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Happy Mother´s Day

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Ihr lieben Mit-Mütter!

Wir sind alle verschieden.

Manche von uns sind laut, manche leise.
Manche sind pragmatisch und unaufgeregt, andere emotional und/oder nachdenklich.
Manche sind Vollzeitmütter, andere arbeiten und sind trotzdem auch Mutter in Vollzeit.
Manche schütteln die Hausarbeit lässig nebenher aus dem Handgelenk, andere wurschteln sich durch.
Manche von uns sind trendbewusst und stilsicher, andere mögen es schlicht und bodenständig.
Viele von uns hadern mit ihrer Figur und einige sind auch zufrieden damit.
Manche schöpfen aus dem Vollen und geben weiter, was sie in ihrer Kindheit an guten Ressourcen mit auf den Weg bekommen haben. Andere arbeiten hart an sich selbst und geben alles, um ein neues Kapitel aufzuschlagen und ihren Kindern etwas zu geben, was sie selbst nicht genossen haben.
Manche von uns leben im Überfluss. Manche kämpfen, um über die Runden zu kommen.
Manche von uns sind jetzt gerade hoffnungsvoll, frohgemut und zuversichtlich. Andere müde, sorgenvoll und ausgebrannt.
Und in allem gibt es nicht nur das Schwarz-Weiß, sondern jede Schattierung dazwischen.

Wir sind alle verschieden.
Aber irgendwie auch alle gleich.

Alle lieben wir unsere Kinder bis zum Äußersten.
Alle werden wir zu Löwinnen, wenn es darum geht, sie zu schützen.
Alle ersehnen, erhoffen, erbeten wir ihnen eine Zukunft voll Segen, Fülle und Glück.
Alle gehen wir an unsere Grenzen und darüber hinaus, um unseren Kindern zu dienen und ihnen Gutes zu tun.
Alle werden wir auch schuldig an ihnen und haben nicht immer das, was ihre Kinderseele gerade braucht: ein offenes Ohr, ein liebevolles Wort, eine geduldige Sicht, eine freundliche Korrektur.
Denn alle sind wir auch mal selbst verletzt, ausgelaugt, unterzuckert oder krank.
Alle sind wir selbst angewiesen auf Bewahrung, Vergebung und Schutz.
(wer das bisher nicht wusste, ahnt es vielleicht jetzt…)

Uns allen, egal wie festlich-feierlich oder frustriert-und-fertig uns im Moment zumute ist, gilt Gottes Augenmerk.
Nicht, weil wir mehr wert wären als Frauen, die keine eigenen Kinder haben.
Aber weil er uns und unsere Lieben kennt, unsere Baustellen und Bedürfnisse, unsere Stärken und Schwächen, unsere Hoffnungen und Sehnsüchte und all das, was uns ausmacht als Mutter und Frau.

Lass Dich heute feiern, so wie Du bist, als stylishe oder hemdsärmelige, kleine oder große, geschminkte oder ungeschminkte, laute oder leise Geliebte, Mutter und Kämpferin!
Wenn möglich, iss Torte.
In jedem Fall aber denke daran, dass Dein Mutterherz einen Platz in Gottes Herzen hat.

Mit vielen lieben Muttertags- und Segensgrüßen!

Barbara

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each word a gift (?)

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Bild: Alexas Fotos, pixabay

Gestern Abend war ich glücklich.
Ich hatte einen dieser Tage, wo ich beim Arbeiten so richtig gut in meinen Rhythmus gefunden habe. Selbst die liegen gebliebenen Abrechnungen, die ich immer vor mir herschiebe, weil ich Buchhaltung nicht ausstehen kann, haben sich in meinem Flow fast von allein erledigt.
Am Nachmittag ging mir dann auch noch die Gartenarbeit gut von der Hand.
Meine Mädchen hatten von irgendwoher plötzlich die Inspiration und Motivation, dass sie für einen Tag lang ganz, ganz hilfsbereit sein möchten, haben Brote geschmiert und Limonade gemacht, die Küche und ihre Zimmer aufgeräumt.
Um dem Ganzen die absolute Krönung aufzusetzen, haben sich dann am Nachmittag auch noch alle drei Kinder gefunden und sich auf dem Trampolin und im Wald ausgetobt.
Schön!

Mein Sohn hat den Job, dass er jeden Tag die Spülmaschine ausräumen muss.
Als wir nach dem Abendessen noch zusammensaßen, hat er sich etwas missmutig daran gemacht, seinen häuslichen Pflichten nachzukommen.
Während wir anderen diskutiert haben, ob wir jetzt gleich noch Rummikub spielen wollen oder nicht, hat es im Hintergrund plötzlich ganz gewaltig gescheppert. Jaaaa- da ist wohl etwas zu Bruch gegangen. Ahnungsvoll fragte ich meinen Sohn: „Das war jetzt aber nicht meine Lieblingstasse, oder?“
Und da stand mein 13-jähriger Junge, mit Tränen in den Augen, und sagte wütend: „Doch! Warum muss ich immer alles kaputt machen?“

Schwimme ich noch auf der Welle dieses Bilderbuchtages oder rührt mich seine tiefe Betroffenheit? Ich weiß es nicht.
Ich weiß nur, dass ich gott-froh über meine eigene Reaktion bin.
Obwohl diese Tasse etwas Besonderes für mich war -ich habe sie bei einem Workshop in einem superschönen Atelier selbst bemalt- verliere ich kein böses Wort. Ich nehme meinen Sohn in den Arm, sage ihm, dass er sich keine Gedanken machen soll und dass ich ganz bestimmt mal wieder eine neue Tasse bemalen werde. Und ich füge schmunzelnd hinzu: „Weißt Du: Du bist mir wichtiger als die Tasse!“
Ein bisschen hadert er noch mit seinem Missgeschick, aber ich merke, dass er durch meine Worte getröstet ist.
Sternstunde der Mütterlichkeit.
Ich bin so, so dankbar, dass dieser Zwischenfall nicht in einem Moment passiert ist, in dem ich müde, überarbeitet und gereizt war. Denn so gut kenne ich mich, dass ich genau weiß: Es hätte auch anders ausgehen können. An einem schlechten Tag hätte ich mich vielleicht geärgert und geschimpft, statt Trost zu spenden und mich über mein Kind zu erbarmen.

Worte haben Macht.
Das wissen wir alle.
Könnt Ihr Euch auch an Worte erinnern, die Euch bis ins Mark getroffen, verunsichert und verletzt haben und wie ein Schmutzfleck auf Eurer Seele hängen geblieben sind?
Ich schon.
Und könnt Ihr Euch an Worte erinnern, die Euch Flügel verliehen, ein Licht in Euch angezündet und Euch vielleicht sogar zu neuen Ufern haben aufbrechen lassen?
Ich schon.

Die Bibel weiß auch um diese Wahrheit:

A word out of your mouth may seem of no account, but it can accomplish nearly anything- or destroy it!
(James 3, 3.4; the Message)
Ein Wort aus Eurem Mund mag Euch bedeutungslos erscheinen, aber es kann so gut wie alles ausrichten- oder aber zerstören!

Gestern Abend war mein eigener Liebestank so reichlich gefüllt, dass mir die guten und richtigen Worte wie von selbst von den Lippen kamen.
Natürlich könnte ich auch andere Geschichten erzählen, bei denen ich die Geduld verloren und hinterher viel Zeit und Energie investiert habe, um wieder neu das Vertrauen meiner Kinder zu gewinnen und gute Samen statt negativer Botschaften in ihre Herzen zu pflanzen.
Aber alles hat seine Zeit.
Und heute ist es Zeit, um meinen Kompass auf ein Ziel auszurichten, das mir auch weiterhin Sehnsucht macht nach wohltuenden, lebensspenden Worten:

„Say only what helps, each word a gift“
Sprich nur hilfreiche Dinge aus. Lass jedes Deiner Worte ein Geschenk sein.”
(Epheser 4,29, the Message)

Spielraum ist da noch viel…
Aber Gnade auch.

 

P.S.:
Die Tasse ohne Henkel werde ich aufbewahren. Sie bekommt sogar einen Platz in meinem relativ neu erworbenen Mini-Regal, das ich mir noch vor ein paar Wochen zum Geburtstag ausgesucht habe- eigentlich für besonders schöne Schmuckstücke 😊. Aber gute Erinnerungen sind ja auch Schmuckstücke. Oder etwa nicht?

Hinter dem Dunkel

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Foto: James Chan, pixabay

Mein Mann hat es gut.
Nicht nur, weil er mit mir verheiratet ist 😉.
Nein, er hat es zurzeit vor allen Dingen deswegen gut, weil er im Hier und Jetzt lebt.
Er ist einfach nicht der Typ, der sich stundenlang den Kopf über Dinge zerbricht, die er nicht weiß. Wenn es ihm möglich ist zu planen, dann plant er. Und zwar mit viel Weitblick.
Wenn er eine Sache aber nicht abschätzen kann oder es nicht zwingend nötig ist, zu handeln, dann lässt er die Dinge auf sich zukommen.
Sehr weise. Und beneidenswert, besonders in dieser Zeit.

Für mich bedeutet das allerdings, dass ich ihn nicht gut in Gespräche über mögliche Zukunftsszenarien verwickeln kann. Wenn ich mir überlege, wie unser Leben im Angesicht von Corona wohl in zwei, drei Monaten oder gar Jahren aussieht, bringt es nicht viel, sich mit ihm darüber austauschen zu wollen. Da kommt nix. Man(n) weiß es halt nicht. Deswegen nützt auch alles Spekulatius nix. Und ich sitze dann allein da und grüble…☹.

Gestern, als wir wie viele Tausende andere auch an „Deutschland betet gemeinsam“ teilgenommen haben, ist mir ein Foto in den Sinn gekommen, das ich vor mehreren Jahren mal im Internet gefunden habe. Es war natürlich urheberrechtlich geschützt und ich war schon in Kontakt mit der Fotografin, um das Bild digital zu kaufen. Leider habe ich die Sache dann irgendwie aus den Augen verloren…
Zu sehen war auf dem Foto ein langer, schwarzer, gemauerter Gang. Am Ende des Ganges dann eine bogenförmige Öffnung und die Silhouette zweier Gestalten: Aus dem schwarzen Tunnel ins Licht tretend konnte man einen Mann erkennen, der ein Kind an der Hand führt.
Trotz des dunklen Tunnels, der eigentlich einen Großteil des Bildes eingenommen hat, verströmte es Hoffnung und Geborgenheit.
Als wir gestern in virtueller Gemeinschaft Psalm 23 gebetet haben, kam mir diese Fotografie wieder in den Sinn.

„Und wandere ich auch im finsteren Tal, fürchte ich kein Unglück.“
(Psalm 23,4)

Ganz ehrlich: Mein Tal ist Moment gar nicht finster.
Mir geht es gut, richtig richtig gut.
Im Vergleich zu Millionen anderer Menschen fast unverschämt gut.
Aber erstens lässt mich das Elend, von dem ich tagtäglich höre und lese, nicht kalt.
Und zweitens spüren wir ja alle, dass auch unsere Zukunft ungewiss ist. Unsere vermeintlichen Sicherheiten werden erschüttert. Das Wohlstandsfundament, auf dem wir viele Jahrzehnte stehen durften, wird wackelig. Unser wunderbares Gesundheitssystem, für das ich schon viele Male dankbar war, ist nicht unerschöpflich. Was ich tag-täglich an Komfort und Luxus als selbstverständlich genommen habe, mag mir erhalten bleiben. Es mag aber auch wegbrechen (mein Mann sagt dazu leider nichts…).
Und dann???

Dann kommt wieder das Foto ins Spiel, das ich versucht habe, zu beschreiben (oh, ich würde viel darum geben, wenn ich es Euch zeigen könnte…). Ich habe es deshalb so geliebt, weil es für mich ein Bild für Gott selbst war:
Er geht mit durch den dunklen Tunnel. Er ist da, neben mir, hält mich an der Hand und führt mich durch tiefe Täler, dunkle Gänge, ungewisse Abgründe hindurch.
Wo ich nichts sehen kann, kennt er den Weg ins Licht.
Er führt mich hinaus und ich kann ihm vertrauen.

Ja, vielleicht wird es dunkel und schmerzhaft und schwer, so wie es für all diejenigen schon ist, die mit dem Virus kämpfen, die im Sterben liegen, die eine geliebte Person verloren haben oder über Leben und Tod entscheiden müssen.
Zu gerne würde ich ausweichen oder Abkürzungen nehmen.
Aber das geht nicht.

Mein Gebet für Dich und mich ist, dass wir jetzt nicht in Angst und Panik verfallen.
Du und ich, wir haben die Chance, ein ganz neues und tiefes Vertrauen zu lernen.
Schon vor Corona wusste ich, dass ich noch damit ringe, Gott die ganze Kontrolle über mein Leben zu geben. Mir war bewusst, dass ich in verschiedenen Lebensbereichen noch an meinen Vorstellungen, meinen Fähigkeiten (so begrenzt sie auch sein mögen), an meinem Ego festhalte. Ich habe dafür gebetet, dass Jesus mir hilft, die Kontrolle loszulassen.
Nun haben sich die Umstände geändert und die Kontrolle wird mir -wenigstens zum Teil- ohnehin genommen.
Ich erkenne meine Abhängigkeit von Gott.
Meine Hilflosigkeit angesichts erdrückender Nöte und bedrohlicher Nachrichten.
Diese Abhängigkeit – ich möchte sie heute umarmen.

Und in dem Moment,
in dem ich das tue,
werde ich umarmt.

Von dem Gott,
der für mich an Karfreitag durch die Finsternis geht,
damit ich ans Ziel komme.

„In der Welt habt Ihr Angst, aber seid getrost: Ich habe die Welt überwunden.“
(Johannes 16,33)

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Foto: Johannes Gressberg, pixabay

Still. Stand.

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Foto: pixabay von pasja 1000

 

Viel ist schon gesagt und geschrieben worden über die Krise, die uns momentan befallen hat und der keine/r von uns ausweichen kann.
Informationen überschlagen sich; neue Verordnungen mischen sich mit Falschmeldungen, Berichte aus roten Zonen und Krisengebieten machen ebenso die Runde wie besorgte Fragen und die Mahnungen, Ruhe zu bewahren und weder panisch zu hamstern, noch sorglos zu feiern.
Alle Kommunikation – bis auf die Falschmeldungen natürlich!!!- hat ihre Berechtigung.
Wir suchen Halt durch Informationen und Austausch.
Das ist völlig normal und macht auch unseren Kern als soziale Wesen aus.

Corona hält uns aber auch eine Tatsache vor Augen, die vor allem wir privilegierten, leistungsorientierten Westler oft nicht im Blick haben:
Wir haben nicht alles im Griff.
Bis vor wenigen Tagen lief der Alltag noch geordnet und smooth vor sich hin (so scheint es jedenfalls im Rückblick 😊): Urlaubsplanung, Hausaufgaben, Job, Ehrenamt, Einkaufstouren, Fußballturniere, Pausenbrote… Alles ging seinen Gang.

Der ist jetzt runtergeschaltet.

Trotz aller Informationsfülle:
Es wird still.
Weniger Termine. Weniger Verpflichtungen. Weniger Besorgungen. Weniger Kontakte.
Zwangspause.
Stillstand?

Meine persönliche Stille möchte ich nicht nur mit sorgenvollen Gedanken füllen.
Wie die meisten anderen Mütter und Väter spüre auch ich, dass ich Kraft und Weisheit brauchen werde, um die vor uns liegenden Tage und Wochen trotz Zwangspause mit Leben zu füllen.

Und das beginnt für mich zuallererst in meinem eigenen Herzen:
Ich bitte Jesus darum, dass ich die Stille nutzen werde, um ihn zu suchen.
Still werden, um meinen Stand in ihm zu finden.
Still werden, um das in mir aufzunehmen, was mein eigenes Herz und auch das Herz meiner Familie in diesen merkwürdig stillen und doch stürmischen Zeiten braucht:
Die Vergewisserung, dass bei Jesus nichts außer Kontrolle gerät.
Die Vergewisserung, dass er an jedem Tag der Krise bei uns sein wird.
Die Vergewisserung, dass ich bei ihm die nötige Kraft, Geduld und Weisheit für jeden einzelnen Tag finden werde.
Die Vergewisserung, dass der äußerliche Stillstand mir inneres Wachstum schenken wird, wenn ich auf Jesus schaue.

Das möchte ich probieren, demütig, unvollkommen, mal hoffnungsvoll und mal ängstlich, so wie ich eben bin.

Und für heute finde ich meinen Stand in der Stille, wenn ich mich an diesem Vers festhalte:

God cares, cares right down to the last detail.
(Jakobus 5, 11; The Message).

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Foto: pixabay, von Tanya Patxot

But I can´t see in the dark…

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Foto von: Binho Bianchi, pixabay

Ich kann mich noch gut an Ian erinnern:
Ein 5-jähriger Junge, eher klein für sein Alter, rundes Gesicht, große braune Kulleraugen unter einem dunklen Lockenkopf.
Unser Kennenlernen stand zunächst unter keinem guten Stern:
Ich war gerade neu in das Team einer amerikanischen Kindertagesstätte gekommen. Es war mein erster Tag dort.
Beim Frühstück saß ich neben ihm. Er wirkte in sich zurückgezogen, fast verschlossen und schien in Gedanken ganz woanders zu sein.
Alle anderen Kinder hatten ihre Mahlzeit längst beendet und waren zum Spielen übergegangen.
Unbedarft wie ich war, versuchte ich, Ian beim Essen etwas zur Eile bewegen: „Komm, iss mal auf, Ian. Die anderen spielen alle schon.“ Oder: „Ian, wir wollen bald rausgehen. Es wäre doch schade, wenn Du bis dahin nicht fertig bist.“ „Ian, gleich muss das Geschirr in die Küche gebracht werden. Iss lieber auf, sonst schaffst Du Deine Portion nicht mehr rechtzeitig.“
Aber egal, was ich auch probierte- weder gutes Zureden noch sanftes Drängen oder motivationspsychologische Tricks und Kniffe halfen, um Ians Tempo zu beschleunigen. Eher im Gegenteil: Aus seinen großen Augen sah er mich nur stumm und vorwurfsvoll an und brauchte eine weitere Viertelstunde, um seinen Joghurt auszulöffeln.
Ich sollte schnell herausfinden, dass sich dieselbe Routine jeden Tag wiederholen würde: Ian hatte bei den Mahlzeiten seine ganz eigene Zeitrechnung. Und niemand- außer mir- war so verrückt, das ändern zu wollen.

Unser Verhältnis blieb weiterhin angespannt.
Ian schien mir meinen pädagogischen Eifer nachzutragen. Sein Gesichtsausdruck, der ohnehin schon ein wenig misstrauisch wirkte, verfinsterte sich, sobald ich irgendetwas von ihm wollte: Aufräumen, Jacke anziehen, Pinsel auswaschen -er schien nicht bereit, zu kooperieren, egal mit welchem „Auftrag“ ich an ihn herantrat.

Zur Routine in der Kita gehörte, dass die Kinder sich nach dem Mittagessen auf kleinen Matten zu einem Mittagsschlaf hinlegen sollten.

Bei einer dieser Mittagsruhezeiten saß ich neben Ians Matte. Ich streichelte ihm den Rücken und sprach beruhigend auf ihn ein.
„Close your eyes, Ian, so you can fall asleep.“
„But, Miss Barbara, I can´t see in the dark.”
Das war nun natürlich ein Einwand, den ich nicht so ohne Weiteres entkräften konnte. Wie meinte dieser kleine Kerl das nur? Störte es ihn, dass die Vorhänge zugezogen waren, oder wollte er lieber mit offenen Augen schlafen?!?

„I know Ian, but unless you close your eyes you won´t be able to fall asleep. I know you must be tired.”
“No, I´m not tired”, sagte er und gähnte.
“ I think you are. You were playing outside the whole morning.”
Wir diskutierten noch eine Weile darüber, ob er nun müde sei oder nicht, ohne zu einem einvernehmlichen Ergebnis zu kommen.
Ich wiederholte meine Aufforderung: „Ian, just close your eyes now. You will be sleeping in no time.“
Und wieder seine Antwort, diesmal fast verzweifelt: „Miss Barbara, I can´t see in the dark.“

Eins war klar: Mit Logik würde ich nichts erreichen.
Da war etwas, das ihn ängstigte, ob es nun draußen hell war oder nicht, ob nun Tageslicht durch die Vorhänge drang oder nicht, ob es nun nötig war, beim Schlafen die Augen zu schließen oder nicht.Diese Kinderseele brauchte eine andere Art von Antwort, keine rationale Abhandlung über die Lichtverhältnisse im Gruppenraum.

„Ian, I love you.“

Es kam wie eine Eingebung.
Ich hatte bis dahin keine besonders starke Sympathie zu diesem eigenwilligen Kind empfunden, war latent genervt, dass Ian sich häufig so widerspenstig und unkooperativ zeigte und hätte ihn sicher nicht zu meinen Lieblingen in der Gruppe gezählt.
Und doch fiel mir dieser Satz zu und wurde Wirklichkeit, sobald ich ihn ausgesprochen hatte.

Er änderte alles.
Das Eis war gebrochen.

Ian schlummerte an diesem Nachmittag friedlich ein.
Und er wich mir von da an nicht mehr von der Seite. Bei jeder Mahlzeit wollte er neben mir sitzen, wurde quengelig, wenn ich gehen musste und hat sogar- wenn ich mich richtig entsinne- meistens aufgeräumt, sobald ich ihn darum gebeten habe.
An meinem letzten Arbeitstag in der Kita hat er bitterlich geweint. Wenn ich daran denke, empfinde ich noch heute eine Mischung aus Rührung und Traurigkeit.

Mir geht’s auch manchmal so wie Ian:
Ich mag die Dunkelheit nicht.
Ich mag es auch nicht, wenn ich nichts sehen kann und doch so gerne wissen möchte, wie es weiter geht:
Wird sich mein Vater bei uns einleben, sich an den Lärm im Haus gewöhnen und sich mit seinen über 80 Jahren nochmal an eine neue Heimat gewöhnen können?
Werde ich einen Weg finden, die Sorge darum loszulassen?
Wie wird sich mein Sohn seinen Weg ins Leben bahnen, trotz Asperger- Diagnose und spezial- gelagerten Interessen samt Kommunikationseigenheiten?
Wann wird mein Herzschlag wieder ruhiger und mein Schlaf dazu?

Ja, genau, der Kreis schließt sich:
Ich brauche das gleiche wie Ian.
Die Hand, die sanft über meinen Rücken streicht und die Stimme, die mir freundlich zuflüstert:
I love you.
Also werde ich mir herausnehmen, was ich mir im Alltag schnell rauben lasse und was doch immer wieder mein Herz-Zentrum bleibt:
Die Zeit mit meinem Jesus, der mich zum ersten Mal angesprochen hat, als ich vier oder fünf Jahre alt war und meine Mutter mir ein schlichtes Abendgebet beigebracht hat.
Ich kann von Ian lernen, der inzwischen erwachsen ist und sich mir damals mit so blindem, kindlichem Vertrauen an die Fersen geheftet hat: Geh dahin, wo Du die Stimme hörst. Die Stimme, die Dir sagt: I love you.

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Bild von Ruby und Pete Skitterians, pixabay

Blick zurück nach vorn

Was ist im vergangenen Jahr in den Boden meines Lebens gefallen?
Was musste losgelassen und untergepflügt werden?
Welche Samen wurden gesät, was ist gewachsen und was wurde beschnitten?
Welche Wurzeln möchte ich am liebsten wieder ausreißen?

Das Weizenkorn

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Foto von Juanita Mulder, pixabay

Ich erinnere mich an einen Moment ganz besonders, als ich im Garten meiner elterlichen Wohnung stehe, gerade eben aus dem Krankenhaus zurückgekehrt, wo meine Mutter in der Nacht verstorben ist. Wir haben Mitte Mai. Das Blumenbeet scheint wie ein Meer aus Vergissmeinnicht und leuchtet mir in der späten Vormittagssonne blau entgegen. Auf dem Gras liegt, zart und weiß und flauschig, eine winzig kleine Vogelfeder. Ich hebe sie auf und streiche sacht mit den Fingern darüber.
Noch wollen mein Verstand und mein Gefühl nicht fassen, dass ein geliebter Mensch gerade vom Erdboden verschwunden ist.
Da taucht zum ersten Mal in meinen Gedanken dieser Vers auf: „Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein. Wenn es aber stirbt, bringt es viel Frucht“ (Johannes 12,24).
Obwohl der Schmerz noch überwältigend ist, bekomme ich die tiefe Gewissheit geschenkt, dass der Tod nicht das letzte Wort hat. Meine Mutter musste ihr Leben loslassen und gehen. Ich musste sie loslassen und habe damit auch ein Stück meiner Kindheit verloren.
Aber ich glaube daran, dass sie nicht ins Nichts gefallen ist, sondern in einen neuen Boden und ein neues Leben gepflanzt wurde, von dem ich noch nichts sehen kann.

Was ich sehen kann, ist der Teppich aus Blüten, der sich vor mir ausbreitet, blau wie die Farbe der Ewigkeit.
Und immer wieder in den kommenden Tagen sehe ich da und dort eine kleine, luftige Vogelfeder auf der Erde liegen, unscheinbar und fast schwerelos.
Ob es stimmt, dass Federn ein Zeichen für die Gegenwart Gottes sind?

Das Weizenkorn ist gesät.
Und ich sehe im Traum meine Mutter, strahlend, gesund und glücklich. Sie trägt Blau…

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Foto von cocoparisienne, pixabay

Marathon
Äußerlich gesehen bin ich viele Schritte gegangen in den vergangenen 12 Monaten. Gefühlt ein Marathonlauf.
Schritte, die mich ins Krankenhaus geführt haben, wackelige Schritte mit Schwindel nach meiner OP und Schritte ins Ungewisse, wie mein Hormonpegel sich ohne Schilddrüse wohl regulieren wird. Das geht erstaunlich gut.
Dann viele Schritte und Fahrten zum Kranken- und Sterbebett. Schritte ans Grab.
Und ganz viele ganz alltägliche Schritte:
Beruflich geht vieles voran, aber immer noch fühle ich mich zeitweise unorganisiert und latent überfordert mit meiner Doppelrolle als Mutter und Berufstätige. Viele Bälle gleichzeitig zu jonglieren, war noch nie meine Stärke. Ich hoffe, dass ich darin besser werden kann.

Die Wochenenden, die ich mir eigentlich immer als Oase der Ruhe, das Auftankens und der Familienzeit herbeisehne, waren randvoll gepackt mit Renovierungsarbeiten und Projekten rund ums Haus, da wir die Einliegerwohnung für meinen Vater fertiggestellt haben, der am Nikolaustag eingezogen ist. An manchen Sonntagen habe ich mich so gefühlt, als könnte ich gerade mal ganz kurz Luft holen, bevor wir uns dann montags alle wieder mit voller Kraft ins Alltagsleben gestürzt haben.
Irgendwie geht ja dann doch immer mehr als man denkt, und so haben wir alle durchgehalten und auch diese anstrengende Phase bewältigt, mit hängender Zunge und etwas k.o., aber noch bei halbwegs klarem Verstand…

Der Boden meines Herzens
Innerlich ist auch ein Stein ins Rollen gekommen, der lange auf meiner Seele gelastet hat. Ich wollte weiter vorstoßen zu der Wurzel meiner Ängste und der Momente, in denen ich mich selbst für mich schäme, mich ablehne oder verurteile. Mühsam erobertes Land war mir wieder abhandengekommen und ich habe gemerkt, dass die Heilung zwar begonnen hatte, aber noch nicht so tiefgreifend stattgefunden hat, wie ich das dachte und wünschte.
Also doch wieder demütig sein, nicht Stärke und Perfektion vortäuschen, sondern wieder mal eine Runde Seelsorge in Anspruch nehmen… (knirsch)- und was soll ich sagen: Manchmal sind die Momente, die wir am liebsten mit schwarzem Edding aus unserer Geschichte rausstreichen wollen, dann die allerbesten. Mit einer liebevollen, erfahrenen und mütterlichen Frau aus unserer Gemeinde habe ich einen Abend lang geredet, gebetet und geweint. Sie hat ihre starke seelsorgerliche Gabe für mich genutzt und glasklare Impulse von Jesus empfangen, die ein ganz neues Licht auf meine unschöne Teeniezeit geworfen haben. Ja- tatsächlich brauche ich noch Trost und Heilung für Dinge, die schon mehrere Jahrzehnte zurückliegen. Krass. Aber um so großartiger, dass Gott sich an jeden einzelnen Tag meines Lebens erinnert und ihm nicht entgangen ist, wie ich mich damals gefühlt habe. Ich hoffe inständig, dass es nicht noch viele weitere Jahrzehnte braucht, bis ich mich durch alle Schichten meiner Biografie gearbeitet habe. Und wenn doch? Dann gilt: Zu viel Selbstoptimierung ist auch nicht gut…

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Foto von Chesna, pixabay

Die lieben Kleinen und Größeren
Die Kinder werden größer -wer hätte damit gerechnet?!?- und wir merken, dass wir manche Familienaktivitäten gar nicht mehr gemeinsam unternehmen können oder wenn, dann doch nicht mehr lange. Spielplätze, Strandtage und viele der guten alten Spieleklassiker sind bei den beiden Größeren ziemlich out. Dennis und ich brauchen gute Ideen, um trotzdem den Familienzusammenhalt und das Gemeinschaftsgefühl zu stärken (Anregungen herzlichst willkommen 😉), zumal die Stimmung zwischen den Geschwistern oft angespannt ist. Zwei Beinahe-Teenies machen sich auf den Weg, sich selbst und ihren Platz im Leben neu zu finden, während die Jüngste noch dabei ist, ihre Kindheit und ihren Spieltrieb in vollen Zügen auszuleben. Da prallen manchmal Welten aufeinander…

Was bleibt?
Die Erkenntnis, dass ich mich 2020 nicht so (über-)fordern möchte wie im vergangenen Jahr. In der Gemeinde werde ich wohl ein oder zwei Aufgaben ruhen lassen.
Gelassenheit ist das Fernziel; das ein oder andere Sein-Zu-Lassen immerhin ein Anfang.

Was kommt?
Die Kalender füllen sich von allein. Wenn ich keine Stoppschilder aufstelle, werden sich Aufgaben und Anforderungen einfach in mein Leben hineindrängen und sich frech auf meinen Ausruhplätzen breitmachen.
Raum schaffen möchte ich für Freundschaften, die im vergangenen Jahr zu kurz kamen. Für das Mutter-Tochter-Wochenende mit meiner „Lieblings-Mittleren-Tochter“. Für einen freien Vormittag im Monat, an dem ich rumgammel, im Café sitze, schreibe oder Dekoläden leerkaufe. Und, ganz wichtig: Fürs Gebet, ohne das ich verschrumpeln würde wie so viele meiner Zimmerpflanzen.

Ein frohes, neues Jahr wünscht Euch herzlichst
Barbara

Die Unwahrscheinlichen

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Quelle: Rebekka D, pixabay

An manchen Tagen fühle ich mich unwahrscheinlich:
Unwahrscheinlich müde. Unwahrscheinlich ungeduldig. Unwahrscheinlich gereizt und unausgeglichen.

An diesen Tagen passiert es mir, dass ich auf meine Lebensbaustellen blicke und mich frage, ob ich sie jemals werde abschließen können. Für negative Botschaften, die sich in meinem Innern abgelagert haben, bin ich dann außerordentlich empfänglich und verwende sie gegen mich selbst. Die Palette reicht von „schlechteste Mutter aller Zeiten“ über „lausige Hausfrau“ (wenn der Satz“ Deine Mutter kann nicht kochen“ noch im Umlauf wäre, hätten es meine Kinder nicht leicht…) bis hin zu „der Lack ist ab“. Mein beruflicher Werdegang erscheint mir dann bei Weitem zu unspektakulär. Und meinen Garten sehe ich vor meinem geistigen Auge bereits von Schlinggewächsen überwuchert. Mit anderen Worten: Ich empfinde mich und mein Leben als unvorzeigbar und unzulänglich.
Dass ich dem Standard von Egal-Wem auch nur annähernd entsprechen könnte, erscheint mir an diesen Tagen- genau: völlig UNWAHRSCHEINLICH.

Für mich und alle anderen, die ihre blinden Flecken nur allzu gut kennen, gibt es eine gute Nachricht. Wir mögen in unseren eigenen Augen manchmal wie hoffnungsvolle Fälle aussehen. Aber das ist gar nicht so schlimm, wie wir denken.
Denn Gott sieht das alles ganz anders.
Gott hat eine Schwäche für das Schwache.
Warum Er das tut, können wir nur erahnen, aber Er sucht sich für seine Vorhaben häufig genau die Kandidaten aus, die nach unseren menschlichen Maßstäben als erste wieder von der Liste gestrichen werden würden:

Gideon ist ein Schisser und wird trotzdem siegreicher Kriegsherr (Richter 6 – 8).

Mose ist nicht wortgewandt und/oder hat einen Sprachfehler. Trotzdem wird er zum Führer der Nation (2.Mose 6).

Die Hirten von damals haben einen Broterwerb, der sie selbst zu schwarzen Schafen macht. Gott schickt seinen Engel zu ihnen und lässt sie die ersten sein, die den Heiland mit eigenen Augen sehen (Lukas 2).

Die Frau am Brunnen ist aus der Dorfgemeinschaft ausgestoßen. Aber Gott beruft sie, um ihrem ganzen Ort ein Zuhause zu geben. (Johannes 4)

Paulus wird von blindem Hass zur tiefsten Liebe und Hingabe bewegt. (Apostelgeschichte 9)

Der Verräter Petrus bekommt eine zweite Chance und wird zum Vater im Glauben. (Matthäus 16 und 26; Johannes 21)

Und schließlich- der Advent steht vor der Tür- wird eine mittellose, junge Frau aus einem unbedeutenden Vorort unverhofft schwanger und bringt den Sohn des Höchsten zur Welt.
(Lukas 1)

Unwahrscheinlich?
Ja.
Aber irgendwie ein wiederkehrendes Muster…

Nein, mein Leben wird kein biblisches oder episches Ausmaß erreichen. Darauf kommt es auch nicht an.
Es kommt darauf an, dass ich meine -tatsächlichen oder eingebildeten- Unzulänglichkeiten in die Gegenwart Gottes bringe. Denn mich tröstet zu wissen, dass bei Gott nicht nur die gesehen werden, die sowieso schon alles auf der Reihe haben, die (scheinbar) perfekt und ohne Macken sind und denen schon immer auf Anhieb alles gelungen ist. Falls es diese Sorte Mensch überhaupt gibt, ist sie mir unsympathisch natürlich bei Gott genau so geliebt und willkommen!

Das wahre Wunder entfaltet sich für mich aber dort, wo Gott mich mitsamt meinen Schwächen umarmt, sich mit mir in meinem Scherbenhaufen niederlässt und anfängt, aus all den Bruchstücken etwas Neues zu bauen.
Für mich mag das auf den ersten Blick nicht schön, großartig oder bedeutsam aussehen. Ich werde mich dabei vielleicht auch nicht schlagartig siegreich, heldenhaft und rundum-erneuert fühlen. Aber wenn ich Ihn machen lasse, dann ist Gott am Werk, sogar in meiner Baustelle.
Das ermutigt mich unwahrscheinlich!

„Our most meaningful purpose can be found exactly in our most painful brokenness.”

(Ann Voskamp in: “The broken way”)

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Quelle: Manfred Antranias, pixabay

Ein anderes Lied

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bild: publicdomainpictures/pixabay

Verstohlen räumst Du Deine Puppensachen weg, Auch die Puzzles und Lego-Sets. Dein Lieblings-T-Shirt wird aussortiert. Es passt Dir nicht mehr. Und ist auch nicht hip.
Schon lang spielt bei Dir eine andre Musik: die Müllerbauers & Co haben ihren Auftritt gehabt. Aber jetzt hält Justin Bieber die Top Ten Deiner Playlist besetzt. Dein Nagellack leuchtet in schrillen Farben, die Kleidung ist cool, die Stimmung wechselt und was ich sage, das nervt Dich zumeist.
Manchmal, aber nur manchmal, kehrst Du noch zurück in das frühere Land, kletterst aufs Holzpferd, reitest Galopp, sitzt auf der Schaukel und fliegst in die Luft, blätterst in einem Buch aus dieser anderen Zeit,
die Kindheit heißt und
deren letztes Kapitel Du gerade schreibst.

Und was mache ich dabei mit meinem Mutterherz, das plötzlich schwer wird und den Takt nicht mehr kennt?
Ich frage:

War es genug?
Genug
heiße Schokolade an Wintertagen
Antworten auf eine Milliarde von Fragen
Tobezeiten mit Kissenschlacht?
habe ich genug wieder gut gemacht?
Haben wir genug
Geschichten gelesen
ist genug Zeit zum Kuscheln gewesen?
Haben wir oft genug in die Sterne geschaut
Und genügend Burgen in den Sand gebaut?
Haben wir lange und laut gelacht
Waffeln gebacken, Blödsinn gemacht?
Haben getanzt und sind barfuß gegangen
und haben probiert, den Wind zu fangen
Hast Du gespürt, wie sehr ich Dich mag
Wusstest Du es jeden einzelnen Tag
Gab es genügende Luftballons
Schokoladeneis und Erdbeerbonbons
Haben wir oft genug Leben geteilt
gefeiert, versöhnt, im Moment verweilt
Sind wir oft genug im Park gewesen
und haben Kastanien aufgelesen
Habe ich all Deine Lieder gesungen
und alle Monster unter Deinem Bett bezwungen?

War es genug?
Wird das Licht Deiner Kindheit Dir leuchten
Wirst Du gerne zurückkommen in Gedanken und einen Ort der Geborgenheit finden?
Genug, um zu wissen, wo Du stehst, wo Dein Weg verläuft und die Grenze zwischen Böse und Gut?
Wirst Du wissen, wo Deine Heimat liegt?
Und wirst Du
weiter den suchen, der Dir alles gibt?

Ich lasse Dich ziehen und ich gehe noch mit.
Es ist nicht das Ende. Nur ein anderes Lied.

Neuland, die zweite

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„Das Los ist mir gefallen auf liebliches Land; mir ist ein schönes Erbteil geworden.“
(Psalm 16,6)

Vor etwas mehr als anderthalb Jahren habe ich unter dem Titel „Neuland“ ein paar Gedanken gepostet.  Es kommt bei mir nicht so häufig vor, dass ich etwas habe, was man einen prophetischen Eindruck nennt. Bei diesem Text hatte ich aber das starke Empfinden, dass nicht ich mir diese Überschrift ausgedacht hatte, sondern dass  Gott mir dadurch etwas sagen wollte.
Tatsächlich haben dann die vergangenen 18 Monate unglaublich viel Neues mit sich gebracht- für einen stetigen, eher gemütlich getakteten Menschen wie mich mehr als genug!!!
Hier die Kurzversion:

Haus gekauft
umgezogen (aber gleiche Stadt)
renoviert (okay, in Teilen)
neuen Job angefangen
Schilddrüse rausoperiert
jüngstes Kind eingeschult
und dann -an dieser Stelle verbietet sich der Telegrammstil- habe ich im Frühjahr meine Mutter verloren (davon handeln meine beiden letzten posts).

Uff.
Vielleicht ganz gut, dass ich im Vorfeld nicht wusste, was da tatsächlich alles auf mich zukommt. Sonst hätte das ein kleines bisschen einschüchternd wirken können. Das Wort „Neuland“ hätte dann wohl eher bedrohlich als elektrisierend geklungen.
Nun hoffe ich, dass sich das Lebenstempo wieder ein bisschen reduziert und ich aus dem Schleudergang zu einer etwas geringeren Drehzahl finde. „Soaken statt Schleudern“ wäre mal wieder schön, um im Waschmaschinen-Jargon zu bleiben…

Jetzt will ich aber gar nicht länger rumjammern, sondern lieber danken für all das Gute, in das ich da hineingeschleudert wurde:

Einfach dankbar bin ich für unser neues Zuhause. Nicht zu klein, nicht zu groß, gerade richtig. Auch für meinen Vater, der sonst alleine leben müsste, haben wir noch Platz für eine extra Wohnung im Haus.
Eine Stadtvilla haben wir nicht, aber wir wohnen stadtnah. Ein stylishes Architektenobjekt haben wir auch nicht,  dafür aber ein schmuckes Häuschen, nette Nachbarm in Reichweite und das Naturschutzgebiet gleich um die Ecke. Wenn ich stadtwärts radel, freue ich mich, wie schnell ich mitten im Geschehen bin. Und wenn ich nach Hause fahre, wird es mit jedem Straßenzug etwas ruhiger und grüner. Hier fühle ich mich wohl und daheim, angekommen.
Danke, Jesus, für dieses Geschenk. Das ist echt lieb von Dir.

Dann die Arbeit. Was habe ich mir für Knoten in mein Gehirn hineingedacht und für Anläufe genommen! Fast hätte ich schon wieder das Handtuch geworfen und angefangen, kleinere Brötchen zu backen. Und jetzt gehöre ich zu einem tollen Team aus Therapeutinnen, die alle mit lernschwachen Kindern arbeiten und dabei ganz unterschiedliche Zugänge nutzen. Ich kann Schulkinder ermutigen, ihnen Hilfestellung beim Lesen und Schreiben geben, sie spielerisch fördern und ihnen manchmal ein kleines bisschen von meiner Liebe zu Wörtern und Sprache vermitteln. Cool ist das.
Ich freu mich Jesus. Danke. Das ist echt lieb von Dir.

Und schließlich der Schulanfang meiner Jüngsten (bei sowas werden ja selbst die stärksten Muddis schwach):
Eine Bilderbucheinschulung bei strahlendem Sonnenschein, eine nette Klasse, ein freundlicher und kreativer Klassenlehrer, ein erfahrener und humorvoller Schulleiter und mittendrin  (m)eine motivierte Erstklässlerin, die nach Schulschluss, wenn sie auf den Hof gerannt kommt, übers ganze Gesicht strahlt und nur so übersprudelt vom Erlebten. Dank der Geschwister kann sie schon einigermaßen lesen, und ich hoffe, dass ich  vor lauter Begeisterung darüber nicht ihr ganzes Zimmer mit Büchern vollstopfen werde (diese Gefahr ist real!).
Schön, dass sie so einen guten Start haben durfte. Ich freue mich darüber. Vielen, vielen Dank, Jesus.

Es erfüllt mich immer wieder mit Staunen und Ehrfurcht, wenn ich merke, dass Gott wirklich zu mir redet, sich wirklich interessiert und sich echt jetzt kümmert. Tatsächlich fühlt es sich so an, als ob er mich augenzwinkernd in die Seite geknufft und zu mir gesagt hätte: „Hey, Du, übrigens, ich hab da noch was für Dich! Das war noch nicht alles.“
Obwohl nicht jeder Tag in den letzten Monaten ein ausgesprochener Glückstag war und ich auch manchmal mit meinen Kräften ans Limit gerate, habe ich doch mehrmals gedacht: Gott, warum? Womit habe ich das verdient? Warum geht es mir so gut und warum darf ich das alles erleben? Oft stelle ich die Warum-Frage  in Zeiten der Krise und Dürre. Man kann sie aber durchaus auch mal umdrehen und andersrum betrachten…

Selbst in den traurigen Veränderungen kann ich mich dafür entscheiden, Gott zu suchen. Manchmal findet man ihn auch dort:
Meine Mutter ist gegangen.
Aber ihre Tränen sind getrocknet, ihre Sehnsucht gestillt,  ihr Leben erlöst.
Auch wenn dieser Gedanke irgendwie merkwürdig ist und meinem Herzen noch fremd:

Wer weiß, ob das nicht am Ende der größte Neuanfang ist von allen…

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„Das Los ist mir gefallen auf liebliches Land; mir ist ein schönes Erbteil geworden.“
(Psalm 16,6)

Seid gesegnet mit gutem Land, in das Gott Euch hineinführen möchte!
Es grüßt Euch ganz herzlich

Barbara