Archiv für den Monat März 2015

Nach Hause kommen

Als erstes danke ich Dir dafuer, dass Du mir die Treue haeltst und auch nach langen Duerrezeiten noch vorbeischaust. Ich freue mich aufrichtig darueber!

Wie es gerade in meinem Leben so aussieht?
Viel Veraenderung, viel Ungewissheit, aber auch sehr hoffnungsvolle Perspektiven.
Das meine ich aeusserlich gesehen(denn bald steht der grosse Umzug ueber den Atlantik zurueck nach Deutschland bevor!), aber auch innerlich.

Rein auesserlich betrachtet geht es fuer uns zurueck in die Heimat. Komischerweise fuehlt sich das allerdings fuer mich gar nicht so heimatlich an. Wir werden nicht im sonnigen Sueden leben (schluchz), sondern “ziemlich weit oben” im Norden. Bis vor kurzem fand ich das eine reizvolle Vorstellung, denn grundsaetzlich bin ich ja Neuem gegenueber schon aufgeschlossen. Jetzt, wo es ernst wird, bekomme ich aber doch kalte Fuesse und merke, wie sehr ich an “meinem” Stuttgart haenge.

  • Liebe Norddeutsche, die Ihr das lest…,
    bitte seid nachsichtig mit mir! Ich weiss, dass es “da oben” auch sehr schoen ist, ich habe einen der Euren geheiratet (und es noch an keinem einzigen Tag jemals bereut-kleine Liebeserklaerung am Rande), ich habe mir vor 20 Jahren tiefblaues Geschirr der Marke „Friesland“ angeschafft und mich dabei auch von dem Werbeslogan leiten lassen („So schoen wie ein Tag im Norden“) und ich werde bestimmt viel Gutes zu berichten wissen, wenn ich mich eingelebt habe. Aber trotzdem merke ich, dass ich mich innerlich von meiner schwaebischen Heimat verabschieden und darueber trauern muss, dass ich auf absehbare Zeit nicht mehr dort wohnen werde.
  • Liebe Sueddeutsche, die Ihr das  lest…,
    bitte trauert ein bisschen mit mir mit, dass ich vieles vermissen werde, was es eben nur bei uns gibt:
    Maultaschen und Butterbrezeln
    den Stuttgarter Weihnachtsmarkt
    den Schlossplatz
    die Wilhelma
    die Tuebinger Altstadt
    den Bodensee
    die Naehe zu den Bergen
    das schoene Wetter (naja, wenigstens manchmal, gell?)
    die Menschen, die “gell” sagen und “nedde” und “Bombole” (uebersetzt: „ein kleines Bonbon“)
    die Spezies des netten und humorvollen Schwaben, die zwar selten, dafuer aber Gold wert ist
    und das reiche geistliche Erbe, das diese Gegend zu bieten hat.

Ich wusste ueberhaupt gar nicht, wie sehr ich an meiner Heimat haenge, bevor ich gemerkt habe, dass ich so schnell nicht wieder dort leben werde. Ist es nicht verrueckt, dass ich das ausgerechnet dann merke, wenn ich von Kanada wieder nach Deutschland zurueckkehre??? Wo ich noch nicht einmal von unserem Gastland hier Abschied genommen habe!

Gleichzeitig bin ich aber auch dankbar: Dankbar dafuer, dass es sich so anfuehlt, als ob ich allmaehlich meine innere Heimat gefunden habe. Als ob ich allmaehlich weiss, was es heisst, Frieden mit mir selbst zu schliessen.
Ich weiss nicht, wie das fuer Euch ist. Vielleicht gehoerst Du zu den ganz und gar gesegneten Menschen, die nie mit Selbstzweifeln zu tun hatten, die ein starkes und gesundes Vertrauen in sich und die Welt mit in die Wiege gelegt bekommen haben und die im Wesentlichen “ihr Ding machen”, ohne dabei viele Umwege in Kauf zu nehmen oder innere Widerstaende zu erleben.

Ich kann Euch verraten: Ich gehoere nicht zu dieser Sorte! Ich weiss, was es heisst, sich manchmal unsicher zu fuehlen. Ich weiss, was es heisst, sich nicht alles zuzutrauen. Ich weiss, was es heisst, aengstlich zu sein. Ich weiss, was es heisst, an der eigenen Bestimmung und dem eigenen Wert zu zweifeln. Ich weiss, was es heisst, an manchen Tagen im Dunkeln zu tappen. Ich weiss, was es heisst, wenn Gebete scheinbar nicht erhoert werden und es sich anfuehlt, als ob Gott ganz weit weg ist. Und ich weiss, was es heisst, an einer Aufgabe zu scheitern.
Noch vor zwei oder drei Jahren haette ich den letzten Absatz ganz sicher nicht geschrieben, und wenn doch, dann auf gar keinen Fall so, dass ihn irgendeine andere Menschenseele zu Gesicht bekommen haette. Vor zwei oder drei Jahren haette ich mich einfach nur dafuer geschaemt, dass ich es nicht besser drauf habe. Hinter einer halbwegs funktionierenden, perfektionistischen Fassade haette ich soviel wie moeglich von meinen Schwaechen versteckt und panisch reagiert, wenn ich mich doch von irgendjemandem durchschaut gefuehlt haette.

Heute weiss ich mehr.
Ich habs immer noch nicht besser drauf.
Aber ich habe -vor allen Dingen dank meiner “women’s self discovery group”- einige wundervolle, befreiende Erkenntnisse gewonnen:

  • Sueddeutschland ist besser als Norddeutschland (haha, witzig, oder?)
  • Du kannst lernen, Dich selbst zu lieben und zu schaetzen. Fuer manche Menschen kann das ein langer Weg sein, aber es geht. Ich kann es bezeugen!
  • Wir sind alle -mehr oder weniger- verkorkst. Wenn wir den Mut haben, ueber unseren Schatten zu springen und anderen von unseren “struggles” zu erzaehlen, finden wir Gemeinschaft und echte Begegnung.
  • Veraenderung macht keinen Spass, aber Veraenderung geschieht, wenn wir sie von ganzem Herzen und mit ganzer Kraft anstreben
  • Jeder Mensch ist einzigartig und wundervoll geschaffen. Viele von uns nicken das gerne und schnell ab und koennen es vielleicht auch ohne Probleme als allgemeine Wahrheit unterschreiben. Wenn es aber an die Substanz geht und sie sich mit Dingen konfrontiert sehen, die sie an sich selbst nicht gerne moegen, dann geraet diese Wahrheit ins Wanken. Ploetzlich fuehlen wir uns dann nicht mehr so einzigartig und wundervoll, sondern eher klein und wertlos. Das muss nicht so bleiben! Wenn wir bereit sind, unser Leben und unsere Persoenlichkeit ehrlich und barmherzig zu betrachten, dann werden wir mehr und mehr entdecken, wie wir eigentlich und zutiefst gemacht und gedacht sind. Das wird uns niemals vollkommen werden lassen, aber es macht uns dankbar, demuetig und gelassener.

Und schliesslich -das ist meine feste Ueberzeugung- schenkt Gott uns die Gnade, dass wir uns selbst und ihn besser kennen und verstehen duerfen. Beides hat miteinander zu tun, da bin ich mir ganz sicher.

Frieden mit sich selbst zu schliessen ist eine wundervolle Erfahrung. Ich freue mich fuer alle, die schon immer wussten, wie sich das anfuehlt. Aber noch mehr freue ich mich vielleicht mit denen, die noch zweifeln und suchen, die hinfallen und wieder aufstehen, die sich danach ausstrecken, dass sie mit sich und ihrem Leben ins Reine kommen und die dabei nicht aufgeben. Fuer Dich/fuer Euch habe ich das hier geschrieben. Und moechte Euch aus ganzem Herzen Mut machen. Wenn ich es geschafft habe, mich von alten Verhaltensweisen, Denkmustern und Gefuehlen zu befreien, dann schaffst Du es auch! Es ist nicht “magic” und nicht besonders sexy, aber es ist sooooo gut.

Ich wuensche allen von Euch, dass Ihr Eure innere Heimat findet.
Und dass Ihr gluecklich seid, wo immer Ihr wohnt 🙂

God bless,

Barbara

PS.: Falls Du in der Gegend von Luebeck zu Hause bist oder dort nette Menschen kennst, lass es mich doch wissen!! Vielleicht koennen wir Freunde werden???

PPS.: Falls Du mehr darueber wissen moechtest, wie mein “self discovery journey” sich gestaltet hat, kannst Du mir auch gerne mailen: barbarahering@gmx.de