Archiv für den Monat Januar 2015

Die Weihnachtswichtel

Auch wenn ich mich zu Anfang des neuen Jahres ueberhaupt nicht mehr weihnachtlich fuehle, sondern den Blick eigentlich lieber nach vorne, ins neue Jahr, richten moechte, will ich mich doch an die Ankuendigung aus meinem letzten Beitrag halten und uber eine kleine, vorweihnachtliche Familien-Episode schreiben;

Ihr erinnert Euch vielleicht an meine “Weihnachtspannen”, die rueckblickend sogar auf mich selbst eher harmlos wirken, die aber doch in der jeweiligen Situation das Zeug hatten, mich zu stressen! Ihr erinnert Euch vielleicht auch, dass ich noch am 23. spaet am Nachmittag angefangen habe, mit den Kindern Plaetzchen zu backen, einfach weil Weihnachten so ganz ohne Plaetzchen doch irgndwie… naja… doof ist. Die Backaktion selbst lief schon etwas hektisch und nicht ganz so koordiniert ab, wie ich gehofft hatte. Aber immerhin- wir hatten anschliessend wieder eine volle Plaetzchendose und ein Haus, das wunderbar nach Weihnachten duftete. Ich war in erster Linie froh, dass ich die Kinder bald ins Bett schicken konnte und verdraengte jeden Gedanken an die (sehr) unordentliche Kueche und die Arbeit, die dort noch auf mich wartete.

Aber dann nahm der Abend doch noch eine ueberraschende Wende, und war dank zweier Weihnachtswichtel:

Ich hatte mich gerade daran gemacht, Janina ins Bett zu bringen, als ich ploetzlich hellhoerig wurde: Annie rief nach mir und fragte, mit welchem Lappen sie den Boden sauber machen sollte. Erst wollte ich sie bremsen und sagte sowas wie: “Annie, ich weiss gerade selber nicht, wo alle unsere Putzlappen sind.” Aber zum Glueck liess Annie sich von so einem unbedeutenden Detail nicht von ihrem Vorhaben abbringen. Und mir daemmerte gerade noch rechtzeitig, dass es paedagogisch nicht sinnvoll waere, sie jetzt auszubremsen. Sie kuendigte auch schon an: ‚Ich nehme den Schwamm aus der Kueche”, und als ich vom oberen Treppenabsatz nach unten spaehte, sah ich, wie sie energisch die Fliesen im Flur schrubbte. Das sollte aber nur der Anfang von der wohl groessten “Hilfsaktion” sein, die unsere Familie je gesehen hat. Wenig spaeter liess sie sich von mir den Wischmop geben und fing an, mit viel Schwung grosse Mengen an Wasser auf unserem Boden zu verteilen. Ich war sprachlos. Das machte aber nichts aus, denn dafuer redete Annie um so mehr und wiederholte ausdauernd: “Was ist ein Weihnachten, ohne einen sauberen Fussboden? Jonathan, mach auch mit! Was ist Weihnachten, wenn das Haus nicht clean ist?” Jonathan schien durchaus in der Lage zu sein, sich ein Weihnachten ohne sauberen Fussboden vorzustellen, denn er antwortete gelangweilt: “Weiss ich nicht…”. Aber irgendwann sprang Annies Eifer auch auf ihn ueber.

Ich hatte mich die ganze Zeit vollstaendig zurueck gehalten und mich nur um Janina gekuemmert, nicht ohne immer wieder aufmerksam nach unten zu lauschen. Jetzt sprang also auch Jonathan auf den Zug auf. Er fing an, den Tisch abzuraeumen und das schmutzige Geschirr in die Spuelmaschine einzuraeumen. Nebenher sinnierte Annie weiter: “Gell, Jonathan, wir machen das nicht nur, weil Weihnachten ist, sondern auch, weil es lieb ist.” Und Jonathan konnte diesmal offenbar zustimmen…

Auch als Janina schon im Bett lag, liess ich die beiden weiter vor sich hin werkeln. Nicht, weil ich selbst zu faul war, um ihnen zu helfen, sondern weil sie inzwischen beide mit vollkommener Hingabe bei der Arbeit und absolut davon beseelt waren, ihre Mission zu erfuellen. Immer wieder wollten sie von mir wissen: “Mama, wo kommen die restlichen Zuckerstreusel hin?” Oder: “Mama, soll ich die Karotten wieder in die Tuete tun?” “Kommt das hier zum Plastikmuell?” usw. Ich gab ihnen bereitwillig Auskunf und zwickte mich zwischendurch ein paar Mal, um sicherzugehen, dass das alles wirklich passierte.
Eine halbe Stunde spaeter war die Kueche tip top aufgeraeumt und eine stolze Mama nahm zwei stolze Kinder in den Arm:
“Wisst Ihr was, Ihr beiden? Ich brauche morgen gar keine Bescherung mehr. Ich glaube, das hier war schon mein schoenstes Weihnachtsgeschenk.”

Und das war ernst gemeint. Mitten im Chaos und Trubel hatte mir jemand geholfen. Und nicht irgendjemand, sondern meine Kinder. Es war ein dreifaches Geschenk an mich:

1.  Zum einen waren sie mir in praktischer Hinsicht eine echte Hilfe.

2.  Ausserdem war ich von ihrer Herzenshaltung beruerht und davon, dass sie ganz und gar aus eigener Initiative gehandelt hatten.

3.  Und dann empfand ich es als kleine, aber wunderschoene Frucht meiner Erziehungsarbeit, dass sie selbstaendig gehandelt und dabei erlebt hatten, wie sie selbst Freude, Dankbarkeit und Stolz ernten konnten.

Ich hoffe, meine beiden Weihnachtswichtel machen noch viele solcher Erfahrungen (und das sage ich nicht nur, weil ich nicht gerne die Kueche aufraueme…). Und ich bin mir sicher, dass auch in Euren Familien ab und zu die Wichtel vorbeischauen, ob an Weihnachten, Neujahr oder einfach so, ohne besonderen Anlass!

Happy New Year und liebe Gruesse,

Barbara

Wieder mal ein Nachtrag:
Das Versprechen mit den ‚wichtigen Woertern” schaffe ich nun doch nicht, heute einzuloesen. Aber naechstes Mal hoffentlich! Und “Weihnachtswichtel” ist ja eigenlich auch ein wichtiges Wort, oder?