Archiv für den Monat Juli 2019

Gottes Hauptbeschäftigung

 

trockenblume-4032853_640

Bild: pixababy Foto von monfocus

 

Nach zwei oder drei hektischen und turbulenten Wochen (ich sage nur: Schuljahresende…) habe ich endlich mal wieder ein bisschen länger Zeit, um mit Jesus auf unserem Sofa zu sitzen. Innerlich fühle ich mich total ausgetrocknet und denke, dass sich meine Pflanzen wahrscheinlich öfter so fühlen müssen. Ich merke, dass ich ganz, ganz dringend eine Portion Stille und ein Gespräch mit Gott brauche. Sonst werde ich immer unleidlicher, nörgeliger und ungenießbarer für meine Umgebung. Und genau das kann ich selbst überhaupt nicht an mir ausstehen.

Dann die Trauer. Sie kommt und geht und erwischt mich manchmal ganz unvermittelt und heftig: Wenn ich in der Küche stehe und Kuchen backe zum Beispiel.
Die Leidenschaft fürs Backen habe ich von meiner Mutter geerbt. Auch ihren Perfektionismus. Der war schuld daran, dass ich häufig nicht mithelfen durfte, sondern nur zugeschaut habe, wie sie die Zutaten verrührt und dann später ihr Backwerk kunstvoll verziert hat.
Selbst wenn die Erinnerung dadurch etwas eingetrübt ist, bleibt sie trotzdem wertvoll für mich. Und ich weiß, dass all die Macken und Unzulänglichkeiten, mit denen wir uns selbst und anderen manchmal im Weg stehen, im Himmel keine Rolle mehr spielen werden. Wir werden so sein, wie Gott uns schon immer gedacht hat. Meine Mama ist ihren Hang zu Kontrolle und Perfektion jetzt los. Wenn ich sie wiedersehe, werden wir uns einfach nur in den Armen liegen und darüber lachen.
Bis dahin wird der Duft von frisch gebackenem Kuchen mich wohl immer an sie erinnern und mir schmerzlich bewusst machen, dass sie für mich erst einmal unerreichbar bleibt.

Manchmal -so wie jetzt- fällt es mir sehr leicht, an den Himmel und das Wiedersehen zu glauben. Und manchmal kratze ich mühsam das letzte bisschen Vertrauen zusammen, das ich habe, um es der Macht des Todes entgegenzuschleudern. Gott weiß das. Und ich glaube, dieses Bisschen reicht ihm.

Ich habe eingangs so nonchalant geschrieben, dass ich mich endlich mal wieder mit Gott bei uns im Wohnzimmer treffen möchte, aber eigentlich ist es doch so, dass das auch nicht immer einfach hinhaut. Manchmal komme ich innerlich nur sehr schwer zur Ruhe und kann mich kaum für fünf Minuten auf irgendetwas konzentrieren. Zu dicht getaktet sind im Alltag die Verpflichtungen und Termine, als dass ich kurz mal eben in zwei Minuten runterfahren und mich dann schlagartig in heilige Stille versenken könnte.
Und auch über Gottes Reden kann ich nicht verfügen. Manchmal bete ich und habe dabei trotzdem das Gefühl, dass ich eigentlich ein Selbstgespräch geführt habe. Scheinbar keine Resonanz und kein Anzeichen von Gottes Nähe, obwohl ich doch „alles richtig“ gemacht habe…?!?

Aber heute ist das anders. Vom ersten Moment an spüre ich die Wärme, die mir entgegenschlägt, spüre, dass ich nicht alleine im Raum bin und dass mein Singen, meine Worte und auch mein Schweigen Anklang finden. Jesus macht mir das als besonderes Geschenk und versichert mir, dass er da ist, dass er meine Situation sieht und kennt.
Genau das wünsche ich mir auch in meinem ausgetrockneten Innersten: Gesehen zu werden, mit meiner Trauer, meinem Verlust, meinem Ausgelaugt-Sein.
Heute spüre ich, dass Gott mich sieht. Ich glaube, dass er weiß, wann wir ihn wirklich dringend brauchen, und dass er sich dann auch zeigt, manchmal sogar ganz nahe und fast unverhüllt.
Den ganzen Abend lang fühle ich mich wieder so, als ob Gott persönlich mich in eine warme Decke aus Liebe einhüllen würde. Das tröstet mich.

Als ich meine Bibel App öffne, lese ich da weiter, wo ich zuletzt stehen geblieben bin, nämlich im Epheserbrief. Schon eine Weile lese ich in der “Message”, weil diese Bibelübersetzung- wenn auch sehr frei- mir einen neuen Blick auf scheinbar altbekannte Texte schenkt.
Und da lese ich so einen wunderschönen Satz, dass ich ihn einfach nicht für mich behalten kann:

Mostly what God does is love you.
(Epheser 5, 1)
Ist das schön…!
Ich lasse es mir auf der Zunge und im Herzen zergehen.
Hauptsächlich ist Gott damit beschäftigt, Euch zu lieben.

Gott liebt Dich und mich so sehr, dass er damit voll und ganz beschäftigt ist.
Die meiste Zeit des Tages verbringt Gott damit, uns zu lieben.
Er kann nicht anders, er will nicht anderes. Er hat es sich selbst so ausgesucht.

Heute Morgen war ich bei einem Frauenfrühstück in der Nachbarschaft eingeladen.
Eine der Frauen ist kürzlich Mama geworden. Man konnte sehen, dass sie verliebt in ihr Baby ist. Sie hat es nicht aus den Augen gelassen, es unentwegt angelächelt und sich ihrem Kind beim kleinsten Anzeichen von Unruhe zugewandt. Sie konnte und wollte auch nicht anders, als für ihr Baby zu sorgen und ihm ihre Liebe und Fürsorge zu zeigen (naja, okay, zwischendurch mal ungestört vom Nutellabrötchen abzubeißen hätte sie wahrscheinlich auch nicht schlecht gefunden 😉).
Aber diese strahlende, unbedingte Art von Liebe versprüht Gott pausenlos.
Sein Angesicht leuchtet über Dir und mir.
Er kann seine Augen nicht von Dir lassen.

Mostly what God does is love you.

Kein Kontrollzwang. Kein Perfektionsanspruch. Keine Checklisten. Keine Verdammnis.
In der Hauptsache Liebe.

Das tut gut.
Da kann meine Seele auftanken und aufblühen.
Für heute ist mein Durst gestillt.

 

foghorn-2891082_640

Bild: pixabay Foto von Norbert Waldhausen