Archiv für den Monat August 2018

Ferientagebuch Teil 4

Schatzsuche

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Foto: pixabay

Das Setting zu meiner kleinen Begebenheit ist ein christliches Camp auf der Schwäbischen Alb. Seit beinahe drei Jahrzehnten kommen hier jeden Sommer zwischen 1.000 und 2.000 Menschen zusammen, um Gott zu begegnen, ihn mit ihrer Musik anzubeten und um geistliche Impulse und Ermutigung für ihr Glaubensleben zu bekommen.

Als Familie sind wir jetzt zum vierten Mal bei der „Zeltstadt“ (www.zeltstadt-nordalb.de/) dabei. An einem der Abende dort werde ich ganz überraschend beschenkt:

Es ist halb zehn und das Kinderprogramm neigt sich dem Ende zu.  Um meine Kinder auf dem Rückweg von ihren Kindergruppen zurück zu unserem Wohnwagen nicht zu verpassen, stelle ich mich an einen der Hauptwege, die das Camp unterteilen, und warte an der sogenannten „Infohütte“, bis sie vorbeikommen.

Noch lassen sie sich Zeit und schlendern wahrscheinlich gerade gemütlich im Lichtschein ihrer Taschenlampen irgendwo über das Gelände, noch ganz vertieft ins Gespräch mit anderen Kindern und überhaupt nicht in Eile…

Da kommt ein freundlicher, mittelalter Herr auf mich zu und spricht mich an.
Dass man mit Menschen ins Gespräch kommt, die man nicht kennt, ist auf der Zeltstadt nicht weiter ungewöhnlich. Die Atmosphäre unter den vielen Teilnehmern ist locker und ungezwungen, man kann praktisch überall rund um die Uhr irgendjemanden treffen. Trotzdem merke ich, dass diese Person, die da gerade aufgetaucht ist, irgendetwas auf dem Herzen hat und nicht nur über das Wetter, die nächstgelegene Toilette oder das Programm für den kommenden Tag sprechen will.

Höflich stellt sich mir der Unbekannte vor. Ich möge mich nicht wundern, aber er wäre auf einer Schatzsuche, erklärt er mir.
Ich suche nach Schubladen, in die ich diese Begegnung schnell einsortieren kann und denke an Teamwork-Aufgaben, wie man sie manchmal auf Freizeiten oder in Workshops lösen soll: „Besorge in 15 Minuten zwei Wäscheklammern, eine Tüte Gummibärchen und eine Rolle Paketschnur.“ Oder sowas in der Art. Bestimmt steckt so eine Aktion dahinter…

„Also, das klingt jetzt vielleicht komisch…“ (in Gedanken stimme ich zu).  „Aber ich suche nicht nach Gegenständen, sondern nach Menschen. Schauen Sie mal auf meinen Zettel hier.“
Er hält mir einen zerknitterten Notizzettel unter die Nase, den ich aber in der Abenddämmerung kaum entziffern kann.
„Also, jetzt kann man das gerade nicht so gut lesen, aber ich habe heute Morgen gebetet. Und da hat Gott mir gezeigt, dass ich heute Abend zur Infohütte kommen und eine Person ansprechen soll, die ein weißes Oberteil mit schwarzen Querstreifen trägt. Hier auf meinem Zettel steht es.“

Das sitzt.
Ich muss nicht erst an mir herunterschauen.
Weißes Oberteil, schwarze Querstreifen- das bin ich!!!

„Wenn ich eine Schatzsuche mache, frage ich Gott, nach wem ich Ausschau halten soll. Und dann gibt er mir einen Hinweis, wie die Person aussieht und wo ich sie finde. Gott möchte Ihnen sagen, dass Sie ein Schatz sind und dass Er Sie sehr gerne hat. Diese Botschaft darf ich Ihnen heute von ihm weitergeben.“

Wow.
Ich bin ganz überwältigt…Erlebe ich das gerade wirklich hier???
Noch keine Minute stehe ich an genau diesem Platz auf einem 10ha großen Gelände. Unter 1.500 Menschen treffe ich einen Christen, der heute Morgen gebetet und von Gott eine präzise Beschreibung bekommen hat, wie und wo er mich finden kann.
Jesus sieht, welches Oberteil ich anhabe. Er weiß schon im Voraus, dass ich mich an diese Stelle begeben werde, um auf meine Kinder zu warten. Und er schickt seinen Mitarbeiter genau zum richtigen Zeitpunkt los, damit er mich nicht verpasst (das Zeitfenster lag bei ziemlich genau 5 Minuten).
Das ist…HAMMER!!!

Gott hat also meinen Wunsch gesehen und erhört.
Meinen Wunsch danach, dass er mich mit einem Segen berührt, dass er mir ein Zeichen seiner Liebe schickt.
Wie liebevoll ist das…wie großartig arrangiert…wie wunder-voll…und wie demütig, dass sich dieser gläubige Mensch, den Gott als Sprachrohr benutzt hat, nicht zu schade dafür war, um mit seinen Eindrücken und seinem Notizzettel auf Schatzsuche zu gehen…
Wow.
Was für eine Geste von Gott.
Was für ein Geschenk.
Was für eine Liebe.

Mein Herz brennt an diesem Abend ganz neu.

Ich möchte diese Erfahrung nicht für mich alleine behalten.
Ich möchte auch anderen zeigen, dass sie Schätze sind, kostbar und wertvoll und einzigartig in Gottes Augen.
Er sieht auch Dich und weiß, welche Kleidung Du trägst. Ob Du Dich wohlfühlst in Deiner Haut oder nicht. Deinen nächsten Schritt kennt er im Voraus und Deine Gedanken von ferne.
Und das alles nicht, um Dich einzuschüchtern oder zu bedrohen.
Seine unendliche Liebe wirbt um Dich. Du bist gesehen, Du bist wertgeschätzt. Und Du wirst gesucht.

Wenn Du davon nichts spüren kannst und Dir wünschst, dass Dich doch auch mal jemand findet, dann bitte Gott um ein Zeichen.
Er versteckt sich nicht vor Dir.
Er lässt sich gerne von Dir finden.
Und er macht gerne Geschenke.

„Wenn Ihr mich sucht, werde ich mich finden lassen.“ (Jeremia 29, 13).

Sei gesegnet aus der Schatzkammer Gottes mit dem, was Dein Herz heute braucht.

Barbara

Ferientagebuch Teil 3

Waffeln und andere Nebenwirkungen

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Foto: pixabay

Erstaunlich.
Eigentlich bin ich kein besonders optimistischer Mensch. Meine Fantasie ist sehr blühend, aber oft nimmt sie den falschen Abzweig und verleitet mich dann dazu, die Dinge schwärzer zu sehen, als sie in Wirklichkeit sind.
In einer Hinsicht aber bin ich komischerweise ein genauso sturer Optimist, wie das sonst nur mein Mann hinbekommt (der auch bei geschlossener Wolkendecke und strömendem Regen so Sachen sagt wie „Das reißt gleich auf“- und erstaunlich oft Recht damit hat!):

Jahr um Jahr starte ich mit frischer und unerschütterlicher Euphorie in die Sommerferien. Jahr für Jahr notiere ich mir seitenweise Ausflugsziele und Aktivitäten, die dazu bestimmt sind, meinen Kindern (und mir!) eine unvergessliche Sommerzeit zu bescheren. Jahr um Jahr sehe ich uns glücklich vereint in Strandkörben, auf Picknickdecken, in Schwimmbädern und auf Abenteuerspielplätzen, badend, beeren-pflückend, sonnengebräunt, gutgelaunt und sommer-satt.

Und jedes Jahr bin ich von Neuem vollständig verblüfft, dass sich (wieder mal) nicht alle Beteiligten an mein Drehbuch halten, nicht rund um die Uhr eitel Sonnenschein herrscht und sich auch in den Ferien so unschöne Dinge wie Zank, Langeweile, Unordnung und Autismus ereignen.
Jedes Jahr von Neuem findet mein Mann mich irgendwann vor, wie ich verstört auf dem Sofa sitze und mit stierem Blick tonlos vor mich hin murmele: „Wenn die Kinder in der Schule sind, sind sie viel weniger anstrengend…“.

Das erste Ferientief dieser Art haben wir heute durchschritten.
Als ich von meinem Mammuteinkauf zurückkam (der sich übrigens nahtlos an den Mammut-Hausputz angeschlossen hatte), war die Küche ein Chaos, zog sich eine Dreckspur durch den Flur und wurde vor dem Haus diskutiert, wie der Waffelverkauf am besten zu organisieren sei. Welcher Waffelverkauf? Das habe ich mich auch gefragt. Vor der Haustüre stand ein provisorisch aufgebauter Tisch. Der kleine Nachbarsjunge schleckte seelenruhig Teig aus einer Schüssel, während meine mittlere Tochter beherzt das Waffeleisen schrubbte, denn „der Teig klebt so fürchterlich.“ Drumherum stand noch eine Handvoll Kinder und stritt darüber, wie man am schnellsten und gewinnbringendsten Waffeln verkauft. Ich hoffte insgeheim, dass niemand aus der Nachbarschaft etwas von diesen Waffeln kaufen würde- die hygienischen Zustände schienen mir …sagen wir mal: nicht ganz einwandfrei. Ob ich wohl noch ein paar Eier vom Einkaufen mitgebracht hätte, wollten die Kinder wissen…

Im Wohnzimmer, wo ich mitsamt meinen 12 Einkaufstaschen Zuflucht suchte, waren großzügig alle unsere Bastelsachen verteilt (anscheinend war dem Waffelverkauf ein expressionistisches Kreativ- Projekt vorausgegangen), während mein Mann- der Tiefenentspannte- ganz gemütlich vor dem Fernseher saß und sich ein Tennis-Match ansah.

Zum Glück konnte ich mich im letzten Moment beherrschen.
Weder habe ich dem Impuls nachgegeben, den Verkaufsstand meiner Kinder umzuschmeißen (obwohl es dazu ja sogar einen biblischen Bezug gegeben hätte!), noch habe ich meinem Mann Vorhaltungen gemacht, dass er einfach dasitzen und tatenlos zusehen kann, wie unser Haus von einer Welle aus Waffelteig und Klebstoff überrollt wird.
Stattdessen habe ich in einer Art Übersprungshandlung drei Körbe Wäsche gefaltet und mich dann ganz schnell ins Schlafzimmer zurückgezogen.

Mein Mann, der tiefenentspannte Sportfan, hat erst noch mitverfolgt, wer das Herren-Finale in Wimbledon gewonnen hat. Dann hat er das Waffeleisen gesäubert.

Außerdem hat er meinen Kindern ein paar Waffeln abgekauft und mir dann eine ins Schlafzimmer gebracht.
Nachdem ich mich wieder etwas von dem Chaos-Schock erholt hatte (ich weiß, ich bin in dieser Hinsicht ein bisschen empfindlich), habe ich mich gefreut
-wie tüchtig meine Kinder sind
-was sie alles auf die Beine stellen
-dass sich ihre Fantasie zumindest nicht ausschließlich aus Computerspielen speist
– und dass es in unserer Nachbarschaft manchmal ein bisschen wie im Möwenweg zugeht.

Die Waffeln haben übrigens sogar ganz lecker geschmeckt.

Und Ferien sind eigentlich auch gar nicht schlimm.
Man braucht halt nur die richtigen Freizeitaktivitäten.

Liebste Sommergrüße,

Barbara

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Foto: pixabay