Archiv für den Monat Dezember 2015

Mein Hirte oder: Das Abendgebet

Ihr Lieben,

wie Ihr alle wisst, war mein Blog die letzten Wochen und sogar Monate ziemlich verwaist. Mein letzter Beitrag ist jetzt schon beinahe verjaehrt…Deswegen hatte ich auch schon damit begonnen, so eine Art „Abschieds-post“ zu verfassen. Ziemlich unmotiviert habe ich dann mal in meine „Statistiken“ hineingeschaut, eine Rubik, die ich seit geraumer Zeit meide, weil ich nicht gerne sehen moechte, dass sich kein Mensch mehr den Mutterherzblog durchliest (und das koennte ich nicht mal jemandem uebelnehmen…). Zu meiner uebergrossen Ueberraschung habe ich festgestellt, dass Ihr aber genuegend Geduld mit mir habt, so dass doch ein kleiner, feiner, steter Strom an Lesern bei mir vorbeischaut. Und das freut mich!

Deshalb verpacke ich die Botschaft, die ich Euch als „Abschiedsworte“ uebermitteln wollte, jetzt ein kleines bisschen anders und gebe mir selbst nochmal eine Verlaengerung (mal sehen, wie’s klappt)!

Anyway:
Wir sind zwischen den Jahren.
Manche von uns schauen zurueck.
Manche schauen nach vorne.
Viele tun beides.
Wie bei so vielen anderen Menschen auch werden meine Gedanken und Zukunftsvorstellungen davon beeinflusst, was ich in den Medien hoere und sehe. Nichts davon ist kuschelig, ermutigend oder friedlich. Von sehr vielen Entwicklungen bin ich persönlich noch gar nicht betroffen, aber trotzdem gehen die Krisen dieser Welt und die damit verbundene Frage „Wo soll das alles noch hinführen?“ nicht spurlos an mir vorueber Mein unruhiges Herz geraet unter Druck und reagiert mit Panik und Fluchtreflexen. Nun gibt es aber nicht wirklich positive Möglichkeiten, um sich aus dem Leben, so wie es nunmal ist, auszuklinken. Deswegen bin ich gezwungen, mich den Problemen um mich herum zu stellen, ob ich will oder nicht (und ich will eigentlich nicht, falls das noch nicht deutlich genug rüberkam).

Manchmal kommt es vor, dass meine Kinder sich beim Schlafengehen vor der Dunkelheit oder dem Alleinsein fuerchten. Seit ein paar Monaten beten wir deswegen immer mal wieder gemeinsam den Psalm 23. Vor allem meiner mittleren Tochter hat es dieser Psalm angetan und sie kann ihn schon so gut wie auswendig (was ich bis vor kurzem nicht von mir behaupten konnte- peinlich…). Auf die Idee kam ich, nachdem ich in dem Buch von Henri Nouwen „The Way of The Heart“ gelesen hatte. Er schreibt darin ein Kapitel ueber das Herzensgebet. Damit ist ein Gebet gemeint, dass aus einem elnzelnen Vers oder sogar einem einzelnen Wort bestehen kann und dass wir mehrmals taeglich wiederholen, so dass es uns schliesslich zu einer inneren Wahrheit wird.
Am Beispiel von Psalm 23 beschreibt Nouwen das so:

„When, for instance, we have spent 20 minutes(…)  sitting in the presence of God with the words <The Lord is my Shepherd> , they may slowly build a little nest for themselves in our heart and stay there for the rest of our busy day. Even while we are talking, studying, gardening or building, the prayer can continue in our heart and keep us aware of God’s ever-present guidance. The discipline is not directed toward coming to a deeper insight into what it means that God is called our Shepherd, but toward coming to the inner experience of God’s shepherding action in whatever we think, say or do.”

Obwohl ich erst dabei bin, diese Art des Betens ueberhaupt zu lernen, merke ich schon, dass sie mir guttut. Mein Herz kann immer noch ganz ordentlich zusammenzucken, wenn mich bedrohliche Nachrichten erreichen. Aber allein durch das abendliche Gebet am Bett meiner Kinder sind einige der Worte aus Psalm 23 schon ein Stueckchen tiefer in mein Herz gerutscht, als das vorher der Fall war. Und manche habe ich tatsaechich ganz neu entdeckt, so als ob sie davor noch gar nicht in meiner Bibel abgedruckt gewesen waeren…

Mein Herz braucht –genau wie das meiner Kinder- eine Quelle, aus der es gerade in stuermischen Zeiten Frieden und Kraft und Geborgenheit tanken kann.
Hoffentlich denke ich im kommenden Jahr ganz oft daran, mich an Jesus zu wenden. Ich glaube, mir kann das Herzensgebet dabei helfen.

Euch wuensche ich ein wunderbares neues Jahr!
Seid very much gesegnet!

Eure Barbara

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