Archiv für den Monat Juli 2013

Schneckentempo und Smilies

Das Leben ist anstrengend gerade, und schnell.

Ich bin langsam. Wenn ich könnte, würde ich jeden Handgriff einzeln zelebrieren und mit großer Bedacht und Sorgfalt erledigen. Würde gründlich überlegen, was es alles zu tun gibt, womöglich lange Listen dazu anfertigen und dann gemächlich, Schritt für Schritt, eines nach dem anderen in Angriff nehmen. Immer nur eine Sache gleichzeitig machen. Und ordentlich natürlich. Und anschließend einen Haken auf die Liste setzen. Hört sich schrecklich an, ich weiß. Und ist natürlich auch ein bisschen übertrieben. Aber es ist schon etwas dran an meinem Hang zum Schneckentempo, verbunden mit einer großen Liebe zum Detail. Wäre ab und zu schön, das so ausleben zu können. Und es wäre so ziemlich der Gegenentwurf zu meinem jetzigen Leben.

Alles passiert gerade so schnell. Drei Kinder im Haus, rund um die Uhr, denn es sind ja Ferien. Die Kleinste (Janina, knapp ein Jahr alt) hat gerade das Laufen gelernt und überrascht mich mit ungeahntem Temperament und Durchsetzungswillen. Jonathan, 6 1/2, fordert mich mit seinem komplexen, feinfühligen Wesen bei gleichzeitigem Bewegungsdrang und kreativem Überschwang enorm. Und Annie, die Willensstarke, mit Komik- Potenzial- Begabte kämpft immer noch mit Eifersuchtsattacken (wegen Baby) und mittendrin Ich (langsam) in einem Sommer, der vor Hitze und Schwüle nur so kracht.

Nicht die besten Voraussetzungen für harmonisch -heitere Tage. Immer wieder verliere ich die Geduld, schnauze Kinder an, die eigentlich nicht viel anderes gemacht haben als viele Fragen zu stellen, komme an meine Grenzen, stoße sinnlose und übertriebene Drohungen aus, schwitze (s. Wetter), bin mit mir als Mutter unzufrieden, schwitze (Wetter), versuche, das Chaos im Haus einzudämmen und…schwitze. Dazu muss ich die Temperaturverhältnisse noch etwas konkretisieren:  Außentemperatur 29 Grad, gefühlt wie 41 Grad, Luftfeuchtigkeit 74%. Wow.

 

Und trotzdem: Wieso strampele ich mich seit fast zwei Wochen sinnlos in dieser Negativspirale ab, statt mich auf das- besser gesagt, DEN zu besinnen, der mir in all den Komplexitäten und Anforderungen begegnen möchte? Der mich in die Ruhe leiten kann, sogar dann, wenn der Alltagssturm tobt? Der mich- und das ist für mich fast das Unbegreiflichste in dem Ganzen- sogar dann liebt, wenn ich mich selbst als miserable Mutter fühle.

Für mich ist es schwer, mit meinen Versäumnissen und Fehlern zu leben. Seit ich denken kann möchte ich es gerne „richtig“ machen. Aber ich lerne in kleinen Schritten (JA, LANGSAM), dass es Vergebung gibt. Auch für mich. Auch für meine Fehler. Auch als Mutter.

 

Und das Tröstliche ist: Es gibt zwischendurch diese ganz anderen, schier überirdischen Erfahrungen. Die mit dem dicken rosa Zuckerguss drauf, wo die Kinder sich gegenseitig trösten, bei Tisch gerne für das Essen danken möchten, sich beim Spielen vertragen und sagen: „Mama, heute darfst Du einen Smilie aufkleben, weil Du hast uns schon Kakao gemacht und Frühstück und jetzt hast Du noch die Küche aufgeräumt. Das war auch etwas Gutes von Dir.“ Und so viele smilies, wie ich dann in diesen  Momenten in meinem Herzen drin habe, kann ich gar nicht auf ein Blatt Papier aufkleben…wahrscheinlich wäre ich dazu auch einfach zu langsam…

Ego

So was, mein Ego schlägt wieder voll zu heute. Es will mehr Beachtung. Es brüllt mich an: „Ich brauch meeehhr!! Mehr Anerkennung, mehr Erfolg, mehr Ruhm, mehr Achtung. Tu doch was! TU! ENDLICH! WAS! Du kannst doch nicht zuschauen, wie ich hier eingehe!!“

Und lange braucht mein Ego nicht, bis es mich überzeugt hat. Ja, Du hast recht, sage ich ihm, Du hast natürlich ganz recht. Wir kommen zu kurz, wir beide. So eine unfaire Gemeinheit. So eine Ungerechtigkeit. Sieht uns denn KEINER oder WAS???!“

Und warum das Ganze? Ja, es ist peinlich, das zu zugeben, aber dieser Aufschrei kommt nur daher, dass eine andere Frau als ich in der Gemeinde „befördert“ wurde. Sie hat eine neue, ehrenvolle Aufgabe übertragen bekommen, die ich höchstwahrscheinlich nur sehr mangelhaft würde ausfüllen können, und trotzdem bin ich neidisch darauf, weil ich mich übersehen und übergangen fühle. „When is it gonna be my turn?“ möchte ich rufen, so wie die Kinder, die sich an der Schaukel anstellen und darauf warten, dass sie an die Reihe kommen. Ich wünschte so sehr, dass jemand meine Qualitäten entdeckt und sie ins rechte Licht rückt. Dass Menschen erkennen: Ja, diese Frau ist wirklich etwas gaaanz besonderes!

Bin ich natürlich nicht. Und dann wieder doch. Aber die Sache ist ja die: Während mein Ego und –bis jetzt- auch meine Seele glauben, ich müsste der Welt meinen Wert beweisen und die Welt müsste mir diesen Wert dann zurückzahlen (in Form von Ansehen, Einfluss, Beliebtheit, Geld), ist die Wahrheit doch eine ganz andere.

Herr, bitte lass mich doch mit himmlischen Augen meine eigene Kostbarkeit erkennen. Lass mich doch erkennen, dass sie nicht abhängt von  dem, wie Menschen mich bewerten. Wie sie mich finden. Wie sehr oder wie wenig sie mich mögen und beachten. Wie viele Aufgaben ich bewältige und wie viele Ämter man mir überträgt. Wie viel Geld ich verdiene- oder wie wenigL. Wie gut ich Erwartungen erfülle oder wie schlecht. Wie toll mein Haushalt organisiert ist, meine Kinder gestyled sind, mein Kuchen schmeckt, mein Englisch sich anhört. Wie viele Fehler ich mache oder wie perfekt ich daherkomme. I try so hard to be perfect- and it just won´t work. Herr, lass mich lassen. Ich kriegs nicht hin. Erlöse mich von meinen Ansprüchen und lass mich ruhen und relaxen in Deinem Frieden. Und wenn ich mir endlich Zeit nehme, auf Dich zu hören, dann sprich zu meiner Seele. Und dann kann ich meinem Ego getrost eine Abfuhr erteilen und sagen: Klappe. Jetzt ihören wir mal dem Jesus zu.

Das lohnt sich immer.

 

 

 

 

Und wenn Ihr noch viel viel viel viel bessere Gedanken dazu lesen wollt, dann schaut mal hier rein:

 

I thank you, Lord Jesus, for becoming a human being so I do not have to pretend or try to be God.

 

I thank you, Lord Jesus, for becoming finite and limited so I do not have to pretend that I`m infinite and limitless.

 

I thank you, crucified God, for becoming mortal so I do not have to try to make myself immortal

 

I thank you Lord Jesus for becoming inferior so I do not have to pretend that I am superior to anyone.

 

I thank you for being crucified outside the walls, for being expelled and excluded  like the sinners and the outcasts so you can meet me where I always feel that I am outside the walls of worthiness.

 

I thank you for becoming weak, Lord Jesus, so I don´t have to be strong.

 

I thank you for being willing to be considered imperfect and strange, so I do not have to be perfect and normal.

 

I thank you, Lord, for being willing to be disapproved of, so I do not have to try so hard to be approved and liked.

 

I thank you for being considered a failure so I do not have to give my life trying to pretend I´m a success.

 

I thank you for being wrong by the standards of religion and state, so I do not have to be right anywhere, even in my own mind.

 

By: Richard Rohr

 

 

Richard Rohr/ Meditation