Archiv für den Monat Mai 2014

Prayer from a mother´s heart

Gestern Abend hat “es in mir gebetet”. Anders kann ich das nicht ausdrücken. Die Worte sind einfach aus mir herausgesprudelt, so als ob ich sie diktiert bekäme. Und sie haben sich mir eingeprägt. Also habe ich sie hinterher sofort aufgeschrieben.
Herausgekommen ist das Gebet, das Ihr hier nachlesen könnt.
Ich habe es mir ausgedruckt und werde mir in meine (diversen) Taschen eine Kopie hineinlegen. So kann ich dann unterwegs, wenn ich z.B. auf der Spielplatzbank oder im Wartezimmer sitze, meine Kinder segnen. Ich nehme mir vor, das zu tun. Oft.

Vielleicht spricht Euch diese Idee an und Ihr findet Euer eigenes „Herzensgebet“.

Meine Kinder,

Ihr schlaft[1], und ich bete für Euch.

Ich bete, dass Gott vor Euch hergeht auf Eurem Weg.
Ich bete, dass bei jedem einzelnen Eurer Fußabdrücke zu sehen sein wird, dass Gott neben Euch gegangen ist und Euch ganz nahe war.
Ich bete, dass Ihr da, wo Hindernisse, Schwierigkeiten und Schmerzen auf Euch warten, einen langen Atem habt, um durchzuhalten und weiterzugehen.
Ich bete, dass überall da, wo am Wegesrand Leute stehen, die Euch entmutigen oder Euch von Eurer Bestimmung abbringen wollen, auf der anderen Seite noch mehr Menschen stehen, Menschen, die Euch anfeuern, die an Euch glauben, die Euch lieben und unterstützen, Menschen die für Euch sind und mit Euch durch dick und dünn gehen.
Ich bete, dass Ihr Euch entfalten könnt und zu den Personen heranreift, die Ihr sein könnt, weil Gott Euch einzigartig geschaffen und begabt hat.
Ich bete, dass Ihr viele schöne, dicke, fette Knospen seht, die aufplatzen und zu blühen beginnen.
Ich bete, dass Ihr gute Früchte seht in Eurem Leben.

Mein Gebet ist, dass Euer Becher überfließt und dass Ihr mehr habt, als Ihr selbst braucht, so dass andere Menschen gesegnet werden von Eurem Überfluss.

Ich bete, dass Ihr Gott vertraut, und dass darin Euer Selbstvertrauen wurzelt.
Ich bete, dass andere Menschen in Euch erkennen werden, dass Ihr vertrauenswürdig seid.
Ich bete, dass Gott Eure Herzen erreicht. Die Welt wird Euch erklären, warum es keinen Gott gibt. Ich bete, dass der Heilige Geist in Euch wohnt und Euch zeigt, dass es mehr gibt als nur die sichtbare Welt.
Ich bete, dass Ihr wisst, dass Euch der Himmel offensteht, wenn Ihr nur glaubt.

Ich bete, dass Ihr Partner fürs Leben findet.
Und ich bete, dass Ihr das Vorrecht haben dürft, eines Tages selbst Eltern zu werden. Dass Ihr erleben dürft, wie es ist, Euer neugeborenes Kind in den Arm zu nehmen und zu halten.
Ich bete, dass Ihr gesegnet seid und ein Segen seid.
Und weil ich Eure Mutter bin, bete ich auch, dass ich ein Teil bleiben darf von Eurem Leben und dass da eine Verbindung bleibt, die hält, auch aus der Ferne.

Ich liebe Euch. Forever. Mama

 

[1] Klappt sich er auch mit wachen Kindern…

Licht und Schatten

„Das Leben kann so schön sein, wenn es schön ist!“ (Bianka Bleier).
Ja, das Leben kann wirklich wundervoll sein. Die letzten Tage waren randvoll angefüllt mit vielen guten, schönen, kleinen Glücksmomenten:

-Das Wetter war toll (was für ein Segen nach diesem harten Winter!).

-Wir hatten ein langes Wochenende und haben in vollen Zügen genossen, dass wir viiieeeel Familienzeit hatten.

-Dennis hat mit Jonathan Football gespielt (also, sie haben sich den Ball gegenseitig zugeworfen) und dabei sein Wurf- Talent entdeckt (also, Jonathans…-von Dennis wussten wir das ja längst!!!).

-Wir sind zusammen zum Spielplatz geradelt und haben anschließend an unserer Feuerstelle im Garten Stockbrot gemacht. Am nächsten Tag waren wir zusammen beim Eis- Essen und sind dann wieder zum Spielplatz weitergezogen (manchmal sind es die einfachen Dinge, die Kinder glücklich machen- und mich auch).

-Jonathan und Annie haben endlich Fahrradschlösser bekommen und können jetzt zur Schule radeln (allerdings in meiner Begleitung- da sind mir doch noch zu viele Straßen, die alle keine Fußgängerampel haben).

-Wir haben Blumenkübel bepflanzt und das Beet im Vorgarten etwas aus Vordermann gebracht.

-Die Kinder haben schön zusammen gespielt (zumindest, wenn man die Streitigkeiten dazwischen ausblendet).

-Heute ist der Tag, an dem ALLE –ich wiederhole: ALLE- Wäsche gewaschen und zusammengelegt ist. Kann jemand diesen Meilenstein meines Hausfrauen-Daseins erfassen…???

-Janina spricht mehr und mehr und erweitert explosionsartig ihren Wortschatz. Heute waren wir bei Starbucks. Sie hat aufmerksam meiner Bestellung gelauscht („Can I get a tall Caffe latte, please?“). Dann habe ich ihr einen kleinen Starbucks- Becher gegeben, in dem es gratis ein paar Snacks zum Probieren gab. Sie hat diesen Becher für die nächste Stunde nicht aus den Augen oder Händen gelassen, auch die Probier- Teilchen nicht angerührt, dafür aber in einer Tour verkündet: „Latte, latte“- das ganze mit englischer Aussprache (sprich:“lattäij“ oder so ähnlich…). Das fand ich sehr süß und herzerwärmend.

-Wir sind viel mit Menschen aus unserer Gemeinde zusammen. Nie zuvor in meinem Leben habe ich eine so ermutigende und wertschätzende Atmosphäre erlebt. Ich bin so dankbar, dass wir dieses geistliche Zuhause für uns gefunden haben und weiß jetzt schon, dass der Abschied sehr, sehr schwerfallen wird.

Viel, viel Licht also, das die letzten Tage auf mein Leben gefallen ist und mir das „Danke“ –Sagen leicht gemacht hat.
Dann gibt es da aber auch die Schatten:

-Ein anderes Kind hat mein Kind geärgert und verletzend behandelt. Für mich als Mutter eine Vorstellung, die mir fast das Herz zerreißt.

-Eines meiner Kinder tut sich schwer mit der Konzentration, ist öfters fahrig und rastlos- die Frage steht etwas bedrohlich im Raum, ob wir an ADHS denken müssen…?

-Ich tue mich schwer damit, nach so langer Zeit als Vollzeit- Mama eine berufliche Perspektive zu entwickeln.

-Eine Bekannte von uns ist schwer krebskrank. Wir treffen sie nicht mehr, weil sie wegen der besseren Gesundheits-Versorgung vor ein paar Wochen nach Deutschland umgezogen ist, aber ich leide mit ihr mit, wenn ich an sie denke. Und bekomme eine Ahnung, wie begrenzt das Leben ist.

Neulich habe ich in einer älteren Ausgabe der Zeitschrift „Aufatmen“[1] geblättert und darin einen Hinweis auf eine alte Glaubenstradition gefunden, die von den Benediktiner- Mönchen stammt: An jedem Abend stellen sich die Ordensleute zwei Fragen:
Für was möchte ich Gott heute Danke sagen?
(Oder, mit meinen eigenen Worten: Wo habe ich heute Gottes Licht in meinem Leben entdeckt?)
Und:
Was möchte ich heute im Gebet loslassen und an Gott abgeben?
(Oder anders gesagt: Was waren heute meine Schatten?)

Mit diesen Fragen versuche ich seit wenigen Wochen nun auch, meinen Tag abzuschließen.
Mehrmals bin ich darüber eingeschlafen. Notizen habe ich mir in den wenigsten Fällen gemacht, obwohl das sicher hilft, um bei der Stange zu bleiben.
Auf jeden Fall glaube ich aber, dass es eine heilsame Art und Weise ist, mit den Erlebnissen des Tages umzugehen: mit all dem Segen und dem Reichtum, der uns zugefallen ist, aber auch mit allen Zumutungen und Härten, die das Leben für uns bereithält.
Gott ist in beidem da, im Hellen und im Dunklen.
Das wirklich zu kapieren braucht wohl viel Vertrauen, viel Demut und viel Übung.
Ich glaube, das wussten die Mönche.
Mal sehen, ob ich von ihnen lernen kann und ob mein Vertrauen in Gott weiter wächst, wenn ich ihm Licht und Schatten hinhalte, Tag für Tag.

Für heute wünsche ich Euch viel Licht und wenig Schatten!!! Bis zum nächsten Mal!

 

[1] Aufatmen, Sonderheft Stille: „Stille- Momente am Abend“ (Jörg Ahlbrecht)

Trotzdem

Heute sind wir in den Tag hineingestolpert.
In der Nacht hatte Janina sich übergeben, und nachdem es mit Schlaf nicht so weit her war, ging der Spaß am nächsten Morgen auch noch weiter.
Dazu kamen einige Missgeschicke und Hindernisse, die zwar alle für sich genommen harmlos sind, die aber in der Summe ein bisschen viel waren, vor allen Dingen deshalb, weil sie sich alle fünf bis zehn Minuten vor Abfahrt des Schulbusses zugetragen haben:
-Meine Schuhe ließen sich nicht zubinden, weil Annie am Vortag offensichtlich geübt hatte, wie man Knoten in Schuhbänder bindet.
-Jonathan wollte eine CD mit in die Schule nehmen, um sie dort seiner Religionslehrerin zu zeigen. Erst konnte er die CD nicht finden, dann die Hülle nicht und dann fiel die Ersatzhülle, die er aus dem Regal gekramt hatte, auf den Boden und zersprang in viele hübsche, kleine Plastiksplitter.
-Janina wollte ihre Turnschuhe nicht anziehen, aber auch nicht ihre Winterstiefel oder die Sommersandalen. Das tat sie mit lautem Gebrüll kund.
-Dennis rief von seiner Geschäftsreise aus an, weil er versprochen hatte, sich am Morgen kurz nach unserem Wohlbefinden zu erkundigen, was zwar nett von ihm war, aber nicht so gut zum Timing passte.
-Jonathan, gerade abmarschbereit vor die Türe gegangen, rannte wieder ins Haus zurück und fing an, seine Mütze zu suchen.

Kann sein, dass Euch das alles nicht weiter beeindruckt hätte, aber wenn ich sage, dass ich gestresst war, dann ist das eine sehr vorsichtige Umschreibung. Vielleicht könnt Ihr Euch die Stimmung ausmalen, in der ich meine beiden großen Kinder in ihren Schultag verabschiedet habe…
Und dann erst meine Stimmung, als die beiden im Bus saßen und ich einen – wie mir schien- traurigen Blick meines Sohnes aufgefangen habe, als er mir nochmal aus dem Fenster zugewinkt hat? Grauenvoll…

In nur einem Sekundenbruchteil bereue ich jedes harte, laute, ungeduldige Wort bitterlich und möchte gerne alles zurücknehmen, was mir da in der Hektik des Morgens rausgerutscht ist.
Am Abend vorher war ich mir noch meiner selbst gewiss und war stolz darauf, eine gute Mutter zu sein. Eine Mutter, die ihre Kinder liebt. Die ihnen (meistens) eine gesunde, warme Mahlzeit zubereitet (nicht, dass das auch nur annähernd gewürdigt werden würde…), die auch mal ein paar Dollar springen lässt, wenn gerade der Eiswagen in unserer Straße vorbeifährt (das wird schon eher gewürdigt), die sich Zeit nimmt, um ihren Kindern Gutenachtgeschichten vorzulesen und mit ihnen ein Abendgebet zu sprechen, die zum Spielplatz fährt und zum Turnen, die versucht, so viel als möglich zu zuhören, die sich Mühe gibt, bei den Hausaufgaben nicht die Geduld zu verlieren, die ihren Kindern gerne eine kleine Freude macht und sich selbst freut, wenn sie ein schönes Geschenk als kleine Überraschung mit nach Hause bringen kann, die ihren Kindern mindestens zweimal täglich sagt: „Ich habe Dich lieb“ und die schließlich und endlich all den Dreck und das Chaos beseitigt, das Tag für Tag –wie von unsichtbarer Hand- unser Haus überrollt.
Ja, das bin ich, die gute Mutter.
Bestimmt mache ich Sachen richtig. Hoffentlich viele.

Und dann gibt es halt die anderen Momente, eben die von heute Morgen zum Beispiel, in denen ich kurz angebunden, unfreundlich, unaufmerksam, wütend und laut bin, die schwachen Momente, in denen ich nicht tue, was ich eigentlich tun möchte, in denen ich nicht die guten Samenkörner ausstreue, die ich doch eigentlich in den Herzen meiner Kinder aufgehen lassen möchte, sondern in denen all meine Unzulänglichkeit und Unvollkommenheit durchschlägt und mich dabei manchmal selbst erschreckt.
Heute habe ich deswegen gebetet: Bitte, Jesus, hilf mit, dass meine Kinder sich gut entwickeln. Nicht weil ich ihre Mutter bin, sondern trotzdem.
Ein bescheidenes Gebet. Ein ehrliches Gebet. Ein entlastendes Gebet.

Vor ein paar Tagen habe ich die Perspektive gewechselt und an meine eigene Kindheit zurückgedacht. Für den Muttertag wollte ich diesmal keine Blumen bestellen (persönlich kann ich sie von hier aus sowieso nicht abliefern), sondern eine Liste mit Dingen aufschreiben, für die ich meiner Mutter nachträglich danken möchte.
Ich habe gestaunt, wie viele konkrete, kleinere und größere Sachen mir eingefallen sind, die mich auch heute noch dankbar machen und die mir zeigen: Meine Mutter war zwar nicht perfekt, aber sie hat vieles richtig gemacht.

Wenn ich Glück habe, werden meine Kinder in zwanzig Jahren auch gnädig zurückblicken. Und wenn ich noch mehr Glück habe, dann haben sie bis dahin den heutigen Morgen vergessen und auch die Worte, die ich eigentlich gar nicht sagen wollte. Wenn wir alle zusammen Glück haben, dann erinnern sie sich an die guten Worte, an die ermutigenden Worte, an das Lob, die Zuversicht und die Hoffnung, die ich immer mal wieder in ihr Leben hineingesprochen habe. Das wäre toll.

Wir brauchen Jesus. Immer wieder. Wenn wir hinfallen, dann lasst uns schnell wieder aufstehen. Jesus hat alles getan, damit unser Leben TROTZDEM gelingt. Und das unserer Kinder.

GOD BLESS!!

 

PS.: Nein, Kanadier gehen nicht am Wochenende zur Schule- ich reiche nur meine Gedanken von letzter Woche nach (hoppla, war das Leben schon wieder schneller als ich J).