Archiv für den Monat August 2015

Cynicism And Me

Dieser post hat mich beim Lesen gestern fast umgehauen- die Verfasserin schreibt genau ueber das Thema, das mich zur Zeit umtreibt, nur dass sie mir dabei ein paar Schritte voraus ist.

Ich moechte ihre Gedanken mit Euch teilen, weil ich finde, dass darin eine Menge Schoenheit, Weisheit, Reife und Tiefe zu finden sind.
Und wer koennte das nicht gebrauchen…???

Viel Spass beim Lesen!!

Die etwas andere Gluecksformel

Frueher dachte ich immer, dass die gluecklichen Menschen die sind, die es schaffen, sich irgendwie an leidvollen oder traurigen Ereignissen vorbeizuschummeln. Ich hatte keine Ahnung wie man das anstellen koennte, aber es schien mir so, als ob manche Menschen eben einfach „Glueck“ haben und gegen Krankheit, Misserfolg, schlechte Laune, Regenwetter oder Unfaelle immun sind. Ihre Gluecksformel kannte ich nicht, aber eines wusste ich ganz genau: Ich wollte auch zu dieser Sorte Mensch gehoeren!

Was ich im Laufe meines bisherigen Lebens dazugelernt habe, hat nichts mit dieser geheimen Gluecksformel zu tun (falls es sie doch gibt und Ihr kennt sie-ich waere nach wie vor interessiert…!!!!).
Fuer vieles, was ich erlebt habe, bin ich dankbar. Oft hatte ich auch „Glueck“ (oder sagen wir lieber: Oft hat Gott mich beschenkt).
Aber manche Erfahrungen und Erlebnisse haetten meiner Meinung nach nicht unbedingt sein muessen. Wenn ich es gekonnt haette, haette ich sie mir erspart. Aengste, Enttaeuschungen und Entmutigungen waren von mir nicht eingeplant und sind trotzdem Teil meines Lebens geworden.

In den letzten paar Jahren ist ausserdem ein Schmerz dazu gekommen, dem ich mich frueher, als ich noch auf meiner Glueckswelle reiten wollte, gar nicht haette stellen koennen.
Dieser Schmerz hat mit einem meiner Kinder zu tun:

Mein Sohn ist anders als andere Kinder.
Er ist in seinem Verhalten an der Grenze zwischen normal entwickelten und autistischen Kindern und zeigt Merkmale von Kindern, die das Asperger Syndrom haben (eine milde ausgepraegte Form von Autismus).
Das klingt, so wie ich es hier schreibe, wahrscheinlich ziemlich nuechtern und vielleicht sogar relativ harmlos (andere Eltern haben schliesslich Kinder, die so richtig Autismus haben!).

Es fuehlt sich aber nicht harmlos an.
Manchmal kommt es mir so vor, als ob ich gar nicht zu meinem Kind durchdringen kann. Das schmerzt.
Zu erfahren, dass mein Sohn sich schwer dabei tut, gute Freunde zu finden, tut mir manchmal vielleicht sogar mehr weh als ihm selbst.
Zu erleben, dass er mit seinem auffaelligen Verhalten aneckt, macht mich traurig und ist mir oft auch unangenehm.
Niemand sieht ihm schliesslich an, dass er dieses Entwicklungsdefizit hat.
Mein Mann und ich haben ja selbst erst vor wenigen Monaten herausgefunden, dass das Verhalten unseres Kindes etwas mit Autismus zu tun haben koennte.

Und jetzt?
Ein Teil von mir ist verzweifelt und will den Kopf in den Sand stecken.
Warum unser Kind? Warum mein Sohn, auf den wir so sehnlichst gewartet haben? Wieso laesst Gott zu, dass mein Junge Schwierigkeiten hat, mit anderen zu kommunizieren und mit ihnen in Beziehung zu treten?

Auch wenn diese Fragen immer wieder auftauchen: Es gibt noch eine andere Stimme in mir.
Das ist die Stimme, die mir sagt, dass ich die Hoffnung nicht aufzugeben brauche. Die Stimme, die mir sagt, dass auch die traurigen Kapitel in unserem Leben einen Sinn haben koennen, wenn wir sie mit Gott zusammen aushalten. Die Stimme, die mir sagt, dass alles gut wird, auch wenn in meinem Leben und im Leben meiner Geliebten (was sich noch schlimmer anfuehlt) Ereignisse auftauchen, die nix, aber auch gar nix mit meiner „Gluecksformel“ zu tun haben.
Inmitten dieser inneren Kaempfe lerne ich naemlich etwas ganz Neues:
Nicht die Menschen sind gluecklich, die es schaffen, Regenwetter, Krankheit, Schmerzen, Behinderung, Versagen, Angst oder Autismus zu vermeiden.
Gluecklich sind die Menschen, die im Angesicht von Leid ihre Freude bewahren koennen.
Die die Widersprueche und Widrigkeiten aushalten, ohne dabei ihren Glauben ueber Bord zu werfen.
Bei denen die Dankbarket die Bitterkeit besiegt.

Das laesst sich sehr schoen und fluessig runtertippen.
Es im wirklichen Leben durchzubuchstabieren, ist schwieriger.

Vor kurzem habe ich im Gottesdienst dazu eine gute Anregung gehoert:
Am Ende der Predigt hat der Sprecher dazu aufgerufen, dass sich die Zuhoerer ein paar Minuten Zeit nehmen sollen, um mit Jesus zu sprechen:

„Sagt ihm alles, was Euch das Herz schwer macht. Lasst Ihn die Bitterkeit aus Eurem Herzen herausspuelen. Behaltet Euren Frust und Euren Schmerz nicht fuer Euch.“

Das war fuer mich das Stichwort: Die Bitterkeit herausspuelen.
Nicht wieder und wieder auf meinem Schmerz herumkauen.
Nicht endlos in der Schleife der Warum-Fragen steckenbleiben.
Nicht auf meine Probleme starren wie das Kaninchen auf die Schlange.
Sondern festhalten. Am Glauben. Am Leben. An der Hoffnung. An dieser ganz anderen Gluecksformel, die ueber die Bitterkeit siegt.

Seid gesegnet mit viel Glauben und Glueck!
Eure Barbara

colorful rainbow after the storm passing over a field of grain