Sing your song

Mit meiner Kaffeetasse sitze ich auf dem Balkon. Die Morgensonne scheint mir ins Gesicht und ich genieße ein paar ruhige Momente, bevor das Haus mitsamt allen Bewohnern wieder zum Leben erwacht.
In die Stille hinein fängt plötzlich ganz unvermittelt ein einzelner Vogel an, sein Lied zu schmettern.  Er singt kräftig, glasklar und melodisch, ein wunderschöner Klang, den ich noch nie gehört habe.
Es ist nur ein kleines Lied mit einigen wenigen Tönen.
Ich weiß, dass es komisch klingt, wenn man sowas von einem Vogel sagt, aber ich kann mir nicht helfen: Ich habe das Gefühl, der kleine Kerl singt mit Freude und Innigkeit. So, als wisse er, dass die Welt sein Lied hören muss.

Diese kleine Kreatur -die ich übrigens leider nicht einmal in den Baumkronen entdecken kann- hat Freude in mir geweckt.
Und außerdem einen Gedanken:
Wie wäre es, wenn ich das auch so machen würde?
Wenn ich genau so mutig aus der Deckung käme wie dieses kleine Geschöpf und unerschrocken mein Lied singen würde? Mit Inbrunst und Leidenschaft, in den neuen Tag und vielleicht sogar in die Stille hinein?

Das würde bedeuten, mich zu zeigen.
Nicht länger meinen Text oder meine Melodie von der Angst diktieren zu lassen, sondern drauflos zu singen. Ganz ohne das Korsett aus Erwartungen, möglichem Scheitern und perfektionistischen Ansprüchen, das mich doch viel zu lange schon einengt.
Meinen Rhythmus finden. Nicht holprig den einer anderen Person imitieren.

Oh, das wäre schön!

Noch denke ich viel zu oft so:
Wer will es schon hören, mein Lied…
Sie haben alle mehr zu erzählen als ich. Schönere, bessere Lieder und Ideen. Mehr Mut, mehr Hirn, mehr Glitzer.

Hast Du auch jemals so gedacht?
Dann lass uns zusammen lauschen auf das Morgenlied:
Der Vogel denkt nicht nach, ob er gut genug singt. Er zählt nicht die Töne, die er in seinem Repertoire hat und überlegt auch nicht, wer das schönere Lied hat.
Nein. Er singt, was er kann. Nicht mehr. Nicht weniger.
Sein Lied ist ihm geschenkt. Er schmettert es in die Morgenluft und es klingt nach Freude, Freimut, Übermut.

Das möchte ich auch: die Töne finden, die in mir schlummern. Oder wenigstens möglichst viele davon.
Und wenn ich dann mutig genug bin, meine Melodie zu singen- ich wage es kaum zu träumen, aber wer weiß- vielleicht wird ja dann tatsächlich auch durch meinen Klang irgendein Herz berührt, kommt eine andere Seele in Schwingung und verbreiten sich Hoffnung und Kraft?

Ich möchte es ab und zu wagen und Du vielleicht auch:
Sing Deinen Song- die Welt muss ihn hören!



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