oder wenigstens in ein aufgeräumtes Haus)- fernab von Kindern, Hausaufgaben, angebissenen Schulbroten und Geschwister-Rivalitäten. Aber ich muss diese Lektion doch immer wieder erfahren und brauche mehr als nur eine Erinnerung daran: Ich bin absolut privilegiert, gesegnet, bereichert und beschenkt. Tag, täglich habe ich viele Male die Wahl, ob ich auf die Stressfaktoren oder die Glücksmomente schaue. Ob ich ein Kind sehe, das gerade nicht das macht, was ich will, oder ein Kind sehe, dem zutiefst meine Zuneigung und Liebe gelten, das mir anvertraut ist und meinen vollen Respekt verdient.

Und das irgendwann nicht nur auf Klassenfahrt, sondern auf seine ganz eigene große Lebensreise gehen wird.
Oh je, das wird schwer…

Aber jetzt wird erstmal Torte gemacht…
 

Gott, der Motivstanzer und ich

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Kürzlich war ich beim Shoppen in einem nahegelegenen Einkaufszentrum.  Die Kinder hatte ich in der kostenlosen Kinderbetreuung geparkt (mache ich nicht häufig, ist allerding bei meinen Kindern sehr beliebt, weil natürlich auch immer irgendwo ein Fernseher läuft…) und wollte nur eben noch ein paar kleine Bastelsachen besorgen. An der Kasse hatte sich eine lange Schlange gebildet. Vor mir in der Reihe stand eine Familie: Vater, Mutter und die beiden Töchter, die Mädels so um die 10 und 12 Jahre alt, schätze ich.

Während wir da noch so standen und warteten, entdeckte das ältere der beiden Mädchen eine Kleinigkeit, die es noch gerne haben wollte. Wie Kinder das so machen, nahm sie das Teil (in diesem Fall war es so ein Ding, mit dem man Motive aus Papier ausstanzen kann) aus dem Regal heraus, hob es hoch und schaute die Eltern bettelnd an. Die nahmen´s ihrem Kind nicht übel und reagierten mit Humor. Allerdings entschied die Mutter, dass das Teil (Motivstanzer oder wie sowas richtig heißt?) im Laden bleiben sollte. „Aha, Mama ist also Finanzchefin“, dachte ich mir. Es gab  weiter keine Diskussionen  oder schlechte Laune deswegen. Ohne große Umschweife gab das Kind nach und stellte das Teil wieder weg. Als die vier dann an der Reihe waren zu bezahlen, warf der Papa seiner Tochter einen verschmitzten Blick zu. Mit einem breiten Grinsen drehte er sich nochmal um, griff ins Regal und holte den besagten „Motivstanzer“ heraus. „So, das wird jetzt noch gekauft“, verkündete er strahlend und legte das Teil schwungvoll auf den Ladentisch. Die Tochter war begeistert, die Ehefrau machte eine ironische, aber gut gelaunte Bemerkung und wenig später waren alle vier aus dem Laden draußen.

Episode vorbei. Aber in mir arbeitet es noch. Auf sehr positive Weise. Ich bin nämlich berührt von der kleinen, vollkommen alltäglichen Situation, die ich da unbemerkt beobachten durfte.
Was ich daran so besonders finde? Mich berührt die Geste dieses Papas. Entgegen der Vernunft –und Männer sind ja auch gerne mal rational- ,entgegen der Berechnungen, die ergeben haben, dass das Budget für heute ausgeschöpft ist, lässt er sein Herz sprechen. Und sein Herz sagt: Ich möchte meine Tochter beschenken. Ich möchte ihr eine Freude machen. Weil sie mir viel bedeutet, lasse ich meinen Verstand mal außen vor und lasse meine Liebe zu ihr sprechen. Durch diese kleine und doch großzügige Geste, die nicht abwägt, sondern verschwenderisch ist. Hier- für Dich. Von Herzen. Dein Papa.

Herzlich, zugewandt, aufmerksam, mit einem Strahlen in den Augen- die Liebe dieses Familienvaters war sichtbar. Und für mich hat sie etwas widergespiegelt von dem Vaterherz, das Gott für uns hat. Denn auch Seine Augen sehen uns strahlend, liebevoll, aufmerksam an. Und auch Sein Herz ist darauf aus, uns zu beschenken. In allererster Linie mit Seiner Nähe. Aber darüber hinaus mit einem Reichtum, den man nur entdecken kann, wenn man sich mit Ihm auf die Reise macht:

„And how blessed all those in whom you live, whose lives become roads you travel; They wind through lonesome valleys, come upon brooks, discover cool springs and pools brimming with rain!” (Psalm 84, 5.6, The Message).

Kerstin Hack (www.downtoearth.de) schreibt: „Nur die Information zu erhalten, dass Gott uns liebt, nützt unseren Gefühlen nichts und wird kaum etwas nachhaltig verändern. Unser Gehirn braucht Bilder, um sich etwas vorstellen zu können.“

Da ich schon seit langem unterwegs bin, um die Vaterliebe Gottes immer mehr zu erkennen,  war das kleine Erlebnis beim Einkaufen für mich auch eine kleine Offenbarung. Das liegt sicher unter anderem daran, dass ich ein „Geschenketyp“ bin und meine Liebe gerne mit kleineren oder größeren  Aufmerksamkeiten ausdrücke. Wenn das nicht so wäre, hätte die Tatsache, dass ein fremder Mann seiner Tochter einen Motivstanzer kauft, wahrscheinlich nicht so einen großen Eindruck auf mich gemacht. Aber Gott kennt mich ja und weiß, worauf ich „anspringe“. Er hat dafür gesorgt, dass ich zur Zuschauerin wurde und dass er mir dabei freundlich ins Ohr flüstern konnte: „Schau, Barbara, so bin ich auch. So sieht mein Vaterherz aus. Ich will Dir gerne eine Freude machen.“

Ich wünsche Euch auch immer wieder solche Momente, in denen Gott Euch mitten im Alltäglichen und Unscheinbaren berührt und Euch die Augen für etwas öffnet, das nicht von dieser Welt ist (und hey, wenn Er das sogar anhand von Bastelutensilien machen kann, die unaussprechliche Bezeichnungen haben, dann gibt es doch keine limits, oder???).

„Der Herr segne Dich und behüte Dich. Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig. Der Herr hebe sein Angesicht über Dich und gebe Dir Frieden.“ (4. Mose 6, 24-26).

 

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Amazing grace

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Ihr habt ja sicher auch schon von der Idee gehört, sich ein Wort zu überlegen bzw. von Gott zeigen zu lassen, das einen dann in dem jeweiligen Jahr begleiten, inspirieren und ermutigen soll (www.myoneword.org). Viele suchen sich solch ein Wort zum Jahreswechsel (der ja nun nicht mehr so ganz aktuell ist J), aber wahrscheinlich ist Gott so flexibel, dass er uns auch zu anderen Zeiten solche Worte zusprechen kann ;-). Da ich ja ein gemütlicher Mensch bin und die Sachen bei mir manchmal etwas länger als bei anderen dauern (jedenfalls kommt mir das so vor!!!), hat mich mein erstes so gewähltes Wort nun nicht nur ein, sondern fast drei Jahre lang begleitet. Ich habe es auf Englisch ausgesucht, weil wir zu der Zeit noch in Kanada gelebt haben:

accept.

Zu der Zeit, als dieses Wort für mich wichtig wurde, habe ich mich mit Selbstannahme und mit der Frage auseinandergesetzt, wie ich mich mit meinen Stärken, Schwächen und meiner eigenen Lebensgeschichte anfreunden und versöhnen kann. Akzeptieren, wie und wer ich bin. Und wer nicht. Das ist mir nicht immer leicht gefallen. Es gibt auch immer mal wieder Momente, in denen ich mich unwohl in meiner Haut fühle oder in denen sich alte Erfahrungen hinterrücks anschleichen und mich mit negativen Gefühlen überrumpeln wollen. Aber der Grundton meines Seins ist doch ein anderer geworden: accept. Ich nehme mich an. Und noch viel besser: Ich bin angenommen. Da ist jemand, der mich so nimmt wie ich bin. Und mich niemals verlassen wird. Bei Ihm bin ich immer genug. Mehr als genug. Mein letzter post vom Februar hatte die Überschrift: Angenommen. Tatsächlich brauchte auch diese Einsicht lange, bis ich sie akzeptieren konnte: Ich nehme mein Kind und seine besondere Geschichte an. Ich muss nicht mehr versuchen, scheinbar krumme Linien mit Gewalt gerade zu biegen. „Was ist, darf sein“ (danke, Sonja!!)). Und Gott, mein Vater, wird daraus etwas Gutes werden lassen. Für mich. Aber vor allen Dingen für meinen wunderbaren Sohn.

Jetzt spüre ich, dass eine neue Zeit angebrochen ist. In meinen Gedanken und meinem Herzen taucht immer öfters ein neues Wort auf, von dem ich glaube, dass es mich in den nächsten Wochen, Monaten und vielleicht sogar Jahren begleiten wird:

grace. Gnade.

Dieses Wort war mir lange Zeit fremd. Nicht, weil ich es nicht gekannt hätte. Aber ich konnte es nicht mit Leben füllen. Gnade…? Was soll das genau sein? Was bedeutet das schon? Ich bin ja – dem Himmel sei Dank- noch nicht vor einem Richter gestanden und musste also auch noch keine Urteilsverkündung über mich ergehen lassen. Wo kein Urteil ist, ist auch keine Gnade. Oder?

So abstrakt mir dieser schöne Begriff lange Zeit vorkam, um so mehr beginne ich jetzt zu ahnen, wie sehr ich tagtäglich von Gnade lebe.

Dass ich am Leben bin- Gnade. Dass ich so bin, wie Gott mich erschaffen hat- Gnade. Dass ich Talente habe und mich nützlich mache kann- kein Grund für Arroganz, nicht für Eigenlob und nicht für falsche Demut, sondern: Gnade. Dass ich ziemlich gesund und einigermaßen fit bin: Gnade. Dass ich Ehe und Familie leben darf: Gnade. Dass wir ein Zuhause haben und obendrein den Luxus, es uns schön zu machen: Gnade. Dass wir noch an keinem Tag unseres Lebens Hunger leiden mussten: Gnade. Dass ich Freunde habe: Gnade. Dass ich gute Begleiter und Ratgeber in meinem Leben hatte: Gnade. Dass ich heute diesen wunderbaren Sonnentag mit allen Sinnen erleben darf: Gnade. Jemand war mir gnädig. Jemand hat mich mit guten Dingen versorgt und gesegnet, die ohne dieses Zutun so nicht da wären. Und: Jemand spricht ein gnädiges Urteil über mich. Über mein Leben, mein Sein, mein Tun. Über alles, was ich gut mache und über alles, was mißlingt. Über meine guten und meine schlechten Entscheidungen. Über meine heiligen Momente und über die Momente, in denen ich Schuld auf mich lade.

Atmet mein Leben etwas von dieser Gnade???? Hmmm… Wie war das, …

…als meine Tochter den kompletten Inhalt ihres Kleiderschrankes großflächig auf dem Fußboden des Kinderzimmers verteilte (es ist ein großer Kleiderschrank, es sind viele Kleider, und sie waren alle einmal hübsch ordentlich von Muttern gefaltet worden…)…?

…als mein Sohn zum wiederholten Mal seine Hausaufgaben in der Schule vergaß…?

…als meine andere Tochter ihre Wut hemmungslos an den Geschwistern ausließ und ihnen sehr unfreundliche Worte entgegenschleuderte…?

Da war ich nicht gnädig und großherzig. Da hat mein Leben eher Frust und Wut und Gereiztheit versprüht als gnädige Gelassenheit. Nicht gerade das Vorbild, das die Kinder inspiriert, um ihr Verhalten zu ändern, fürchte ich. Aber ein kleiner, noch unscheinbarer Anfang ist gemacht. Ich schmecke den Unterschied. Ich bekomme ein Gespür dafür, wie Gnade sich anfühlt (wird auch langsam Zeit, mit über 40…!). Und merke, dass ein gnadenloses Leben ziemlich düster und freudlos aussieht. Und deshalb passiert es auch hier und da schon mal, dass ich die Kurve bekomme und statt der ärgerlichen, impulsiven Worte, die mir schon auf der Zunge liegen, doch den anderen Abzweig nehme und etwas sage, das irgendwie netter ist als gedacht und in diesem Moment aus einem größeren Herzen als meinem eigenen zu kommen scheint. Manchmal begegnet man älteren Menschen, die im Laufe ihres Lebens gelernt haben, gnädig zu sein. Diese Menschen verströmen für mich etwas absolut Wohltuendes: Man fühlt sich bei ihnen angenommen ( accepted!) und entspannt. Sie spiegeln etwas davon wider, dass wir alle begrenzt sind, aber grenzenlos geliebt. Dass wir uns nicht immer für das Gute entscheiden, aber trotzdem alles wieder gut werden kann. Dass wir uns vieles verdienen können, das Wesentliche aber unverdient zu uns kommt.

 

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Wie sieht das bei Dir aus? Was heißt Gnade für Dich? Wo brauchst Du mehr davon, im Umgang mit Dir selbst und mit anderen? Gibt es Menschen in Deiner Umgebung, die Dir gnädig sind? Oder hast Du Gottes Gnade schon spürbar erlebt?

Ich bin mal gespannt, wo „mein Wort“ mir noch begegnen und mich inspirieren wird.

Dir wünsche ich herzlich eine gnadenvolle Osterzeit!

Barbara

P.S.: Hat jemand von Euch schon mal eine kreative Idee gehabt, so ein Jahres-Wort zu gestalten? Wenn ja, freue ich mich über eine Anregung.