Archiv für den Monat Februar 2014

Wahre Stärke

Mich hat´s erwischt. Oder anders: Sie haben mich erwischt. Ganz kleine, fiese, gemeine Dinger (NEIN, ich spreche nicht von meinen Kindern!!!). Die Streptokokken. Drei Tage lang haben sie meinen Hals belagert und darin gewütet, so dass ich jedes Mal beim Schlucken das Gefühl hatte, dass sich ein Stück Stacheldraht in meinem Rachen verhakt hätte. Kein sehr angenehmes Gefühl. Aber auf der anderen Seite auch keine dramatische Sache. Mit ausreichend Penicillin gut in den Griff zu kriegen.

Ich wollte diesmal der Held sein. Ich wollte mich nicht von meinen Halsschmerzen kleinkriegen lassen. Ich wollte diese unangenehme Episode mit Haltung und Fassung überstehen und hinterher sagen können: Ätschi, ihr doofen Streptos, mich könnt ihr nicht ärgern! Da steh ich doch drüber! Ich bin ein Glaubensheld!
Dienstagnachmittag gingen die Schmerzen los, ganz leicht erst. Dienstagabend wurden sie stärker. Mittwoch tagsüber waren sie stark, aber erträglich. Mittwochabend stand mein Hals in Flammen. Donnerstagmorgen ging ich zum Arzt. Diagnose und Rezept in nur 10 Minuten. Donnerstagmittag dann endlich die erste Dosis Penicillin, von der ich mir absolut durchschlagende Wunderwirkung versprach und  nach der ich minütlich auf Besserung hoffte.
Und hoffte. Und hoffte. Und hoffte.  Donnerstagabend ging ich ins Bett, immer noch starke Halsschmerzen. Wie oft ich am Tag eigentlich schlucken muss, wusste ich bis dahin noch gar nicht.
Ich hatte Dennis gebeten, dass er mich um 22:00 nochmal aufwecken soll, damit ich das Haus für die Putzfrau am nächsten Tag begehbar machen könnte. Und weil mein Mann schließlich schon den ganzen Tag sowohl mit Job als auch mit Kinderprogramm eingespannt war, wollte ich ihm nicht auch noch die ganze Aufräumarbeit aufs Auge drücken. Also nochmal aufgestanden und losgelegt. Das war der Plan. Klappte so mittelgut: da waren immer noch diese krassen Halsschmerzen. Und ich fing an, mir Sorgen zu machen. Wenn sich die Ärztin doch geirrt hatte und ich hatte gar keine Streptokokken, sondern irgendwelche anderen komischen Dinger in meinem Hals? Was, wenn das Medikament nicht anschlagen und ich auf unbestimmte Zeit mit diesen fiesen Schluckbeschwerden würde leben müssen? Was, wenn ich keine Zeit für Erholung finden und mich die nächsten Wochen halbkrank durchs Leben schleppen würde? Sorgen, Sorgen, Sorgen. Nebenher schleppend langsames Aufräumen (Ihr erinnert Euch vielleicht, ich bin sowieso schon von Natur aus langsam, was nicht besser wird, wenn ich mich krank fühle…).  Schließlich, gegen 23.00, Ende der Aufräumarbeiten. Schlafen.

Naja, wie man sich als Außenstehender gut denken kann, hat das Medikament dann doch noch angeschlagen. Im Laufe des Freitags ließen die Schmerzen allmählich nach, bis sie dann am Samstag ganz verschwunden waren. 
Was aus der Distanz unspektakulär klingt, hat mir aber doch, zumindest für einen Abend lang, den Boden unter den Füßen weggezogen, und das trotz bester Vorsätze, meine innere Haltung nicht von ein paar Bakterien abhängig zu machen.
Wie konnte das passieren? Wieso bin ich so leicht aus der Fassung zu bringen und wieso ist mein innerer Frieden so viel angreifbarer, als ich mir eingestehen möchte? Nach ein, zwei weiteren Runden Selbstmitleid wurde mir klar, was schiefgelaufen war: Ich hatte mich auf meine eigene Stärke verlassen. Ich wollte der Held sein. Ich wollte siegen in meinem kleinen Alltagskampf zwischen Frust und Vertrauen, Zweifel und Glaube, Sorgen und Zuversicht. Ich wollte die Bakterien, zumindest mental, bekämpfen. Ich wollte beweisen, dass mein Glaube unerschütterlich und vollständig losgelöst von meinen Umständen ist. Ich wollte es mir selbst beweisen, dass ich stark bin.
Hört Ihr auch den Stolz aus diesen Sätzen nur so heraustriefen?
Ja, in diese Falle bin ich da wohl hineingestolpert, mitsamt den Streptos.

Jesus will nicht meinen Stolz, meinen unabhängigen, einsamen Kampf gegen die Widrigkeiten des Lebens.
Jesus will dabei sein. Er möchte, dass ich mich seiner Obhut und Pflege anvertraue. Dass ich ihm meine Schmerzen und unangenehmen Gefühle bringe, statt sie im Keim ersticken zu wollen.
Wahrscheinlich hat er mich gesehen und mir leise zugeflüstert: „Komm doch zu mir. Ich helfe Dir, Deine Last zu tragen. Erzähl mir doch von Deinen Sorgen, bevor sie Dir über den Kopf wachsen. Ich bin da.“

Wahre Stärke kennt ihre Grenzen.
Ich war in diesem Fall zu beschäftigt, um meine Grenzen  zu spüren oder um der leisen Stimme zu lauschen, die mir Trost spenden wollte.
Ist nicht so schlimm, kann passieren.
Aber ich wünsche mir, dass ich mit der nächsten Herausforderung in meinem Leben weiser umgehen werde. Dass ich nicht wieder  innerlich aufrüste mit Waffen, die doch eigentlich gar nicht taugen für den Kampf. Sondern dass ich stattdessen zu meinem Herrn laufe und ihn bitte, für mich zu kämpfen.  Ich denke nicht, dass sich dann deswegen sämtliche Schwierigkeiten schlagartig in Luft auflösen werden. Oder dass jedes Kratzen im Hals in Sekundenschnelle abklingen wird. Aber der innere Friede, den ich mir selbst erkämpfen wollte, der wird da sein. Oder zumindest wachsen.
Was meint Ihr?

Meine Gnade reicht für Dich aus, denn die Kraft vollendet sich mitten in der Schwachheit.

(2. Korinther 12, 10)

Seid gesegnet. Und wenn es geht, dann ruht Euch heute ein wenig aus in seiner Gnade.

Wohnst Du noch…?

Ziemlich kurz entschlossen sind wir am Freitag zu einem Wochenendtrip  nach Ottawa gestartet, in die kanadische Hauptstadt also. Von unserem Wohnort Kingston aus dauert die Autofahrt nur zwei Stunden- mit CDs, unserem Lieblingsradio- Sender, Büchern, Snacks, Getränken, Malsachen und einer „lunch break“ dazwischen ist diese Entfernung ganz gut zu bewältigen…
Dort angekommen quartieren wir uns für zwei Nächte im Hotel ein und versuchen, so viel wie möglich von der  (oder dem???) „winterlude“ mitzunehmen.  Was dieses Wort genau bedeutet weiß ich nicht, jedenfalls ist es ein Winter- Outdoor- Festival, bei dem die beiden großen Parks der Stadt in eine Art  Winter-Spielplatz verwandelt werden, mit riesengroßen Eisrutschen, Eis- Skulpturen, Schlittenhängen, Eisbahnen und Hindernis-Parcours.  Der zugefrorene „Rideau“- Kanal wird kurzerhand umfunktioniert  zu einer Riesen- Schlittschuhbahn, auf der dann die halbe Stadt skatet. Ziemlich beeindruckend.

Mich freut es sehr- vor allem für Jonathan und Annie- dass wir dieses Winter-Festival  miterleben können. Die beiden können gar nicht genug kriegen vom „Eisrutschen“  und vom Berg-Runter-Schlittern (bevorzugt in einem dieser Riesenreifen). Sogar Janina, die die meiste Zeit einfach nur im Buggy durch die Gegend geschoben wird, macht erstaunlich gut mit und beschwert sich weder über Langeweile noch über Kälte (zumindest nicht so lange, wie sie beide Handschuhe anhat!).
Unser Hotel ist zwar nicht der Riesenhit, aber total in Ordnung, und Dennis und ich nutzen die Abende, um gleich zweimal hintereinander im hoteleigenen Restaurant zum Dinner zu gehen (unser high-tech- Babyfon macht´s möglich).
Alles in allem also ein gelungener Wochenendtrip mit weitestgehend zufriedenen Familienmitgliedern.

Trotzdem bin ich diesmal beim Nachhause- Kommen auch irgendwie froh, wieder in den eigenen vier Wänden zu sein:
Das Hotelzimmer war doch ein bisschen klein für 5 Personen: Eine ausgekippte duplo- Kiste, die Bademäntel der Kinder und die ausgezogenen Schneehosen haben schon vollständig gereicht, um den gesamten Fußboden unpassierbar zu machen.
Annie und ich haben uns ein Bett geteilt. Oder besser gesagt: Annie hat im Queen-Size-Doppelbett genächtigt und mir eine mikroskopisch kleine Ecke davon überlassen, sehr nahe an der Bettkante natürlich, wo ich allerdings keineswegs sicher vor ihren energischen Fußtritten war (überflüssig zu sagen, dass sie im Schlaf redet…). Die Nächte waren also nur so halbwegs erholsam.
Ja, und dann ist es ja auch noch so, dass das Winterfestival im Winter stattfindet, wie der Name schon sagt, und dass in Kanada Winter auch Winter ist. Am Freitagnachmittag waren die Temperaturen eigentlich noch recht angenehm, nur knapp unter null. Dafür Schneefall.  Am Samstag haben wir es eigentlich auch noch ziemlich gut erwischt. Minus 5 Grad, anfangs noch Wolken, später Sonne.  Trotzdem auch nicht genau das Wetter, bei dem ich gerne drei oder vier Stunden draußen bin.  Und am Sonntag dann strahlender Sonnenschein bei minus 15, gefühlt wie minus 23 Grad. Es ist nur Dennis´ Hartnäckigkeit zu verdanken, dass wir überhaupt nach draußen gegangen sind…

Keine unserer Unternehmungen an diesem Wochenende habe ich bereut- aber so ganz in meinem Element war ich halt doch nicht. Kälte, Schnee und Eis- ich kann mich damit arrangieren, aber so richtig aufblühen kann ich erst, wenn die Sonne wieder genügend Kraft hat, um mich mit ihren Strahlen auch zu wärmen.

Dementsprechend war ich dankbar, als ich am Sonntagnachmittag wieder in unserem Hausflur stand.
Keine Outdoor- Aktivitäten für die nächsten 24 Stunden-juhu! Wärme. Mein eigenes Bett, in das sich zwar immer noch ab und an  ein kleiner nächtlicher Gast hineinschleicht, das ich aber doch weitestgehend für mich alleine habe. Platz. Ja, gut, natürlich auch hier eine Menge Spielzeug auf dem Boden. Aber dazwischen noch genügend Raum, um durchzulaufen.  Ich kann mich abends aufs Sofa setzen und muss nicht, wie im Hotelzimmer, auf Zehenspitzen herumschleichen, damit ich keine schlafenden Kinder aufwecke. Wenn ich will, kann ich sogar noch Licht anlassen und lesen (oder schreiben, gell). Ich kann mir einen Kaffee machen, wann immer ich will. Ich bin daheim. Und neben aller Dankbarkeit für ein ausgefülltes und erlebnisreiches Wochenende macht sich bei diesem Gedanken ein wohliges Gefühl in mir breit.

Unser Zuhause eben.  Wir richten es uns so schön ein, wie wir eben können (ich stoße hier leider öfters an meine Grenzen und müsste dringend mehr Einrichtungs- Zeitschriften abonnieren- oder überhaupt mal eine). Wir machen es uns wohnlich, gemütlich, vertraut. Wenn wir Zeit haben, räumen wir es auf. Wir hängen Bilder an die Wände, und wenn ein Fest kommt, dann schmücken wir es.  Wir lieben es, denn es gehört zu uns.
Und doch- unser wahres Zuhause ist woanders.
Bestimmt kennen die allermeisten von Euch die Stelle in der Bibel, an der  Jesus von den Wohnungen spricht, die unser himmlischer Papa für uns vorbereitet. Ich mag diese Bibelstelle. Ich mag diese Vorstellung, dass es einen Platz gibt, so richtig echt und physisch, den Gott für mich reserviert hat.  Und den er sogar für mich vorbereitet. Ich habe Leute erzählen hören, denen Gott im Gebet schon gezeigt hat, wie ihr himmlisches Zuhause aussehen wird (und sie mochten es!!). Und auch, wenn es Momente gibt, in denen mir mein Zweifel einreden möchte: „Das ist doch viel zu schön, um wahr zu sein…“, dann denke ich an Gott und denke: zuzutrauen wäre es ihm schon! Es würde gut zu ihm passen. Zu einem Gott, der den Menschen sehr persönlich begegnet und jedes Detail aus ihrer Lebensgeschichte kennt. Ohne dass ich lange nachzudenken brauche, fallen mir mindestens 20 Begebenheiten ein, bei denen Gott eine Frau, einen Mann oder sogar ein Kind beim Namen ruft, weil er ihnen etwas Wichtiges sagen möchte. Oder weil er sie heilen möchte. Oder weil er Zeit mit ihnen verbringen möchte. Er weiß auch jeweils, was diesen Menschen fehlt, worauf sie gerade warten, was sie brauchen und wonach sie ihr Leben lang gesucht haben (wäre vielleicht mal einen eigenen blog- Eintrag wert, all diesen Geschichten nachzugehen). Was ich eigentlich sagen will: Wenn Gott uns so gut kennt, wie die Bibel es erzählt, und wenn er noch dazu die Liebe eines guten, freundlichen Vaters für uns empfindet, dann ist es doch gut möglich, dass er auch tatsächlich einen Ort für jeden von uns schafft, an dem wir die Ewigkeit mit ihm verbringen! Das coolste daran ist wahrscheinlich noch nicht mal die Einrichtung (wohnst Du noch oder bist Du schon gestorben wäre dann wohl der richtige Slogan…), sondern die Tatsache, dass wir rund um die Uhr  seine vollkommene Liebe um uns haben werden. Nicht, dass ich genau wüsste, wie sich das dann anfühlen wird. Aber ich stell mir einfach einen wahnsinnig netten, freundlichen, humorvollen, gütigen Papa vor,  mit dem ich gerne zusammen bin und der mich einfach so gut findet, wie ich bin. Das muss doch schön sein, oder?
Mein Zuhause im Himmel also: Ich hätte es gern schön  warm dort (mein Sohn würde sich wahrscheinlich eher eine endlose Abfolge unglaublich langer Eisrutschen wünschen…). Und hell. Ich mag sehr gerne Blumen. Keine Ahnung, was man im Himmel so trinkt, aber ein Kaffeeautomat wär natürlich auch richtig toll. Und, ja, genau, seitdem ich 12 bin und das silberne Fahrrad anstelle von dem pinkfarbenen bekommen habe, ist rosa meine Lieblingsfarbe (sorry, Ma & Dad). Aber das weißt Du ja, Gott. Stimmt´s?

Ich sag „Danke“

Heute bin ich dankbar.

Dankbar, dass wir für Jonathan eine so schöne Geburtstagsparty auf die Beine gestellt haben (falls Ihr auch bald einen Kindergeburtstag plant, dann googelt mal „mamapias mottoparties- eine wahre Fundgrube!!!)

Dankbar, dass es den Kindern auch tatsächlich gefallen hat (was ja keine Selbstverständlichkeit ist…).

Dankbar, dass die doofen Erkältungen, die meine Kinder geplagt haben, abzuklingen scheinen.

Dankbar, dass ich eben in diesem Moment eine Verschnaufpause habe.

Dankbar, dass meine Kinder heute Morgen fröhlich in ihren Schul- und Kindergartentag gestartet sind

Dankbar, dass sich endlich eine gute Babysitter-Lösung abzuzeichnen scheint (und ich dann vielleicht bald ein paar freie Stunden in der Woche werde genießen können…? Das wäre- unbeschreiblich!!!).

Dankbar, dass Dennis und ich zu einer so wunderbaren Gemeinde gehören dürfen, wo wir aufgebaut, ermutigt, herausgefordert und wertgeschätzt werden.

Dankbar, dass ich den Stress der letzten Wochen gut verkraftet habe (Weihnachten, Erkältungen, Geschäftsreisen, Geburtstagsparty).

Dankbar, dass ich bald Besitzerin eines Klavieres sein werde (alt, hässlich und gebraucht zwar, aber für meinen Wiedereinstieg in die Klavier-Szene allemal gut genug!)

Dankbar, dass ich mich auf den Sommer freuen kann, ohne über den Winter zu verzweifeln

Dankbar, dass es einen gütigen Gott gibt, der mich persönlich sieht und mag.

Dankbar, dass ich mit meiner Familie in Kanada leben darf- und dass ich irgendwann, wahrscheinlich schon im nächsten Jahr, auch wieder „nach Hause“ darf.

Dankbar, dass ich in ganz kleinen, unscheinbaren Dingen, das Leben von anderen Menschen berühren darf und sie segnen kann- indem ich für sie koche, sie anrufe, auf ihre Kinder aufpasse, ein Gebet für sie spreche oder ein ermutigendes Wort für sie habe (das passiert, neben bei gesagt, noch viel zu selten- aber ich spüre, wie tief die Erfüllung sein kann, wenn wir über unseren eigenen kleinen Horizont hinauswachsen und uns verschenken, selbst dann, wenn wir uns vielleicht gar nicht besonders reich oder stark fühlen in solchen Momenten).

Ich hoffe, dass Du auch einen Tag hattest, der Dich dankbar zurücklässt.