Archiv für den Monat Mai 2017

Gott, der Motivstanzer und ich

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Kürzlich war ich beim Shoppen in einem nahegelegenen Einkaufszentrum.  Die Kinder hatte ich in der kostenlosen Kinderbetreuung geparkt (mache ich nicht häufig, ist allerding bei meinen Kindern sehr beliebt, weil natürlich auch immer irgendwo ein Fernseher läuft…) und wollte nur eben noch ein paar kleine Bastelsachen besorgen. An der Kasse hatte sich eine lange Schlange gebildet. Vor mir in der Reihe stand eine Familie: Vater, Mutter und die beiden Töchter, die Mädels so um die 10 und 12 Jahre alt, schätze ich.

Während wir da noch so standen und warteten, entdeckte das ältere der beiden Mädchen eine Kleinigkeit, die es noch gerne haben wollte. Wie Kinder das so machen, nahm sie das Teil (in diesem Fall war es so ein Ding, mit dem man Motive aus Papier ausstanzen kann) aus dem Regal heraus, hob es hoch und schaute die Eltern bettelnd an. Die nahmen´s ihrem Kind nicht übel und reagierten mit Humor. Allerdings entschied die Mutter, dass das Teil (Motivstanzer oder wie sowas richtig heißt?) im Laden bleiben sollte. „Aha, Mama ist also Finanzchefin“, dachte ich mir. Es gab  weiter keine Diskussionen  oder schlechte Laune deswegen. Ohne große Umschweife gab das Kind nach und stellte das Teil wieder weg. Als die vier dann an der Reihe waren zu bezahlen, warf der Papa seiner Tochter einen verschmitzten Blick zu. Mit einem breiten Grinsen drehte er sich nochmal um, griff ins Regal und holte den besagten „Motivstanzer“ heraus. „So, das wird jetzt noch gekauft“, verkündete er strahlend und legte das Teil schwungvoll auf den Ladentisch. Die Tochter war begeistert, die Ehefrau machte eine ironische, aber gut gelaunte Bemerkung und wenig später waren alle vier aus dem Laden draußen.

Episode vorbei. Aber in mir arbeitet es noch. Auf sehr positive Weise. Ich bin nämlich berührt von der kleinen, vollkommen alltäglichen Situation, die ich da unbemerkt beobachten durfte.
Was ich daran so besonders finde? Mich berührt die Geste dieses Papas. Entgegen der Vernunft –und Männer sind ja auch gerne mal rational- ,entgegen der Berechnungen, die ergeben haben, dass das Budget für heute ausgeschöpft ist, lässt er sein Herz sprechen. Und sein Herz sagt: Ich möchte meine Tochter beschenken. Ich möchte ihr eine Freude machen. Weil sie mir viel bedeutet, lasse ich meinen Verstand mal außen vor und lasse meine Liebe zu ihr sprechen. Durch diese kleine und doch großzügige Geste, die nicht abwägt, sondern verschwenderisch ist. Hier- für Dich. Von Herzen. Dein Papa.

Herzlich, zugewandt, aufmerksam, mit einem Strahlen in den Augen- die Liebe dieses Familienvaters war sichtbar. Und für mich hat sie etwas widergespiegelt von dem Vaterherz, das Gott für uns hat. Denn auch Seine Augen sehen uns strahlend, liebevoll, aufmerksam an. Und auch Sein Herz ist darauf aus, uns zu beschenken. In allererster Linie mit Seiner Nähe. Aber darüber hinaus mit einem Reichtum, den man nur entdecken kann, wenn man sich mit Ihm auf die Reise macht:

„And how blessed all those in whom you live, whose lives become roads you travel; They wind through lonesome valleys, come upon brooks, discover cool springs and pools brimming with rain!” (Psalm 84, 5.6, The Message).

Kerstin Hack (www.downtoearth.de) schreibt: „Nur die Information zu erhalten, dass Gott uns liebt, nützt unseren Gefühlen nichts und wird kaum etwas nachhaltig verändern. Unser Gehirn braucht Bilder, um sich etwas vorstellen zu können.“

Da ich schon seit langem unterwegs bin, um die Vaterliebe Gottes immer mehr zu erkennen,  war das kleine Erlebnis beim Einkaufen für mich auch eine kleine Offenbarung. Das liegt sicher unter anderem daran, dass ich ein „Geschenketyp“ bin und meine Liebe gerne mit kleineren oder größeren  Aufmerksamkeiten ausdrücke. Wenn das nicht so wäre, hätte die Tatsache, dass ein fremder Mann seiner Tochter einen Motivstanzer kauft, wahrscheinlich nicht so einen großen Eindruck auf mich gemacht. Aber Gott kennt mich ja und weiß, worauf ich „anspringe“. Er hat dafür gesorgt, dass ich zur Zuschauerin wurde und dass er mir dabei freundlich ins Ohr flüstern konnte: „Schau, Barbara, so bin ich auch. So sieht mein Vaterherz aus. Ich will Dir gerne eine Freude machen.“

Ich wünsche Euch auch immer wieder solche Momente, in denen Gott Euch mitten im Alltäglichen und Unscheinbaren berührt und Euch die Augen für etwas öffnet, das nicht von dieser Welt ist (und hey, wenn Er das sogar anhand von Bastelutensilien machen kann, die unaussprechliche Bezeichnungen haben, dann gibt es doch keine limits, oder???).

„Der Herr segne Dich und behüte Dich. Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig. Der Herr hebe sein Angesicht über Dich und gebe Dir Frieden.“ (4. Mose 6, 24-26).

 

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