Es gibt nicht nur die Erde

Bild von RD LH, pixabay

Neulich war ich nach einem langen, anstrengenden Tag noch eben schnell beim Supermarkt meines Vertrauens, um ein paar Kleinigkeiten zu besorgen.
Müde und etwas genervt kam ich wenig später wieder aus dem Laden heraus und hatte einen dieser Momente, wo die Seele einfach so, ohne besonderen Anlass, ein wenig zerknittert ist und man sich denkt, dass ein Urlaub vom (Corona-)Alltag doch eigentlich ganz passend wäre.

Auf dem Parkplatz habe ich dann gerade den Einkaufswagen ordnungsgemäß zurückgeparkt, als bei der nahegelegenen Sankt-Martin-Kirche das Glockenläuten eingesetzt hat, erst noch etwas verhalten, dann immer stärker anschwellend und schließlich mit lautem, vollem Klang.

Ganz kurz nur halte ich inne und lausche. Der Klang ist für mich fremd und vertraut zugleich. Er bringt eine Mischung aus Erinnerungen in mir zum Schwingen, die bestimmt noch aus Kindheitstagen stammt und gleichzeitig etwas mit Ehrfurcht und Geborgenheit zu tun hat.
Sofort fühle ich mich ruhiger, friedlicher irgendwie gehalten von diesen Tönen, die mir ungefiltert ins Herz dringen.

Komisch eigentlich. In unserer Gemeinde gibt es einen Countdown über Beamer und kein Glockengeläut vor dem Gottesdienst…
Also muss es wohl sowas wie Nostalgie sein, was mich hier gerade einholt?
Aber das allein kann nicht die ganze Erklärung sein: Der Glockenklang ist ja seit jeher dazu gedacht, dass er uns eine Botschaft übermitteln und uns zu etwas aufrufen möchte, was unsere Seele tatsächlich braucht:
Besinnung.
(ach Du Schreck – ich fürchte, jetzt entgleitet mir die Sache hier vollends und ich habe die Zielgruppe der unter 100-Jährigen verloren…).

Aber mal ehrlich:
Ab und zu brauche ich die Erinnerung, dass ich innehalten darf. Dass es mir sogar gut tut, wenn meine Gedankenschleifen und meine Ichbezogenheit -wenigsten kurz- zum Stillstand kommen. Und dass ich -nicht nur, aber auch wegen Corona- einen Ankerpunkt finden kann, an dem ich mich mit meinen Ängsten und Sorgen festmache. Es tut so gut, wenn sich neben dem Raum der Hektik, der Sorge und der Geschäftigkeit noch ein anderer Raum in meinem Leben öffnet: Ein Raum zum Innehalten, Aufatmen, Hoffnung-Schöpfen.

Für mich hat sich an diesem Abend neulich durch das Glockenläuten solch ein Raum geöffnet.
Es hat mich daran erinnert, dass ich nicht allein bin.
Es hat mich an Gott erinnert.

Kann gut sein, dass Du den Sound von Kirchenglocken altmodisch oder ungewohnt findest.
Aber natürlich kommt es auch überhaupt nicht auf die Glocken an. Ich glaube es tut einfach gut, wenn wir uns selbst Erinnerungshilfen und Signale schaffen, die uns in unserem Alltagskram unterbrechen und uns sagen dürfen, dass da noch mehr ist. Mehr als Corona. Mehr als die Weihnachtsdeko. Sogar noch mehr als Familie.
Ob das ein Gedanke sein könnte für den Advent:

auf den Glockenklang der Kirchtürme achten?
Auf das Licht von Kerzenschein?
Auf die Sonne, wenn sie durch die Wolken bricht?
Oder Dein Lieblingslied?

Und dann in den Blick nehmen, dass diese Dinge uns zur Besinnung bringen können, dass sie über sich selbst hinausweisen und uns sagen:
Es gibt nicht nur die Erde. Es gibt auch den Himmel.
Und er kommt zu uns.
An Weihnachten.

Bild von StockSnap, pixabay



2 Gedanken zu „Es gibt nicht nur die Erde

  1. annette

    …oh ich danke dir….mir bedeuten die kirchenglocken sehr viel…drei mal am tag läuten sie….wir wohnen direkt neben der kirche….nicht immer weisen sie mir den weg nach oben….trotzdem unterbrechen sie den alltag….
    herzlichst
    annette

    Antwort
  2. 5heringe Autor

    Liebe Annette, es freut mich von Dir zu hören! Schön, dass es Dir ähnlich geht und dass Du die Kirchenglocken so direkt in Deiner Nachbarschaft hast :-).
    Dann wünsch ich Dir, dass Du immer mal wieder ein offenes Ohr für ihr Läuten hast und dass sie Dir auch das Herz öffnen, wenn Gott Dir etwas sagen möchte ;-)!
    Eine wunderschöne Adventszeit und ganz liebe Grüße,
    Barbara

    Antwort

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