Weckruf

Foto: pezibear, pixabay

Ich lese gerade im wundervollen Buch einer wundervollen Frau:


Sie beschreibt darin unter anderem die dramatischen, schmerzvollen Umstände, unter denen ihr Schwiegervater und kurz darauf ihre Mutter verstorben sind.
Es ist herzzerreißend, darüber zu lesen, und mir laufen die Tränen übers Gesicht, so sehr kann ich mitfühlen und mitleiden.

Obwohl es um Schmerz und Trauer geht, sind ihre Zeilen doch ein Weckruf für mich. Ich höre ihn ganz deutlich.

Und er lautet:
Liebe.

Im Abschied und aller Verzweiflung, die Bianka Bleier beschreibt, dringt doch diese Botschaft kristallklar zu mir hindurch:
Am Ende des Tages geht es darum, wie sehr ich geliebt habe.
Wie viel Zeit mich die Liebe kosten durfte.
Wie viel Raum ich ihr in meinem Leben gegeben habe.
Welche Wege ich gesucht habe, um sie meiner Familie, meinen Freunden, meinen Mitmenschen zu zeigen.

Ich erinnere mich gut, wie stark ich auch am Sterbebett meiner Mutter von diesem Gedanken zusammengehalten wurde: Nur die Liebe zählt.
Der Tod ist real und ist grausam.
Aber die Liebe ist mindestens genauso stark.

Es geht am Schluss nicht mehr darum, wie viel wir verdient, wie viele Menschen wir beeindruckt, wie toll wir unser Haus dekoriert und ausstaffiert haben.
Es geht darum, ob die Menschen, die mit uns verbunden sind, unsere Liebe gespürt haben.

Oh, wie sehr ich mir das wünsche.
Und wie sehr ich mich im Alltag von diesem Ziel ablenken lasse.
Es kann sein, dass ich den ganzen Tag nur meinen Verpflichtungen hinterhergehechelt bin:
Ich kaufe ein, ich mache die Betten, ich koche, ich putze, ich bereite die Förderstunden vor, ich fahre die Kinder zum Sport, gehe zur Arbeit, füttere den Hund, schreibe Mails – und merke manchmal nicht einmal, was mir fehlt und was ich vergessen habe:

Innehalten.
Mein Gegenüber sehen.
Hinhören.
Aufmerksam sein.


Liebevoll auf meine Kinder und auf meinen Mann sehen und nicht vor lauter Stress den eigentlichen Schatz vergessen, der mir anvertraut ist.

Es ist sehr berührend, von Bianka Bleier zu lesen, wie herzlich, liebevoll und wertschätzend sie die Beziehungen in ihrer Familie und in ihrem Umfeld hegt und pflegt und zu sehen, welche Blüten und Früchte daraus gewachsen sind.
Mich inspiriert das im tiefsten Inneren und weckt Sehnsucht in mir nach gutem Leben und guter Gemeinschaft.

Danke dafür.
Ich brauche diesen Weckruf. Immer wieder.

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