Archiv für den Monat Mai 2015

Mutter(herz)tag

Liebe Mamas,

Ich weiss, Ihr habt das nicht noetig.

Wie das halt oft so ist, schreibe ich vieles bestimmt einfach deshalb, weil es fuer mich selbst wichtig ist, in der Hoffnung, dass da draussen jemand ist, der –oder in diesem Fall die- mit mir mitfuehlt, mich versteht, etwas Aehnliches erlebt hat oder dieselben Fragen hat wie ich.

Heute will ich mich ermutigen- und Euch auch!!
Heute will ich mich sogar selbst loben, oder vielleicht besser: anfeuern. Und Euch auch!!
Heute will ich mir selbst Hoffnung, Mut und Perspektive zusprechen. Und Euch auch!!!
Wir sind naemlich wichtig, wir Muetter.
Jawoll!

Wir haben einen Job, der eine immense Verantwortung, gewaltige Moeglichkeiten, enormen Stress und jede Menge Herausforderungen mit sich bringt.
Wir haben einen Job, der, von aussen betrachtet, so wenig glamouroes und attraktiv erscheint, dass es heutzutage schon fast peinlich ist, wenn man „nur“ Mutter ist und sonst nichts (womit ich jetzt nicht sagen will, dass nur die Vollzeit-Mamas die wahren Mamas sind…!).
Wir haben einen Job, der wenig Output zu bringen scheint.
Vieles von dem, was wir tun, kann einem fast sinnlos erscheinen, wenn man darueber nachdenkt (deshalb ist es manchmal auch von Nachteil, wenn man eine Mutter ist, die viel nachdenkt, aber das nur am Rande): Kaum ist die Waesche gewaschen, zusammengelegt und womoeglich sogar in die richtigen Schraenke sortiert, landet sie auch schon wieder im Waeschekorb. Kaum ist der Boden gewischt, kommt jemand von draussen reingestuermt und hinterlaesst eine Spur aus Sand, Matsch, Erde oder Gras. Kaum ist das Essen gekocht, ist es auch schon wieder verputzt. Und wenn die Kinder es nicht angeruehrt haben, weil sie es zu eklig fanden, steigert das die Sinnhaftigkeit der Sache auch nicht gerade…
Manchmal scheinen wir auf der Stelle zu treten: „Sag Bitte und Danke“, „Raeume Deinen Teller in die Spuelmaschine“, „Hau Deinen Bruder nicht“, „Mach die Tuere leise zu (fuer Fortgeschrittene…)“, „Troedel nicht so“… – manche Saetze wiederholen wir mantra-artig und haben dabei das Gefuel, dass wir auch einfach eine Kassette besprechen und abspulen koennten.
Geschwisterstreit und –neid, das Austesten der Grenzen, kotzende Kinder (immer gleich alle hintereinander, und immer nachts), endlose Waescheberge, verloren gegangene Schnullis, Schulstress…- wir haben’s nicht leicht! Stimmt’s????

Und doch haben wir mit jedem Kind, das uns anvertraut ist, einen unglaublich wertvollen Schatz empfangen.
Ein Menschenleben, das einzigartig ist. Ein Kind mit Faehigkeiten, Begabungen, Ideen und einer Persoenlichkeit, die es so kein zweites Mal auf dieser Welt gibt. Ein Kind mit einem Potenzial, das wir vielleicht selbst manchmal gar nicht ahnen. Ein von Gott erdachter, geliebter und wertgeschaetzter Mensch.

Und wir als Muetter (und natuerlich auch Vaeter, aber Ihr seid halt erst im Juni dran…) haben die grosse, aufregende, wunderschoene, sauschwere und beglueckende Aufgabe, diese Ebenbilder Gottes in ihr Leben zu begleiten. Wir duerfen Einfluss nehmen auf sie, ihr Denken und ihr Handeln formen, an dem Bild mitarbeiten, das sie von sich selbst, von ihren Mitmenschen und von der Welt haben werden, duerfen ihnen vermitteln, was gut und boese ist, was das Leben foerdert und was das Leben zerstoert, duerfen ihnen Beziehung und Naehe und Waerme vorleben, ihnen Freude und Lust auf Neues machen, sie in ihren Faehigkeiten bestaerken und sie in unseren Glauben an Gott mit hineinnehmen.
Wir haben unseren Anteil daran, dass sie spaeter zu aufrichtigen Freunden und verantwortungsvollen Kollegen werden, dass sie bereit sein werden zu teilen sich fuer andere einzusetzen und das Leben ihrer Mitmenschen zu respektieren. Wir koennen nichts davon „machen“, aber wir koennen unsere Kraft, unser Herzblut und unsere Gebete dafuer einsetzen.

WOW.
Eine Hammer-Aufgabe. Grossartig! Ein bisschen zu grossartig, an manchen Tagen…

Wie gut, dass wir dabei nicht alleine sind.
Wie gut, dass Gott weiss, dass Muttersein unendlich schoen und unendlich schwer sein kann.
Wie gut, dass er die Gebete von uns Muettern hoert. Ich glaube, dass wir einen besonderen Zugang zu seinem Herzen haben, wenn wir fuer unsere Kinder beten.

Wie gut, dass wir uns auch gegenseitig aufmuntern, ermutigen, anfeuern und beraten koennen. Ich habe mir fest vorgenommen, dass ich bei der naechsten Gelegenheit, die sich mir bietet, einer anderen Mama ein Kompliment machen werde. Wer schon jemals aus dem Mund anderer Leute gehoert hat, wie toll die eigenen Kinder sind, der weiss, dass es kaum ein besseres Gefuehl gibt, als sich in seiner Aufgabe als Mutter (oder Vater) bestaerkt zu fuehlen.
Das waere doch ein schoenes Muttertags-Geschenk (wenn auch verspaetet), wenn wir einer anderen Mutter das Gefuehl geben koennen: Du machst es gut. Du machst es richtig. Die Welt um Dich herum findet Deinen Job nicht glamouroes. Keiner staunt, weil Du Windeln wechselst und Geschirr abspuelst. Aber DU bist wichtig. Dein Job ist wichtig. Deine Kinder sind wichtig. Gott findet Dich wichtig.
Sei zum Muttertag ermutigt und vergewissert, dass Dein Job ewigen Wert hat.

Liebste Mutterherz-Gruesse von
Barbara

Bloss kein Projekt!!!

Neulich im Radio:

Vater und Mutter von zwei Teenagern unterhalten sich mit dem Moderator darueber, wie sich das Zusammenleben als Familie gestaltet, wenn die Kinder allmaehlich erwachsen werden. Erst will ich schon den Radiosender wechseln, denn was soll ich mich jetzt schon mit Problemen beschaeftigen, die ich heute noch gar nicht habe (jaja, ich weiss, nicht gerade sehr nachhaltiger Ansatz…). Aber dann fange ich doch an, mich fuer die Unterhaltung zu interessieren und bleibe sozusagen „haengen“. Leider kann ich nicht das ganze Gespraech mit verfolgen, weil die Autofahrt zum Kinderturnen dann auch schon wieder rum ist, aber ein Satz bleibt mir im Gedaechtnis haengen und beschaeftigt mich in den folgenden Tagen immer wieder:

„Don’t make your kids your project”.
Mach aus Deinen Kindern nicht Dein Projekt.

Und, wie die Eltern in dem Interview weiter ausfuehren: Lass Deinen Kindern Raum, dass sie einfach nur „da sein“ duerfen. Zu Hause muessen sie die Moeglichkeit haben, einfach nur sie selbst zu sein.
Ich weiss, dass klingt ziemlich grundlegend. Sogar logisch, irgendwie. Wo sollen Kinder sonst den Freiraum haben, ganz sie selbst zu sein, wenn nicht in ihrer Familie, in ihrem Zuhause?
Wo sollen sie sonst die Moeglichkeit haben, einfach mal abzuhaengen, auch mal schlechte Laune zu haben, im Schlafanzug rumzulaufen, gelangweilt zu sein, ihre Spielsachen auszubreiten oder ueber Regeln zu diskutieren?
So sehr mir das einleuchtet, merke ich doch, dass in meinem Alltag ein klares „Jaein“ zu dieser Sichtweise vorherrscht.

Natuerlich will ich, dass meine Kinder sich zu Hause entspannen und wohlfuehlen koennen.
Natuerlich will ich, dass sie sich angenommen wissen, auch an Tagen, an denen sie schlecht gelaunt sind, nicht aufrauemen moechten oder viel streiten.

ABER (das musste ja kommen!) ich will auch, dass unser Laden gut laueft. Ich hasse Unordnung (das ist so ziemlich die schlechteste Voraussetzung dafuer, Mutter dreier Kinder zu sein…), ich liebe es, wenn der Tag einer gewissen Regelmaessigkeit folgt (die zweitschlechtete Voraussetzung) und um einigermassen bei Verstand zu bleiben brauche ich ausserdem ein gewisses Mass an Zeit, dass mir ganz alleine gehoert (so eine mittelgute Voraussetzung).
Deshalb kann es bei mir vorkommen, dass ich aus meinem Dasein als Mutter und Hausfrau eben manchmal doch ein Projekt mache, bei dem alle moeglichst gut und einwandfrei funktionieren sollen. Ich will ja schliesslich Ordnung, einen geregelten Arbeitstag und –Freizeit, yeah!!! Das muessen die Kinder doch einsehen, oder???

Dann gibt es da noch diese ganz andere gedankliche Schiene. Niemand von uns gibt gerne zu, dass wir solche Gedanken in uns tragen, aber mal ganz ehrlich: Wer hat nicht auf seiner geheimen Agenda irgendwelche Wuensche stehen, die die Zukunft unserer Kinder betreffen? Mein Kind soll mal… aufs Gymnasium gehen, Geige spielen, ein guter Fussballer sein, meine Freude am Lesen teilen, einen verantwortungsvollen Beruf ergreifen, bei seinen Freunden beliebt sein, eine gute Figur haben, Schlagersaenger werden…was weiss ich…
Ist das etwas ganz Schlimmes, wenn wir uns insgeheim Dinge wuenschen, die wir gerne im Leben unserer Kinder sehen wuerden? Ich glaube nicht. Es ist ganz normal, finde ich.
Wichtig ist nur, dass wir uns dessen bewusst sind und diese unausgesprochenen Erwartungen kein Eigenleben entwickeln. Wenn wir selbst erkennen, wieso uns eine bestimmte Eigenschaft, Faehigkeit oder berufliche Laufbahn so erstrebenswert fuer unsere Kinder erscheint, dann merken wir vielleicht, dass unser Wunsch viel mehr mit unserer eigenen Person zu tun hat als mit dem Leben unserer Kinder. Und dann koennen wir getroster loslassen, glaube ich.

Fuer mich bietet sich da noch eine ganze Menge Spielraum zum Ueben:

• Ich moechte lernen, in Sachen Ordnung (bwz. Unordnung) entspannter zu werden und Kompromisse zu schliessen. Mein Projekt heisst „ spotless home“, aber ich bin auch nicht die einzige, die in unserem Haus lebt und mein Empfinden muss nicht immer die Messlatte fuer alle Familienmitglieder sein.
• Mir ist das Lernen meistens leichtgefallen (wenn man mal alles, was mit Mathe zu tun hat, ausklammert). Dementsprechend faellt mir schwer, zu akzeptieren, dass meine Kinder oft wenig motiviert an ihre Schulsachen herangehen und ihre Hausis manchmal nur widerwillig und/oder schlampig erledigen. Uebe ich dann Druck aus, weil ich das Projekt „Wir-sind-die-Ueberflieger“ pushen moechte? Oder kann ich eine gewisse Gelassenheit walten lassen und mir selbst sagen, dass sie irgendwann schon lesen und schreiben lernen werden?
• Manchmal finde ich meine Kinder zu laut, zu schuechtern, zu frech, zu irgendwas. Ich habe dann ein festes Bild (oder sollte ich sagen: „Projekt“?) vor Augen, wie sie sich gefaelligst benehmen sollten. Stichwort: Vorzeige-Kinder! Ich schlage jetzt nicht vor, dass es voellig beliebig ist, was unsere Kinder tun oder lassen. Ohne Werte und Regeln an die Sache heranzugehen koennte ich mir ueberhaupt nicht vorstellen. Aber manchmal ein bisschen Druck aus der Situation nehmen, etwas gelassener oder humorvoller reagieren- das waere nicht schlecht, glaube ich.

Ich bin jedenfalls froh, dass ich, dank des Radiobeitrags, ein bisschen sensibler fuer meine „Projekte“ geworden bin. Und ich werde versuchen, meinen Kindern (und mir) an manchen Stellen mehr Spielraum einzugestehen. Mehr Spielraum, um einfach mal rumzubloedeln, mehr Spielraum, das Zimmer mal den ganzen Lego-Star-Wars-Figuren zu ueberlassen, mehr Spielraum, mal einen schlechten Hausaufgaben-Tag zu haben (wenn es „bad hair days“ gibt, gibts wahrscheinlich auch einfach „bad homework days“, da kann man gar nix machen), mehr Spielraum, um, naja, ein bisschen mehr Leben ins Leben zu bringen.
Mal sehen, ob das klappt!
Wie sieht das bei Euch aus?
Habt Ihr auch Eure Projekte? Oder leben Eure Kinder schon laengst in Bullerbue? Wenn ja, schickt uns ne Karte!! Bitte!!!

Liebe Gruesse von Eurer Projektmanagerin Barbara

PS.: Was den beruflichen Werdegang meiner Kinder betrifft, brauche ich mir wenigstens keine Gedanken mehr zu machen. Da ist alles schon vorgezeichnet: Jonathan wird Lego Master Builder, Annie wird Hundetrainerin und Janina wird eine Boutique exklusiv fuer Glitzerschuhe und Leggins eroeffnen. Noch Fragen???