Archiv für den Monat Juli 2018

Ferientagebuch

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Foto: pixabay

Teil 2: Unter dem Apfelbaum

Für ein paar kostbare Minuten habe ich mich aus meinem Alltag davongestohlen und mich an meinem Lieblingsplatz versteckt: der Hängematte, mit der mein Mann mich vor zwei Jahren zu unserem Hochzeitstag beglückt hat. Sobald das Wetter es zulässt, wird sie im Garten zwischen dem Spielhaus der Kinder und dem großen Apfelbaum aufgehängt.  

Dieser Baum ist hoch gewachsen. Unten- so vermute ich- wurde er mehrere Male beschnitten. Davon hat er sich aber nicht beirren lassen, sondern hat vier kräftige Äste gebildet, die steil in die Höhe gewachsen sind und sich weit oben zu einer ausladenden Krone verzweigen.

Beschirmt von diesem gewaltigen Blätterdach werde ich nun sanft hin- und hergewiegt.
Irgendwo in den Zweigen über mir, für mich unsichtbar, sitzt eine Amsel und singt inbrünstig ihr Lied. Ich kann schon die vielen Früchte sehen, die am Baum hängen. Und auch wenn die Äpfel noch nicht reif sind, weiß ich: Es wird eine gute Ernte werden.

Durch die Blätter hindurch schaue ich in den tiefblauen Himmel, glücklich und auch etwas verwundert, dass dieser Sommer uns einen wolkenlosen Tag nach dem anderen beschert.
Nicht nur die Regenwolken, die sonst hier so häufig vorüberziehen- auch die Wolken, die mir in den letzten Wochen so schwer auf Herz und Seele lagen, haben sich verzogen und machen Urlaub anderswo.  Ein friedvoller Moment. Ruhe. Wärme. Licht.

Ich weiß, dass diese Ruhe schon bald wieder in Geschäftigkeit umschlagen wird. Drei kleine Menschen, die gar nicht mehr so klein sind, brauchen doch immer wieder Ansprache, Aufmerksamkeit, Ermahnungen, eine warme Mahzeit oder auch den Taxiservice.

Aber jetzt- jetzt steht die Zeit noch einen Augenblick still für mich.
Ich höre nur meinen Atem, das leise Knarzen der Hängematte, den melodiösen Vogelgesang und ab und an ein Blätterrauschen.
Ich schließe die Augen, wackle mit den Zehen und freue mich.
So fühlt sich Sommer an.
Und dafür zu danken, ist heute mein Gottesdienst.

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Foto: pixabay

Ferientagebuch

 

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Foto: pixabay

Ihr Lieben,

es ist müßig, wenn ich jetzt hier anfange herum zu jammern und Euch all die 528 Gründe aufzähle, die Schuld daran sind, dass ich nie blogge.

Stattdessen habe ich Lust, einen kleinen Selbstversuch zu starten und Euch ein bisschen an unseren Ferienerlebnissen teilhaben zu lassen. Keine Angst- Ihr müsst nicht durchlesen, welche Tiergehege wir uns in welcher Reihenfolge im Zoo angeschaut haben oder wer von uns welche Lieblingssorte in der Eisdiele hat.
Aber die kleinen oder größeren Schätze und Aha-Erlebnisse, die wir in diesem Sommer ja vielleicht sammeln dürfen- die möchte ich hier gerne mit Euch teilen. Sicher nicht täglich (so radikal kann ich mich jetzt auch wieder nicht ändern!), aber ein bis zweimal in der Woche. Vielleicht hast Du ja Lust und magst Dir das eine oder andere davon durchlesen.

Die erste Kostprobe gibt es heute, verbunden mit vielen herzlichen Grüßen für eine schöne und gesegnete Sommerzeit!

Teil 1: Amtshandlungen

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Foto: pixabay

Heute war der erste offizielle Ferientag (obwohl die Ferien ja eigentlich schon mit dem Moment beginnen, in dem man das Schulgebäude verlässt und weiß, dass nun 6 Wochen unbeschwerter Freiheit vor einem liegen- herrlich-kribbelig habe ich dieses Gefühl in Erinnerung!).

Der Tag begann für mich mit einer Überraschung: Ich wurde nicht aufgeweckt. Keines meiner Kinder wollte mir eine dringende Fragen stellen (wie z.B.: „Mama, weißt Du, wo das lila Glitzerhaarband von meiner Barbie ist“?), keiner nur mal nachschauen, ob ich vielleicht kürzlich aufgewacht sei und keiner hat einfach nur aus purer Langeweile die Schlafzimmertüre aufgerissen.
Ganz im Gegenteil: Ich habe kolossal verschlafen und völlig verstört und schlaftrunken erst um 9:15h auf meinen Wecker geblinzelt (falls es jetzt Mütter gibt, die grün vor Neid anlaufen, weil sie von solchen Ausschlaf-Orgien nur träumen können: Ich habe schlappe elfeinhalb Jahre auf diesen Morgen gewartet…).

Die zweite Überraschung kam sofort hinterher: Annie hatte einen Zettel an die Türe geheftet, dass ich unbedingt liegenbleiben und warten solle, bis sie bei mir anklopft. Das habe ich brav beherzigt und dabei auch schon geahnt, was das zu bedeuten hat. Ein paar Minuten später hat sie mir ein komplettes Frühstück inklusive Kaffee und frischer Brötchen ans Bett gebracht. Das nenne ich einen Ferienauftakt!!! Verwöhnprogramm pur.

Die zweite Hälfte des Vormittags- also die, in der ich wach war- verlief ein klein wenig unerfreulicher. Es ist mir höchst peinlich, dass ich das zugeben muss, aber da ich ja so massiv verschlafen hatte, geriet ich tatsächlich für unseren Termin beim Einwohner-Meldeamt (bereits frühmorgens um 11:30h angesetzt) unter Zeitdruck. Dieser Termin war von langer Hand geplant, da wir neue Reisepässe beantragen wollten und dazu alle Kinder dabei sein mussten. Dumm war nur, dass noch sämtliche Bücher und CDs gefunden werden mussten, die wir mitnehmen und anschließend in der Bücherei abgeben wollten. Das gab Stress…

Tatsächlich kamen wir zu spät beim Bürgeramt an. Unsere Nummer war wohl schon aufgerufen worden. Völlig deprimiert und beschämt saß ich im Wartebereich und rätselte, wie lange es wohl dauern würde, bis wir einen neuen Termin bekommen würden, bei dem auch alle drei Kinder zwecks Reisepass-Ausstellung dabei sein könnten. In unserer schönen und gut organisierten Hansestadt kann das schon mal ein paar Wochen dauern…
Zwischen Hoffen und Bangen fing ich an zu beten. Manchem mag das ein bisschen albern vorkommen, aber ich bete für klitzekleine Dinge ebenso wie für mittel- bis superschwere Sachen. Gott ist ja Gott, und da wird er sich schon entscheiden, welche Gebete er berücksichtigen möchte und welche nicht.
Im nächsten Moment fiel mir ein sehr freundlicher junger Mann auf, der eine alte Dame zu ihrem Warteplatz begleitete. Er schien sich auszukennen, und so fasste ich mir ein Herz und fragte ihn, ob es wohl noch Hoffnung geben könnte, dass unsere Nummer noch einmal aufgerufen wird.
„Sieht so aus, als ob Sie Ihren Termin verpasst haben.“
Kurze Pause.
„Aber kommen Sie mal mit. Ich mach das eben.“

Das „Ich-mach-das-eben“ dauerte dann gut und gerne eine halbe Stunde. Aber es hat geklappt, möglich gemacht durch einen unkomplizierten Einwohnermeldeamts-Mitarbeiter (dieses Wort merke ich mir für das nächste Hang-Man-Spiel). Und das trotz meiner unprofessionellen Vorbereitung und unserer Verspätung!
Auf die Gefahr hin, dass das zum zweiten Mal albern und kindisch klingt: Für mich war das ein kleines Gnaden-Zeichen, vielleicht sogar durch mein Stoßgebet bewirkt. Ich hätte es verdient gehabt, unverrichteter Dinge wieder abziehen zu müssen und am Ende der Ferien nochmal zu einem neuen Termin zu erscheinen. Ganz sicher kein Drama, aber auch kein Anlass für Jubelgeschrei.  Ich hätte auch niemand anderem einen Vorwurf machen können als mir selbst. Aber entgegen jeder Wahrscheinlichkeit und Erfahrung taucht da plötzlich ein freundlicher und geduldiger Mitarbeiter auf, der (zufällig?) Zeit hat und ausgerechnet uns in diese Lücke hineinnimmt.

Später erzähle ich meinen Kindern, die nach dem Termin auch alle ganz erleichtert sind, dass ich gebetet habe. Mein Sohn strahlt mich an und sagt: „Hab ich auch gemacht, Mama!“.

Was mir von dieser Alltags-Episode bleibt, sind folgende Erkenntnisse:

1. Betet ohne Unterlass (1. Thessalonicher 5, 17). Auch für winzige Kleinigkeiten.

2. Manchmal ist ausgerechnet mein eigenes Unvermögen dazu gut, um neue Lektionen zu lernen und mich von Gott überraschen zu lassen.

3. Geheimtipp für die Sommerferien: Einen Termin beim Einwohnermeldeamt machen, zu spät kommen und mal schauen, was passiert.

4. Wecker werden definitiv überbewertet.

Falls bei Euch schon Ferien sind, dann hoffe ich, dass Ihr auch gut gestartet seid.
Und wenn Ihr noch warten müsst, dann haltet durch!
Liebe Grüße und viel Segen von

Barbara