Just trust

Foto: René Schué, pixabay

Manchmal kann es so einfach sein.
Ich habe nicht gesucht und trotzdem gefunden.
Und zwar bei einem meiner vielen Spaziergänge, mitten zwischen vielen kleinen Regenpfützen, die sich auf dem gefrorenen Untergrund gesammelt hatten und kleine Seen auf einer großen Eisfläche bildeten. Mehrmals haben meine Füße den Halt auf dem nassen, glatten Boden verloren und ich wäre fast der Länge nach hingeknallt. Sogar der Hund, der sich sonst mit natürlicher Eleganz durch jedes Gelände bewegt, ist ein bisschen vor sich hin geschlittert, was ganz drollig, aber auch etwas riskant aussah…
Als hätte jemand erkannt, dass ich dringend einen Halt brauche, hatte ich- schwupps- diesen kleinen, prägnanten Satz in meinem Kopf:

 Just trust.

Ich musste ein bisschen lächeln, als ich da so ganz allein durch den zugefrorenen Wald gestolpert bin.
Aber sofort war mir klar, dass die Worte ein Geschenk an mich waren, und zwar eines, das nicht allein für diesen Spaziergang gedacht war -wir sind heil wieder zu Hause angekommen, der Hund und ich- , sondern ein Geschenk für das Neue Jahr. Eine Art Wort-Geländer, das mir angeboten wird, falls ich mal was zum Dran-Festhalten brauche…

Ich bin ein ängstlicher Mensch, großgeworden mit einer ängstlichen Mutter, die hinter jedem Windhauch einen aufziehenden Sturm, hinter jedem Räuspern eine schlimme Krankheit und in vielen Herausforderungen eine existenzielle Bedrohung gewittert hat. Ich mag es ihr nicht verdenken- sie wurde fast auf den Tag genau mit Kriegsbeginn geboren. Die Eindrücke und Gefühle aus dieser schrecklichen Zeit haben sie ein Leben lang begleitet und es sogar noch vermocht, einen Schatten auf das Leben ihrer Kinder zu werfen. Wiegesagt, ich bin ein ängstlicher Mensch. Sorglose Zuversicht, tiefenentspanntes Vertrauen- das gehört nicht zu meiner emotionalen Grundausstattung.

ABER:
Ich darf lernen.
Eine meiner frühesten Kindheitserinnerungen hat damit zu tun, dass meine ängstliche Mutter (!) mir etwas über Gott erzählt hat. Sie selbst war sich, glaube ich, nie so richtig sicher, ob sie nun wirklich an den lieben Gott glauben kann oder nicht. Sie wollte das gerne, aber oft hat ihr auch die Kraft dazu gefehlt. Wahrscheinlich dachte sie trotzdem, dass es nichts schaden kann, wenn sie mir mal die Idee vermittelt, dass es noch jemanden gibt, der über den Dingen und dieser Welt steht und der auf mich aufpassen kann.
Ohne zu zögern habe ich ihr das geglaubt. Es war mir von einer Sekunde auf die nächste klar, dass es diesen „Jemand“ gibt. Und ohne dass ich das mit meinen vier Jahren hätte in Worte fassen können, habe ich instinktiv erfasst, dass das meine Rettung ist.
Und habe Vertrauen gefasst.

Seitdem gehe ich Vertrauens-Schritte, mit Jesus an meiner Seite.
Manchmal fühlt sich das Leben trotzdem an, als wäre es eine Schlitterpartie auf Eis:
Dann frage ich mich, ob das berufliche Projekt, das ich mir für 2022 vorgenommen habe, wohl klappen wird oder ob ich mich mit dieser Idee übernehme.
Manchmal denke ich auch, dass ich nicht (mehr) nah genug an meinen Kindern dran bin, weil ich mich um so viele andere Themen kümmere.
Natürlich bete ich auch viel zu wenig, viel weniger, als ich eigentlich möchte. Wird Gott sich trotzdem um all meine Anliegen kümmern und werden meine Kinder trotzdem alles haben, was sie brauchen, besonders im Glauben???
Im Fragen und Zweifeln war ich schon immer gut.

Aber, ha! Ich hab ja jetzt ein Wort-Geländer:

Just trust,

halte ich mir selbst und meinen Fragen entgegen, weil es so schön eingängig ist und sich reimt.
Mehr Gelassenheit einüben.
Nicht einfach Nichts-Tun, aber vertrauen, dass es nicht allein auf mein Tun ankommt, sondern dass ich ja noch jemanden habe, der auf mich, meine Liebsten und die Welt aufpasst.

Heute habe ich im Gottesdienst

ein wunderschönes, bewegendes Zeugnis gehört.
Ein Ehepaar, beide Mitte bzw. Ende 80, haben aus ihrem Leben erzählt. Sie hat davon berichtet, dass sie einmal in große Sorge wegen ihrer Tochter war. Als sie dann für ihr Kind gebetet hat, hat sich die Situation verändert und sie war so überwältigt von Dankbarkeit, dass sie zu Gott gesagt hat:

Du darfst Dir alles von mir wünschen, was Du willst“.

Selbst ein wenig erschrocken über dieses kühne Gebet, hat sie kurz darauf klar und deutlich eine Stimme gehört, so als sei noch eine andere Person im Raum:

„Vertraue mir“, hat die Stimme gesagt.

Just trust.
Mein Geländer für 2022.

Foto: Heiko Stein, pixabay

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