Archiv für den Monat April 2014

Love to-go or love to- stay?

Ziemlich genau einen Monat ist es her, dass ich an einem sogenannten „encounter retreat“ teilgenommen habe. Ich bin nicht sicher, ob dieses Konzept nur in amerikanischen Kirchen verbreitet ist- mir ist es zumindest in meiner ziemlich langen christlichen „Laufbahn“ vorher noch nicht begegnet. Übersetzen könnte man das Wort wohl am besten mit „Einkehrtagen“. Allerdings ist der Gedanke hinter dem „encounter retreat“ weniger, in die Stille zu gehen, als sich in ganz konkreten und teilweise auch praktischen Schritten von alten Mustern, Sünden, Verletzungen und sonstigen Hindernissen zu trennen, die zwischen den Teilnehmern und Gott stehen könnten. Hört sich sehr abstrakt an, ich weiß, ist aber eigentlich ziemlich simpel. Zum Beispiel haben wir an einer Stelle die Namen aller Personen notiert, denen wir eine Schuld vergeben möchten. Im Gebet haben wir dann die Vergebung ausgesprochen und die entsprechende Namensliste an ein Holzkreuz gehämmert, als symbolischen Akt dafür, dass Jesus sich jetzt um diese Menschen kümmern soll und wir nicht länger an dem festhalten werden, was sie uns schulden. Das war nur einer von vielen konkreten Schritten, die wir an diesem Wochenende mit Gott gegangen sind.

Ich hatte enorme Erwartungen in dieses Wochenende und dachte, dass es die Lösung für alle meine Probleme bringen würde. Genau genommen hatte ich sogar eine sehr konkrete und auch biblische (jawohl, hörst Du, Gott, biblische) Bitte: Ich wollte umgehauen werden von Gottes Liebe. Ich wollte das erleben, was hunderte oder tausende Menschen vor mir schon erlebt haben: Dass sie so von Gottes Gegenwart und Liebe berührt werden, dass es sie – buchstäblich oder zumindest im übertragenen Sinne- umhaut. Genau das wollte ich. Meine Agenda stand also fest!

Was ist tatsächlich passiert?
Einige der anderen Teilnehmer wurden tatsächlich sehr tief von Gottes Liebe berührt. Manche ließen zentnerschwere Lasten am Kreuz zurück und fühlten sich hinterher leicht wie eine Feder. Manche bekamen Antworten auf schwierige Fragen in ihrem Leben.
Und ich? Ich fühlte mich im Wesentlichen außen vor. Irgendwelche Schichten meines Inneren wurden ganz sicherlich auch berührt, denn ich habe gefühlte 25 Packungen „kleenex“ verbraucht, um alle Tränen und verschmierte Schminke aus meinen Gesicht zu wischen, die ich in den ca. 24 Stunden vergossen (Tränen) bzw. verwischt (Mascara) habe.
Trotzdem: Mein inniges Gebet, das mich schon seit Monaten begleitet, wurde nicht erhört. Ich habe keine umwälzende, tiefgreifende, emotionale Offenbarung von Gottes Liebe erlebt. Ich habe nicht gespürt, wie mein himmlischer Vater mich in den Arm nimmt. Ich habe nicht nachempfunden, was der verlorene Sohn aus Lukas 15 erfahren hat, als ihn sein Papa nach Jahren der Entfremdung begeistert und liebevoll an sich gedrückt hat.
Ich fühlte mich zunächst hoffnungsvoll, dann sehnsuchtsvoll und gegen Ende der Veranstaltung zunehmend enttäuscht und etwas ratlos über der Frage, was denn bei mir wohl schiefgegangen sein könnte, wenn ich doch nicht erlebt habe, wonach mein Herz sich so sehr sehnt.

Die Antwort darauf? Ich hab sie nicht bekommen, jedenfalls nicht auf spektakuläre oder übernatürliche Weise. Aber vielleicht ist die Antwort einfach die, dass gar nichts schief gegangen ist.
Dass Gott einfach die ganze Zeit genauso nah an mir dran war wie an allen anderen Teilnehmern, die doch in meinen Augen so viel mehr erlebt haben als ich. Dass er Dinge in mir angerührt hat, die ich vielleicht gar nicht so beachtet habe. Oder dass er mein Herz auf etwas vorbereitet hat, das ich jetzt noch nicht sehe und fühle, das aber noch zur Entfaltung kommen wird.
Klingt jetzt ein bisschen so, als ob ich ihn in Schutz nehmen oder mir selbst ein Trostpflaster aufkleben müsste. Das mit dem Trostpflaster stimmt auch sicherlich zu einem gewissen Teil, denn ich finde nach wie vor, dass meine Bitte gut und richtig und ja, biblisch (hörst Du, Gott, biblisch) war.

Um ehrlich zu sein: Meine Enttäuschung hat mich in eine ziemlich tiefe Krise gestürzt und hat mein Gefühlsleben irgendwie durcheinander gewirbelt. Ich kann Euch jetzt nicht alles erzählen, was da in meinem Innenleben vor sich gegangen ist, aber ein Teil der ganzen Misere war, dass ich letzten Endes zu wenig Vertrauen in Gott hatte. Ich habe gehofft und gewünscht, aber so richtig geglaubt habe ich nicht, dass Gott sich mir offenbart. Ich hatte Zweifel. Ich hatte Befürchtungen, dass vielleicht nicht geschieht, was ich mir erhoffe. Und letzten Endes hatte ich Misstrauen gegenüber Gott.
Der Punkt ist der: Kann Gott nur handeln, wenn ich ihm vertraue? Ja. Aber nicht, weil er mich nicht leiden kann solange ich noch Zweifel habe und ihm böse Absichten unterstelle. Sondern einfach deshalb, weil mein Herz dann nicht geöffnet ist. Einfach deshalb, weil dann ein Teil von mir unzugänglich ist, hart, verschlossen. Gott macht mir deshalb nicht mal einen Vorwurf. Aber bevor ich das nicht erkannt und verändert habe, wird –wahrscheinlich- nicht viel passieren. Ich will damit nicht sagen, dass er nicht auch ganz überraschend, von jetzt auf gleich, eingreifen kann. Ich meine, hallo, er ist allmächtig. Aber in der Regel wird er keine Abkürzungen nehmen, wenn er weiß, dass ich unterwegs etwas lernen kann. Und meine Lektion heißt wahrscheinlich: Lerne vertrauen. Lerne, dich zu öffnen. Lerne, mich nicht festzulegen auf das, was Du denkst dass ich tun muss für Dich. Ich weiß schon, was ich vorhabe, sobald Du mich wirklich an Dein Herz heranlässt.

Okay. Was nun? Ich hab mich durchgekämpft und durchgebissen durch diese etwas trockene und nicht so erbauliche Lektion.
Ich habe mich entschieden, Gott jetzt nicht (weiter) beleidigt den Rücken zu kehren, nur weil er meinen Wunschzettel nicht abgearbeitet hat (wie, das wäre vermessen???).
Ich werde weiter suchen. Ich werde weiter beten. Ich werde mich so gut wie ich kann an Gottes Fersen drankleben (was schwierig ist, wenn man sie nicht sieht, aber trotzdem). Und vertrauen üben.

Ihr lieben Freunde und Mamas und Papas und Glaubensgeschwister und sonstige blog- Leser: Es tut mir leid, dass ich Euch heute einen so schwer verdaulichen Theorie- Brocken vorsetze, den ich nicht mal selbst ganz kapiere.

Aber erstens war es überfällig, mal wieder was zu posten.
Und zweitens: Was anderes hab ich leider gerade nicht weiterzugeben.

Für heute wünsche ich Euch ein wunderbares Osterfest.
Wenn Ihr daran zweifelt, dass es Jesus und das ganze andere Zeug aus der Bibel gibt, dann gönnt Euch bitte bitte dieses Buch:
„Den Himmel gibt´s echt“ (Todd Burpo).
Ich hatte massive Vorurteile gegen dieses Buch, weil ich schon viele Stories von irgendwelchen Nahtoderfahrungen gehört hatte, die mir mal mehr, mal weniger komisch vorkamen. Schließlich habe ich mir das Buch doch gekauft- und bin sprachlos, begeistert, tief berührt und ehrfürchtig darüber, was ein kleiner Junge erlebt hat, der dem Tod nahe war und dabei Jesus getroffen hat. Ostern pur.