Vergeude Deine Zeit…

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Ich weiß nicht, wie das bei Dir ist, aber ich vergeude Zeit.

Oft hat es etwas mit diesem „bling“ zu tun, Ihr wisst schon. Ein kleines Geräusch, ganz unscheinbar könnte man meinen. Aber es bekommt sofort meine volle Aufmerksamkeit. Wer hat geschrieben? Und was?  Und auf welchem Kanal? Ist es nur Werbung, Belangloses aus einem Gruppenchat, eine Infomail? Oder doch eine Neuigkeit, die mir zu einen kleinen Kick verhilft und mich aus dem Alltagstrott herausbefördert?
Schnell mal nachschauen.
Hmm, okay, war nichts weiter…blöd wegen der Unterbrechung…

Manchmal passiert es auch, dass ich tatsächlich einen ganz vernünftigen Grund habe, um an mein smart phone zu gehen und etwas nachzuschauen. Dann springen mich sofort Bilder und Schlagzeilen aus dem Newsfeed an und wetteifern um meine Aufmerksamkeit. Meist dauert es nicht lange, bis ich auf irgendeinen dieser Reize- Überschriften oder Bilder- reagiere. Und mit ein, zwei Clicks habe ich mich im Nachrichten-, Klatsch- oder Tratsch-Dschungel verloren und verbringe Zeit mit Dingen, die ich eigentlich nie wissen wollte.

Wie oft am Tag lasse ich zu, dass ich auf diese Weise abgelenkt und aufgehalten werde? Wieviel Zeit und Energie vergeude ich mit der Jagd nach einer kleinen Sensation, nach ein bisschen Gänsehaut, nach Bestätigung- nach Leben?

Auch gestern war ich online, dieses Mal ohne es zu bereuen, denn ich bin auf eine
Vortragsreihe des bekannten Theologen und Psychologen Henri Nouwen.
gestoßen. Schnell habe ich gemerkt: Hier lohnt es sich, zuzuhören. Wenn ich die Zeit aufbringe und weiter bei diesen Worten verweile, dann werde ich etwas von dem finden, was meine Seele wirklich sucht. Also habe ich mich zu den drei Wäschekörben neben mir auf den Fußboden gesetzt, habe angefangen, Wäschestücke zu falten und habe nebenbei der Sendung „Lesezeichen“ gelauscht.
Inmitten der enorm weisen und dichten Gedankengänge von Henri Nouwen sprang mich plötzlich einer seiner Sätze ganz direkt an:

„Vergeude Deine Zeit mit Jesus“.

Oh wow.
Das traf mich mitten ins Herz. Und saß.
Vergeude Deine Zeit mit Jesus.

Fast hätte ich laut losgelacht, so perfekt passt der Satz in meine Situation.
Und das hat er in mir ausgelöst:

Wie -ich darf tatsächlich Zeit vergeuden??? Echt jetzt???
Juhu!!!!!!!!!!
Welch wunderbare, befreiende Nachricht für mich abgehetztes, zwischen all den Anforderungen zerriebenes und gleichzeitig so ablenkbares Geschöpf!
Ich muss meine Zeit nicht noch besser einteilen, nicht weiter optimieren, meine Leistungsfähigkeit nicht noch weiter steigern (denn am Ende reicht sie doch sowieso nie für alles aus, oder?). Nein, das alles darf ich tun, wenn ich möchte. Aber ich muss es nicht. Denn: Ich darf Zeit vergeuden!!!
Welch herrliche, großartige Einladung! Welch ein Fest!!!

Und dann:
Was für eine -Entschuldigung- geile und paradoxe Verheißung obendrein!
Denn die Zeit, die ich auf Jesus verschwende- sie wird ja gar nicht vergeudet sein!
Ganz anders als die Zeit, die ich so unkontrolliert in social media oder beim ziellosen Herum-Geclicke verliere.
Die Zeit, die ich mir mit Jesus um die Ohren schlage, wird mich näher an sein Herz bringen. Wird mich innerlich satt und zufrieden machen. Sie wird mich nicht von mir weg, sondern ins Zentrum des Lebens bringen.
In mein Zuhause.

Aber lest selbst meinen Mitschrieb:
„(…) Diese halbe Stunde will ich jetzt bei Jesus wohnen.
Ich weiß, dass ich zerstreut sein werde. Ich weiß, dass mir hundert Gedanken kommen und unzählige Einfälle, was ich alles tun müsste. Aber ich weiß, dass Du mich liebst und einlädst, auch wenn ich zerstreut und ängstlich bin. Ich will jetzt einfach bei Dir wohnen.
Sei bei ihm und horche auf ihn. Höre den Einen, der Dich einlädt: Sei still. Sei wie ein Kind, das mit seiner Mutter und seinem Vater im Haus wohnt. Wohne einfach. Spiele herum, sei da, jeden Tag eine halbe Stunde. Sei einfach bloß da. Sitze da und tu nichts. Vergeude Zeit mit Jesus.

So verhält sich Liebe. Die Liebe möchte immer bei dem sein, der sie liebt und den sie liebt.
Da möchtest Du sein.
Genieße es.

Wir merken dann langsam, dass wir uns im Herrn ein Haus einrichten und in seinem Haus nicht nur während einer Stunde sind, sondern den ganzen Tag lang. Wir sind immer im Haus des Herrn. Wo immer wir sind, und was immer wir tun, wir sind da, wo der Herr ist. Wir sind bereits bei ihm daheim.  Sogar wenn wir auf dem Weg zu unserem Haus sind, sind wir daheim.
Horche, frage und wohne. Und Du wirst langsam in Jesus hineinwachsen
.“
(Mitschrieb aus einem Audiobeitrag zu: Henri J.M. Nouwen, Jesus nachfolgen, Neufeld Verlag)

Wow, das trifft die Sehnsucht meines Herzens.
Klar, ich werde auch in Zukunft das „bling“ hören. Manchmal wird es gut und richtig sein, darauf zu reagieren. Und manchmal wird es sinnlose Zeitverschwendung bleiben.
Aber so lange mir dann auch wieder einfällt, wie es geht, meine Zeit sinnvoll zu vergeuden, finde ich das nicht so schlimm.

Also, auf geht´s, keine Zeit verlieren: Zeit vergeuden!!!

Sing your song

Mit meiner Kaffeetasse sitze ich auf dem Balkon. Die Morgensonne scheint mir ins Gesicht und ich genieße ein paar ruhige Momente, bevor das Haus mitsamt allen Bewohnern wieder zum Leben erwacht.
In die Stille hinein fängt plötzlich ganz unvermittelt ein einzelner Vogel an, sein Lied zu schmettern.  Er singt kräftig, glasklar und melodisch, ein wunderschöner Klang, den ich noch nie gehört habe.
Es ist nur ein kleines Lied mit einigen wenigen Tönen.
Ich weiß, dass es komisch klingt, wenn man sowas von einem Vogel sagt, aber ich kann mir nicht helfen: Ich habe das Gefühl, der kleine Kerl singt mit Freude und Innigkeit. So, als wisse er, dass die Welt sein Lied hören muss.

Diese kleine Kreatur -die ich übrigens leider nicht einmal in den Baumkronen entdecken kann- hat Freude in mir geweckt.
Und außerdem einen Gedanken:
Wie wäre es, wenn ich das auch so machen würde?
Wenn ich genau so mutig aus der Deckung käme wie dieses kleine Geschöpf und unerschrocken mein Lied singen würde? Mit Inbrunst und Leidenschaft, in den neuen Tag und vielleicht sogar in die Stille hinein?

Das würde bedeuten, mich zu zeigen.
Nicht länger meinen Text oder meine Melodie von der Angst diktieren zu lassen, sondern drauflos zu singen. Ganz ohne das Korsett aus Erwartungen, möglichem Scheitern und perfektionistischen Ansprüchen, das mich doch viel zu lange schon einengt.
Meinen Rhythmus finden. Nicht holprig den einer anderen Person imitieren.

Oh, das wäre schön!

Noch denke ich viel zu oft so:
Wer will es schon hören, mein Lied…
Sie haben alle mehr zu erzählen als ich. Schönere, bessere Lieder und Ideen. Mehr Mut, mehr Hirn, mehr Glitzer.

Hast Du auch jemals so gedacht?
Dann lass uns zusammen lauschen auf das Morgenlied:
Der Vogel denkt nicht nach, ob er gut genug singt. Er zählt nicht die Töne, die er in seinem Repertoire hat und überlegt auch nicht, wer das schönere Lied hat.
Nein. Er singt, was er kann. Nicht mehr. Nicht weniger.
Sein Lied ist ihm geschenkt. Er schmettert es in die Morgenluft und es klingt nach Freude, Freimut, Übermut.

Das möchte ich auch: die Töne finden, die in mir schlummern. Oder wenigstens möglichst viele davon.
Und wenn ich dann mutig genug bin, meine Melodie zu singen- ich wage es kaum zu träumen, aber wer weiß- vielleicht wird ja dann tatsächlich auch durch meinen Klang irgendein Herz berührt, kommt eine andere Seele in Schwingung und verbreiten sich Hoffnung und Kraft?

Ich möchte es ab und zu wagen und Du vielleicht auch:
Sing Deinen Song- die Welt muss ihn hören!



(K)Eine Leuchte

Foto: Free-Photos/ pixabay

Bestimmt geht es nicht nur mir so:
Wenn ich die Nachrichten mitverfolge und höre bzw. sehe, was zurzeit alles in der Welt geschieht, dann wird es mir ganz mulmig und es fühlt sich an, als würde die Dunkelheit all dieser bedrückenden Ereignisse direkt in meine Seele hineinkriechen und auch mein Leben verdunkeln:
Dürren, Brände, Erdbeben, Flutkatastrophen, eine Vielzahl an Ländern, die von unberechenbaren, gewaltbereiten Herrschern angeführt werden… ach ja, und dann ist da ja auch noch dieser fiese, kleine Krankheitserreger, der uns immer noch in Schach hält.
Auf was für ein Szenario schlittert unser Planet da eigentlich zu???
Ist die Welt noch zu retten?

Als ich heute Morgen gebetet habe, sind mir genau diese Fragen durch den Kopf gegangen.
Es fiel mir extrem schwer, mich zu konzentrieren und nicht in Gedanken ständig wieder zu den Katstrophenbildern zurückzukehren, die ich im Internet gesehen hatte. Alles, was ich nach einer Viertelstunde in meinem Gebetssessel zustande brachte, war die Bitte: „Schenk mir Frieden, Jesus.“

Später, auf dem Weg zum Einkaufen, fiel mir dann dieser Satz ein, den Jesus gesagt hat:
„Ihr seid das Licht der Welt.“ (Matthäus 5,14)

Ja, genau.
Die Menschen, die mich, Jesus, kennen, sind das Licht der Welt.
Das sagt er.
Es steht nicht in der Bibel, dass die Welt immer freundlich und schön aussieht. Wäre da nicht eine Menge Dunkelheit, bräuchte es auch nicht extra ein Licht.

Wie jetzt- ich soll dieses Licht sein???
Ich habe die Berufung, mit meinen Worten, meiner Haltung und meinen Taten etwas von der Dunkelheit zu erhellen? An mir sollen andere erkennen, dass da ein Gott ist?
Das ist ein ganz schön hoher Anspruch… Und so gesehen muss ich zugeben, dass ich ziemlich oft auch gar keine Leuchte bin.
Trotzdem steht immer noch dieser Satz von Jesus in der Bibel: „Ihr seid das Licht der Welt“.
Wer hat nun recht- das geschriebene Wort von Gott?  Oder meine Schattenseiten, die manchmal machen, dass es in mir drin und um mich rum düster aussieht?

Gerade jetzt im Moment, wo ich selbst eine Antwort auf diese Frage suche, sagt mir mein Laptop, dass der Akkustand niedrig ist (und das ist jetzt echt wahr und nicht nur so hin konstruiert). Ich beeile mich, das Netzteil in die Steckdose zu stecken und bin erleichtert, als der Strom wieder fließt. 
Natürlich: Genau das Gleiche ist es mit meiner inneren Leuchte! Sie hat nur dann Strahlkraft, wenn ich mich an die eigentliche Lichtquelle andocke.
Das Potenzial, als Licht zu leben, steckt für uns alle in jedem einzelnen Moment.
Zur Entfaltung kommt es nur, wenn wir mit Jesus in Verbindung sind und bleiben.

Klingt nicht schlecht, oder?
Aufs Alltägliche heruntergebrochen hört es sich dann wieder eine Spur nüchterner an:

-heute keins der Kinder angeschrien (oder wenigstens nur einmal ganz kurz)
-nicht über die Frau geschimpft, die mir den Fahrradweg versperrt hat
nicht nur kurz innerlich den Kopf geschüttelt, als eine Bekannte eine völlig andere Meinung geäußert hat als ich sie vertrete. Und sie dann trotzdem respektiert. Also, die Bekannte.
 –meinen Neid auf die Nachbarn schnell zu Jesus (= Licht) gebracht, obwohl sie doch alles in größer und schöner haben (also Garten, Haus und Auto mein ich jetzt)
-freundlich gewesen und der Verkäuferin beim Bäcker was Nettes gesagt.

Mehr Heldentaten waren heute nicht.
Weltpolitisch haben sie eher wenig bewegt.

Aber meine Verantwortung liegt eben auch nicht in der Weltpolitik (und Deine vermutlich auch nicht).
Meine Verantwortung liegt in meinem Umfeld:
„Blühe dort, wo Du gepflanzt bist“* lautet der Buchtitel einer christlichen Autorin, deren Bücher ich gerade erst anfange, für mich zu entdecken.
Das ist für Jetzt und Heute mein Job und mein Auftrag:

Natürlich kann ich jetzt seufzen und denken:
„ Ach wie ist das alles klein und unbedeutend.“
Einerseits stimmt das auch.
Andererseits unterschätzen wir unseren Einfluss vielleicht auch oft und wissen gar nicht, wie sehr wir unsere Familie, Nachbarschaft oder die Menschen an unserem Arbeitsplatz prägen.

Solange wir dran denken, dass uns ein Licht geschenkt wurde und dass wir leuchten können, wenn wir uns auf unsere Lichtquelle besinnen, so lange wird es auch Hoffnung geben und hat die Finsternis auch nicht den Sieg!



*Debora Sommer: Blühe dort, wo Du gepflanzt bist
Verlag Francke

Die Schönheit der Barmherzigkeit

Bild: pixabay von MireXa

Es ist schon eine ganze Weile her, dass ich die folgende kleine Begebenheit beobachtet habe:

Eine vielbefahrene Kreuzung im Stadtzentrum Lübecks:
Ein Pärchen steht an der Fußgängerampel und wartet darauf, dass es Grün wird, genau wie ich.
Aus den Augenwinkeln nehme ich die beiden wahr: eine mittelgroße Frau um die Vierzig, blondgesträhntes Haar, und ihr hochgewachsener Begleiter, ähnlich alt, Dreitagebart.
Ich denke mir weiter nichts.
Als die Ampel auf Grün umspringt, überqueren die beiden neben mir die Straße. Da fällt es mir auf:
Die Frau hat Mühe, sich gerade auf den Beinen zu halten, schwankt, hält zwischendurch inne und macht dann wieder einige unsichere Schritte.
Jetzt bin ich aufmerksam geworden und wage einen direkten Blick auf sie. Was mir bei flüchtiger Betrachtung noch nicht aufgefallen war, bemerke ich jetzt umso deutlicher: die Haare fallen ihr wirr ins Gesicht, die Kleidung ist zerschlissen und alles an ihrer Gangart deutet darauf hin, dass sie morgens um 9:00h schon wieder oder immer noch angetrunken ist.
Hmmm.
Schönheit ist anders.

Was ich als nächstes beobachte:
Der Mann, der die Dame begleitet, nimmt ihren Arm und stützt sie beim Gehen. Er beugt sich ein Stück zu ihr herunter und redet mit sanfter Stimme auf sie ein. Was er sagt, weiß ich natürlich nicht, aber alles an ihm strahlt Freundlichkeit, ja sogar Zärtlichkeit aus.
Auf der anderen Straßenseite angekommen sehe ich noch, wie die Frau hektisch in ihrer Handtasche wühlt. Ihr Begleiter bleibt geduldig neben ihr stehen und hilft schließlich bei der Suche mit.

An dieser Stelle trennen sich unsere Wege.
Ich werde nie erfahren, in welchem Verhältnis diese beiden Menschen zueinanderstehen.  Freundschaft, Schicksalsgemeinschaft, Liebespaar- was sie verbindet, weiß ich nicht, Aber die Art und Weise, wie dieser Mann sich kümmert, erreicht mein Herz.

Wäre es abwegig, wenn er sich von dieser Frau distanzieren würde, die da in aller Öffentlichkeit vor sich hin stolpert und verstohlene Blicke auf sich zieht?
Wäre es abwegig, sich für sie zu schämen?
Wäre es abwegig, sie stehen – und damit auch buchstäblich fallen- zu lassen?

Nichts davon tut dieser Mann.
Stattdessen tut er etwas sehr Schönes:
In einem Augenblick nackter Hilflosigkeit hüllt er diese Frau in ein Kleid aus Würde.
Er wendet sich nicht ab und lässt sie in ihrer Schwachheit nicht allein, den abschätzigen Blicken anderer Menschen ausgeliefert. Nein. Er bleibt. Er hilft.

BIld: pixabay von 14JUrban

Gestern habe ich mit einer Freundin telefoniert. Sie hat mir die Situation einer anderen Familie beschrieben, die wir beide kennen. Diese uns bekannten Eltern mussten ihren Sohn in eine Einrichtung der Jugendhilfe geben, weil sie selbst mit der Erziehung nicht mehr klarkommen. Jetzt sind die Eltern traurig, unsicher, ob sie die richtige Entscheidung getroffen haben, geplagt von Schuldgefühlen und doch in dem Wissen, dass sie keinen anderen Ausweg mehr gesehen haben und das Beste für ihr Kind möchten. Von außen werden diese Eltern mit stillen oder ausgesprochenen Vorwürfen belastet und- vielleicht schlimmer noch- mit ungebetenen Ratschlägen gequält, was sie anders machen müssten. 
Ich höre von dieser Situation und bin erst einmal betroffen. Dann merke ich, wie sich auch bei mir unschöne Gedanken und Gefühle zu Wort melden: „Ein Glück ist das bei uns nicht so. Da hätte es doch bestimmt eine andere Lösung gegeben. Sicher haben diese Eltern doch irgendetwas falsch gemacht.“
Gerade noch rechtzeitig ertappe ich mich selbst, bevor ich in dieser Bewertungs- und Verurteilungsspirale hängenbleibe, und pfeife mich zurück.
Stattdessen stelle ich mir Fragen:
Wie würde ich mich an der Stelle dieser Mutter oder dieses Vaters fühlen? Wie groß muss der Schmerz sein, das eigene Kind abzugeben und sich einzugestehen, dass man selbst überfordert war? Wie schwer ist es wohl, die abschätzigen Blicke und Vorurteile anderer zu ertragen, die das Leid mit ansehen und die falschen Schlüsse ziehen?
Ich will nicht der Versuchung erliegen, mich diesen Verurteilungen anzuschließen und Steine auf Menschen zu werfen, die ohnehin schon innerlich bluten.
Also bekomme ich gerade nochmal die Kurve und tue stattdessen etwas anderes: Ich mache mich nicht innerlich groß und überheblich, sondern gehe in Gedanken auf die Knie, ganz nach unten auf den Boden, wo auch diese Familie gerade liegt, und bete.

Schreibe ich darüber, weil ich mich großartig und superfromm finde?
Ganz sicher nicht.
Wie schon gesagt, die Versuchung, mich über die Schwäche anderer zu erheben, war real und nur einen Steinwurf entfernt.

Aber dann erinnere ich mich daran, dass wir doch alle im gleichen Boot sitzen.
Es ist leicht und bequem, sich von der Not der anderen zu distanzieren. Dann muss ich mich auch meiner eigenen Not und Verletzlichkeit nicht stellen.
Aber schön ist etwas anderes.
Schön ist es, ein Hafen zu sein und selbst einen Hafen zu finden, wenn man Schiffbruch erlitten hat oder sich so fühlt, wenn einem der Wind ins Gesicht schlägt und man verzweifelt nach Halt suchen muss.
Schön ist es, wenn es dann diesen Ort gibt, an dem Du nicht einsam und verloren bist, an dem sich jemand erbarmt.

Das Kreuz ist so ein Ort.
Und niemand wird je größeres Erbarmen zeigen als der, der für uns daran gestorben ist:
Jesus.
Von ihm möchte ich gefunden werden in meinen Stürmen.
Und von ihm möchte ich immer mehr lernen über diese kostbare, göttliche Sache:
Über die Schönheit der Barmherzigkeit.

Bild: pixabay von Rebecca Schönbrodt-Rühl

Es gibt nicht nur die Erde

Bild von RD LH, pixabay

Neulich war ich nach einem langen, anstrengenden Tag noch eben schnell beim Supermarkt meines Vertrauens, um ein paar Kleinigkeiten zu besorgen.
Müde und etwas genervt kam ich wenig später wieder aus dem Laden heraus und hatte einen dieser Momente, wo die Seele einfach so, ohne besonderen Anlass, ein wenig zerknittert ist und man sich denkt, dass ein Urlaub vom (Corona-)Alltag doch eigentlich ganz passend wäre.

Auf dem Parkplatz habe ich dann gerade den Einkaufswagen ordnungsgemäß zurückgeparkt, als bei der nahegelegenen Sankt-Martin-Kirche das Glockenläuten eingesetzt hat, erst noch etwas verhalten, dann immer stärker anschwellend und schließlich mit lautem, vollem Klang.

Ganz kurz nur halte ich inne und lausche. Der Klang ist für mich fremd und vertraut zugleich. Er bringt eine Mischung aus Erinnerungen in mir zum Schwingen, die bestimmt noch aus Kindheitstagen stammt und gleichzeitig etwas mit Ehrfurcht und Geborgenheit zu tun hat.
Sofort fühle ich mich ruhiger, friedlicher irgendwie gehalten von diesen Tönen, die mir ungefiltert ins Herz dringen.

Komisch eigentlich. In unserer Gemeinde gibt es einen Countdown über Beamer und kein Glockengeläut vor dem Gottesdienst…
Also muss es wohl sowas wie Nostalgie sein, was mich hier gerade einholt?
Aber das allein kann nicht die ganze Erklärung sein: Der Glockenklang ist ja seit jeher dazu gedacht, dass er uns eine Botschaft übermitteln und uns zu etwas aufrufen möchte, was unsere Seele tatsächlich braucht:
Besinnung.
(ach Du Schreck – ich fürchte, jetzt entgleitet mir die Sache hier vollends und ich habe die Zielgruppe der unter 100-Jährigen verloren…).

Aber mal ehrlich:
Ab und zu brauche ich die Erinnerung, dass ich innehalten darf. Dass es mir sogar gut tut, wenn meine Gedankenschleifen und meine Ichbezogenheit -wenigsten kurz- zum Stillstand kommen. Und dass ich -nicht nur, aber auch wegen Corona- einen Ankerpunkt finden kann, an dem ich mich mit meinen Ängsten und Sorgen festmache. Es tut so gut, wenn sich neben dem Raum der Hektik, der Sorge und der Geschäftigkeit noch ein anderer Raum in meinem Leben öffnet: Ein Raum zum Innehalten, Aufatmen, Hoffnung-Schöpfen.

Für mich hat sich an diesem Abend neulich durch das Glockenläuten solch ein Raum geöffnet.
Es hat mich daran erinnert, dass ich nicht allein bin.
Es hat mich an Gott erinnert.

Kann gut sein, dass Du den Sound von Kirchenglocken altmodisch oder ungewohnt findest.
Aber natürlich kommt es auch überhaupt nicht auf die Glocken an. Ich glaube es tut einfach gut, wenn wir uns selbst Erinnerungshilfen und Signale schaffen, die uns in unserem Alltagskram unterbrechen und uns sagen dürfen, dass da noch mehr ist. Mehr als Corona. Mehr als die Weihnachtsdeko. Sogar noch mehr als Familie.
Ob das ein Gedanke sein könnte für den Advent:

auf den Glockenklang der Kirchtürme achten?
Auf das Licht von Kerzenschein?
Auf die Sonne, wenn sie durch die Wolken bricht?
Oder Dein Lieblingslied?

Und dann in den Blick nehmen, dass diese Dinge uns zur Besinnung bringen können, dass sie über sich selbst hinausweisen und uns sagen:
Es gibt nicht nur die Erde. Es gibt auch den Himmel.
Und er kommt zu uns.
An Weihnachten.

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Wert. Voll: Meine Tochter und ich.

Bild: Anastasia Gepp, pixabay

Mein Herz ist bis in die letzte Faser vollgepumpt mit Dankbarkeit und Freude.

Ich schaue zurück auf ein Wochenende, das mich tief erfüllt, ermutigt und gleichzeitig erholt hat, ein Wochenende voll guter Impulse, Begegnungen, Gespräche und Kreativität:

Zusammen mit meiner mittleren Tochter war ich bei einem „Mama-und-Ich“-Seminar von Team F. und hätte nie für möglich gehalten, dass uns diese gemeinsame Zeit so gut tun würde!
Die Mitarbeiterinnen haben uns mit einem liebevoll und kreativ gestalteten Programm, vor allem aber mit ihrer ehrlichen und herzlichen Art ein großes Geschenk gemacht:
Sie haben uns einen Raum geöffnet, nach dem sich jedes Mädchen und jede Frau im tiefsten Inneren sehnt und wie man ihn nur selten findet:
Einen Raum der Wertschätzung.

Diese Wertschätzung hat sich wie ein roter- oder sollte ich nicht sagen goldender?- Faden durch das ganze Wochenende gezogen.
Es ist schön, sich  zu der eigenen Tochter zu bekennen  aufzuzählen, was man an ihr schätzt und mag- und das sogar noch „öffentlich“ oder zumindest vor der ganzen Gruppe.
Es ist schön, sich bewusst zu machen, welche Gegenstände, Hobbies oder Vorlieben mich mit meinem Kind verbinden. Selbst wenn dabei nicht nur Gemeinsamkeiten, sondern auch Unterschiede zu Tage treten, ist das okay und aufschlussreich.
Schön ist es, herauszufinden, wie  ich meiner Tochter am besten meine Liebe zeigen kann:
Mag sie es besonders, wenn sie Zeit mit mir verbringt?
 Wenn ich sie lobe und ihr Anerkennung gebe?
Wenn ich ihr mit kleinen MItbringseln oder Geschenken eine Freude mache?
 Wenn ich mit ihr kuschele oder ihr mit Rat und Tat helfe?
Welche Art der Zuwendung erreicht ihr Herz am schnellsten und wie kann ich im Alltag Wege finden, um den Liebestank meines Kindes volllaufen zu lassen (ach wie schön, ich darf hier ein Wort mit drei „l“ hintereinander schreiben- das füllt zwar nicht meinen Liebes-, aber dafür meinen Rechtschreibtank…)?
Richtig Spaß macht es auch, sich gemeinsam kreativ oder sportlich auszutoben. Wir haben zum Beispiel gemeinsam eine ausrangierte Dachziegel (ja, genau, Dachziegel) up-gecycelt und beschriftet, einen Bilderrahmen und außerdem Annies Fingernägel bemalt, einen Tanz einstudiert (also zumindest einen Teil davon 😉) und die Nestschaukel auf dem Spielplatz gerockt.
Gelacht haben wir viel.
Gut gegessen.
Uns gute Zusagen zu-singen lassen.
Uns in die Augen gesehen und genossen, dass wir einmal nicht zwischen Tür und Angel, Hausaufgaben und Wäsche, Schule und Arbeit ein paar schnelle Worte wechseln, sondern uns treiben lassen können, Zeit zum Albernsein und für Gemeinschaft haben.

All das war möglich, weil drei tolle Frauen und ihre Töchter ihre Herzen weit geöffnet haben und uns Einblick in ihre Familiengeschichten und Erfahrungen gegeben haben.
Aber auch die anderen Teilnehmerinnen haben mich durch ihre Diskussionsbeiträge und Alltagsbeispiele inspiriert und ermutigt, mich nicht mit meinen eigenen Fragen oder Schwierigkeiten zu verstecken, sondern ehrlich anzuschauen, was gut läuft oder weniger gut läuft und was an Herausforderungen in den Teeniejahren unserer Kinder auf uns warten wird.

Diese Zeit des Umbruchs wird nicht einfach sein- diese Botschaft kam bei mir an.
Es ist unmöglich, immer alles richtig zu machen- diese Botschaft kam auch an.
Unsere Kinder werden aber wahrnehmen, wenn wir ein echtes Interesse an ihrem Leben zeigen, wenn wir gesprächsbereit sind und trotzdem eigene Standpunkte vertreten. Sie werden spüren, ob ihnen auch im Gefühlschaos, in Meinungsverschiedenheiten, in Konflikten und modischen Differenzen unsere bedingungslose Liebe gilt.
Und sie werden es zu schätzen wissen, wenn wir uns nicht als ihre großen Schwestern oder besten Freundinnen inszenieren, sondern ihre Mütter bleiben- unvollkommen, wie wir sind, aber entschlossen, unsere Töchter (und natürlich auch Söhne 😉) durch diese Zeit des Umbruchs zu navigieren und sie mehr und mehr in die Freiheit zu entlassen.

Eine große Aufgabe- deshalb bin ich auch froh, dass wir unter den Segen Gottes gestellt sind und nicht alles alleine schaffen müssen.
Denn Gemeinschaft tut gut.
Mit meinem Kind.
Mit anderen Müttern.
Mit Gott.

Es gibt so viele Wege, in Gemeinschaft zu kommen.
Suche einen Weg, der zu Dir passt.
Ich finde, es lohnt sich.

Danke, Team F., für eine Schatzkiste guter Impulse und Ermutigungen.
Und danke, meine Tochter, dass Du dabei warst und mich so oft und reich beschenkst.

Bild: mapelamber, pixabay

Happy Mother´s Day

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Ihr lieben Mit-Mütter!

Wir sind alle verschieden.

Manche von uns sind laut, manche leise.
Manche sind pragmatisch und unaufgeregt, andere emotional und/oder nachdenklich.
Manche sind Vollzeitmütter, andere arbeiten und sind trotzdem auch Mutter in Vollzeit.
Manche schütteln die Hausarbeit lässig nebenher aus dem Handgelenk, andere wurschteln sich durch.
Manche von uns sind trendbewusst und stilsicher, andere mögen es schlicht und bodenständig.
Viele von uns hadern mit ihrer Figur und einige sind auch zufrieden damit.
Manche schöpfen aus dem Vollen und geben weiter, was sie in ihrer Kindheit an guten Ressourcen mit auf den Weg bekommen haben. Andere arbeiten hart an sich selbst und geben alles, um ein neues Kapitel aufzuschlagen und ihren Kindern etwas zu geben, was sie selbst nicht genossen haben.
Manche von uns leben im Überfluss. Manche kämpfen, um über die Runden zu kommen.
Manche von uns sind jetzt gerade hoffnungsvoll, frohgemut und zuversichtlich. Andere müde, sorgenvoll und ausgebrannt.
Und in allem gibt es nicht nur das Schwarz-Weiß, sondern jede Schattierung dazwischen.

Wir sind alle verschieden.
Aber irgendwie auch alle gleich.

Alle lieben wir unsere Kinder bis zum Äußersten.
Alle werden wir zu Löwinnen, wenn es darum geht, sie zu schützen.
Alle ersehnen, erhoffen, erbeten wir ihnen eine Zukunft voll Segen, Fülle und Glück.
Alle gehen wir an unsere Grenzen und darüber hinaus, um unseren Kindern zu dienen und ihnen Gutes zu tun.
Alle werden wir auch schuldig an ihnen und haben nicht immer das, was ihre Kinderseele gerade braucht: ein offenes Ohr, ein liebevolles Wort, eine geduldige Sicht, eine freundliche Korrektur.
Denn alle sind wir auch mal selbst verletzt, ausgelaugt, unterzuckert oder krank.
Alle sind wir selbst angewiesen auf Bewahrung, Vergebung und Schutz.
(wer das bisher nicht wusste, ahnt es vielleicht jetzt…)

Uns allen, egal wie festlich-feierlich oder frustriert-und-fertig uns im Moment zumute ist, gilt Gottes Augenmerk.
Nicht, weil wir mehr wert wären als Frauen, die keine eigenen Kinder haben.
Aber weil er uns und unsere Lieben kennt, unsere Baustellen und Bedürfnisse, unsere Stärken und Schwächen, unsere Hoffnungen und Sehnsüchte und all das, was uns ausmacht als Mutter und Frau.

Lass Dich heute feiern, so wie Du bist, als stylishe oder hemdsärmelige, kleine oder große, geschminkte oder ungeschminkte, laute oder leise Geliebte, Mutter und Kämpferin!
Wenn möglich, iss Torte.
In jedem Fall aber denke daran, dass Dein Mutterherz einen Platz in Gottes Herzen hat.

Mit vielen lieben Muttertags- und Segensgrüßen!

Barbara

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each word a gift (?)

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Bild: Alexas Fotos, pixabay

Gestern Abend war ich glücklich.
Ich hatte einen dieser Tage, wo ich beim Arbeiten so richtig gut in meinen Rhythmus gefunden habe. Selbst die liegen gebliebenen Abrechnungen, die ich immer vor mir herschiebe, weil ich Buchhaltung nicht ausstehen kann, haben sich in meinem Flow fast von allein erledigt.
Am Nachmittag ging mir dann auch noch die Gartenarbeit gut von der Hand.
Meine Mädchen hatten von irgendwoher plötzlich die Inspiration und Motivation, dass sie für einen Tag lang ganz, ganz hilfsbereit sein möchten, haben Brote geschmiert und Limonade gemacht, die Küche und ihre Zimmer aufgeräumt.
Um dem Ganzen die absolute Krönung aufzusetzen, haben sich dann am Nachmittag auch noch alle drei Kinder gefunden und sich auf dem Trampolin und im Wald ausgetobt.
Schön!

Mein Sohn hat den Job, dass er jeden Tag die Spülmaschine ausräumen muss.
Als wir nach dem Abendessen noch zusammensaßen, hat er sich etwas missmutig daran gemacht, seinen häuslichen Pflichten nachzukommen.
Während wir anderen diskutiert haben, ob wir jetzt gleich noch Rummikub spielen wollen oder nicht, hat es im Hintergrund plötzlich ganz gewaltig gescheppert. Jaaaa- da ist wohl etwas zu Bruch gegangen. Ahnungsvoll fragte ich meinen Sohn: „Das war jetzt aber nicht meine Lieblingstasse, oder?“
Und da stand mein 13-jähriger Junge, mit Tränen in den Augen, und sagte wütend: „Doch! Warum muss ich immer alles kaputt machen?“

Schwimme ich noch auf der Welle dieses Bilderbuchtages oder rührt mich seine tiefe Betroffenheit? Ich weiß es nicht.
Ich weiß nur, dass ich gott-froh über meine eigene Reaktion bin.
Obwohl diese Tasse etwas Besonderes für mich war -ich habe sie bei einem Workshop in einem superschönen Atelier selbst bemalt- verliere ich kein böses Wort. Ich nehme meinen Sohn in den Arm, sage ihm, dass er sich keine Gedanken machen soll und dass ich ganz bestimmt mal wieder eine neue Tasse bemalen werde. Und ich füge schmunzelnd hinzu: „Weißt Du: Du bist mir wichtiger als die Tasse!“
Ein bisschen hadert er noch mit seinem Missgeschick, aber ich merke, dass er durch meine Worte getröstet ist.
Sternstunde der Mütterlichkeit.
Ich bin so, so dankbar, dass dieser Zwischenfall nicht in einem Moment passiert ist, in dem ich müde, überarbeitet und gereizt war. Denn so gut kenne ich mich, dass ich genau weiß: Es hätte auch anders ausgehen können. An einem schlechten Tag hätte ich mich vielleicht geärgert und geschimpft, statt Trost zu spenden und mich über mein Kind zu erbarmen.

Worte haben Macht.
Das wissen wir alle.
Könnt Ihr Euch auch an Worte erinnern, die Euch bis ins Mark getroffen, verunsichert und verletzt haben und wie ein Schmutzfleck auf Eurer Seele hängen geblieben sind?
Ich schon.
Und könnt Ihr Euch an Worte erinnern, die Euch Flügel verliehen, ein Licht in Euch angezündet und Euch vielleicht sogar zu neuen Ufern haben aufbrechen lassen?
Ich schon.

Die Bibel weiß auch um diese Wahrheit:

A word out of your mouth may seem of no account, but it can accomplish nearly anything- or destroy it!
(James 3, 3.4; the Message)
Ein Wort aus Eurem Mund mag Euch bedeutungslos erscheinen, aber es kann so gut wie alles ausrichten- oder aber zerstören!

Gestern Abend war mein eigener Liebestank so reichlich gefüllt, dass mir die guten und richtigen Worte wie von selbst von den Lippen kamen.
Natürlich könnte ich auch andere Geschichten erzählen, bei denen ich die Geduld verloren und hinterher viel Zeit und Energie investiert habe, um wieder neu das Vertrauen meiner Kinder zu gewinnen und gute Samen statt negativer Botschaften in ihre Herzen zu pflanzen.
Aber alles hat seine Zeit.
Und heute ist es Zeit, um meinen Kompass auf ein Ziel auszurichten, das mir auch weiterhin Sehnsucht macht nach wohltuenden, lebensspenden Worten:

„Say only what helps, each word a gift“
Sprich nur hilfreiche Dinge aus. Lass jedes Deiner Worte ein Geschenk sein.”
(Epheser 4,29, the Message)

Spielraum ist da noch viel…
Aber Gnade auch.

 

P.S.:
Die Tasse ohne Henkel werde ich aufbewahren. Sie bekommt sogar einen Platz in meinem relativ neu erworbenen Mini-Regal, das ich mir noch vor ein paar Wochen zum Geburtstag ausgesucht habe- eigentlich für besonders schöne Schmuckstücke 😊. Aber gute Erinnerungen sind ja auch Schmuckstücke. Oder etwa nicht?

Hinter dem Dunkel

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Foto: James Chan, pixabay

Mein Mann hat es gut.
Nicht nur, weil er mit mir verheiratet ist 😉.
Nein, er hat es zurzeit vor allen Dingen deswegen gut, weil er im Hier und Jetzt lebt.
Er ist einfach nicht der Typ, der sich stundenlang den Kopf über Dinge zerbricht, die er nicht weiß. Wenn es ihm möglich ist zu planen, dann plant er. Und zwar mit viel Weitblick.
Wenn er eine Sache aber nicht abschätzen kann oder es nicht zwingend nötig ist, zu handeln, dann lässt er die Dinge auf sich zukommen.
Sehr weise. Und beneidenswert, besonders in dieser Zeit.

Für mich bedeutet das allerdings, dass ich ihn nicht gut in Gespräche über mögliche Zukunftsszenarien verwickeln kann. Wenn ich mir überlege, wie unser Leben im Angesicht von Corona wohl in zwei, drei Monaten oder gar Jahren aussieht, bringt es nicht viel, sich mit ihm darüber austauschen zu wollen. Da kommt nix. Man(n) weiß es halt nicht. Deswegen nützt auch alles Spekulatius nix. Und ich sitze dann allein da und grüble…☹.

Gestern, als wir wie viele Tausende andere auch an „Deutschland betet gemeinsam“ teilgenommen haben, ist mir ein Foto in den Sinn gekommen, das ich vor mehreren Jahren mal im Internet gefunden habe. Es war natürlich urheberrechtlich geschützt und ich war schon in Kontakt mit der Fotografin, um das Bild digital zu kaufen. Leider habe ich die Sache dann irgendwie aus den Augen verloren…
Zu sehen war auf dem Foto ein langer, schwarzer, gemauerter Gang. Am Ende des Ganges dann eine bogenförmige Öffnung und die Silhouette zweier Gestalten: Aus dem schwarzen Tunnel ins Licht tretend konnte man einen Mann erkennen, der ein Kind an der Hand führt.
Trotz des dunklen Tunnels, der eigentlich einen Großteil des Bildes eingenommen hat, verströmte es Hoffnung und Geborgenheit.
Als wir gestern in virtueller Gemeinschaft Psalm 23 gebetet haben, kam mir diese Fotografie wieder in den Sinn.

„Und wandere ich auch im finsteren Tal, fürchte ich kein Unglück.“
(Psalm 23,4)

Ganz ehrlich: Mein Tal ist Moment gar nicht finster.
Mir geht es gut, richtig richtig gut.
Im Vergleich zu Millionen anderer Menschen fast unverschämt gut.
Aber erstens lässt mich das Elend, von dem ich tagtäglich höre und lese, nicht kalt.
Und zweitens spüren wir ja alle, dass auch unsere Zukunft ungewiss ist. Unsere vermeintlichen Sicherheiten werden erschüttert. Das Wohlstandsfundament, auf dem wir viele Jahrzehnte stehen durften, wird wackelig. Unser wunderbares Gesundheitssystem, für das ich schon viele Male dankbar war, ist nicht unerschöpflich. Was ich tag-täglich an Komfort und Luxus als selbstverständlich genommen habe, mag mir erhalten bleiben. Es mag aber auch wegbrechen (mein Mann sagt dazu leider nichts…).
Und dann???

Dann kommt wieder das Foto ins Spiel, das ich versucht habe, zu beschreiben (oh, ich würde viel darum geben, wenn ich es Euch zeigen könnte…). Ich habe es deshalb so geliebt, weil es für mich ein Bild für Gott selbst war:
Er geht mit durch den dunklen Tunnel. Er ist da, neben mir, hält mich an der Hand und führt mich durch tiefe Täler, dunkle Gänge, ungewisse Abgründe hindurch.
Wo ich nichts sehen kann, kennt er den Weg ins Licht.
Er führt mich hinaus und ich kann ihm vertrauen.

Ja, vielleicht wird es dunkel und schmerzhaft und schwer, so wie es für all diejenigen schon ist, die mit dem Virus kämpfen, die im Sterben liegen, die eine geliebte Person verloren haben oder über Leben und Tod entscheiden müssen.
Zu gerne würde ich ausweichen oder Abkürzungen nehmen.
Aber das geht nicht.

Mein Gebet für Dich und mich ist, dass wir jetzt nicht in Angst und Panik verfallen.
Du und ich, wir haben die Chance, ein ganz neues und tiefes Vertrauen zu lernen.
Schon vor Corona wusste ich, dass ich noch damit ringe, Gott die ganze Kontrolle über mein Leben zu geben. Mir war bewusst, dass ich in verschiedenen Lebensbereichen noch an meinen Vorstellungen, meinen Fähigkeiten (so begrenzt sie auch sein mögen), an meinem Ego festhalte. Ich habe dafür gebetet, dass Jesus mir hilft, die Kontrolle loszulassen.
Nun haben sich die Umstände geändert und die Kontrolle wird mir -wenigstens zum Teil- ohnehin genommen.
Ich erkenne meine Abhängigkeit von Gott.
Meine Hilflosigkeit angesichts erdrückender Nöte und bedrohlicher Nachrichten.
Diese Abhängigkeit – ich möchte sie heute umarmen.

Und in dem Moment,
in dem ich das tue,
werde ich umarmt.

Von dem Gott,
der für mich an Karfreitag durch die Finsternis geht,
damit ich ans Ziel komme.

„In der Welt habt Ihr Angst, aber seid getrost: Ich habe die Welt überwunden.“
(Johannes 16,33)

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Foto: Johannes Gressberg, pixabay