each word a gift (?)

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Bild: Alexas Fotos, pixabay

Gestern Abend war ich glücklich.
Ich hatte einen dieser Tage, wo ich beim Arbeiten so richtig gut in meinen Rhythmus gefunden habe. Selbst die liegen gebliebenen Abrechnungen, die ich immer vor mir herschiebe, weil ich Buchhaltung nicht ausstehen kann, haben sich in meinem Flow fast von allein erledigt.
Am Nachmittag ging mir dann auch noch die Gartenarbeit gut von der Hand.
Meine Mädchen hatten von irgendwoher plötzlich die Inspiration und Motivation, dass sie für einen Tag lang ganz, ganz hilfsbereit sein möchten, haben Brote geschmiert und Limonade gemacht, die Küche und ihre Zimmer aufgeräumt.
Um dem Ganzen die absolute Krönung aufzusetzen, haben sich dann am Nachmittag auch noch alle drei Kinder gefunden und sich auf dem Trampolin und im Wald ausgetobt.
Schön!

Mein Sohn hat den Job, dass er jeden Tag die Spülmaschine ausräumen muss.
Als wir nach dem Abendessen noch zusammensaßen, hat er sich etwas missmutig daran gemacht, seinen häuslichen Pflichten nachzukommen.
Während wir anderen diskutiert haben, ob wir jetzt gleich noch Rummikub spielen wollen oder nicht, hat es im Hintergrund plötzlich ganz gewaltig gescheppert. Jaaaa- da ist wohl etwas zu Bruch gegangen. Ahnungsvoll fragte ich meinen Sohn: „Das war jetzt aber nicht meine Lieblingstasse, oder?“
Und da stand mein 13-jähriger Junge, mit Tränen in den Augen, und sagte wütend: „Doch! Warum muss ich immer alles kaputt machen?“

Schwimme ich noch auf der Welle dieses Bilderbuchtages oder rührt mich seine tiefe Betroffenheit? Ich weiß es nicht.
Ich weiß nur, dass ich gott-froh über meine eigene Reaktion bin.
Obwohl diese Tasse etwas Besonderes für mich war -ich habe sie bei einem Workshop in einem superschönen Atelier selbst bemalt- verliere ich kein böses Wort. Ich nehme meinen Sohn in den Arm, sage ihm, dass er sich keine Gedanken machen soll und dass ich ganz bestimmt mal wieder eine neue Tasse bemalen werde. Und ich füge schmunzelnd hinzu: „Weißt Du: Du bist mir wichtiger als die Tasse!“
Ein bisschen hadert er noch mit seinem Missgeschick, aber ich merke, dass er durch meine Worte getröstet ist.
Sternstunde der Mütterlichkeit.
Ich bin so, so dankbar, dass dieser Zwischenfall nicht in einem Moment passiert ist, in dem ich müde, überarbeitet und gereizt war. Denn so gut kenne ich mich, dass ich genau weiß: Es hätte auch anders ausgehen können. An einem schlechten Tag hätte ich mich vielleicht geärgert und geschimpft, statt Trost zu spenden und mich über mein Kind zu erbarmen.

Worte haben Macht.
Das wissen wir alle.
Könnt Ihr Euch auch an Worte erinnern, die Euch bis ins Mark getroffen, verunsichert und verletzt haben und wie ein Schmutzfleck auf Eurer Seele hängen geblieben sind?
Ich schon.
Und könnt Ihr Euch an Worte erinnern, die Euch Flügel verliehen, ein Licht in Euch angezündet und Euch vielleicht sogar zu neuen Ufern haben aufbrechen lassen?
Ich schon.

Die Bibel weiß auch um diese Wahrheit:

A word out of your mouth may seem of no account, but it can accomplish nearly anything- or destroy it!
(James 3, 3.4; the Message)
Ein Wort aus Eurem Mund mag Euch bedeutungslos erscheinen, aber es kann so gut wie alles ausrichten- oder aber zerstören!

Gestern Abend war mein eigener Liebestank so reichlich gefüllt, dass mir die guten und richtigen Worte wie von selbst von den Lippen kamen.
Natürlich könnte ich auch andere Geschichten erzählen, bei denen ich die Geduld verloren und hinterher viel Zeit und Energie investiert habe, um wieder neu das Vertrauen meiner Kinder zu gewinnen und gute Samen statt negativer Botschaften in ihre Herzen zu pflanzen.
Aber alles hat seine Zeit.
Und heute ist es Zeit, um meinen Kompass auf ein Ziel auszurichten, das mir auch weiterhin Sehnsucht macht nach wohltuenden, lebensspenden Worten:

„Say only what helps, each word a gift“
Sprich nur hilfreiche Dinge aus. Lass jedes Deiner Worte ein Geschenk sein.”
(Epheser 4,29, the Message)

Spielraum ist da noch viel…
Aber Gnade auch.

 

P.S.:
Die Tasse ohne Henkel werde ich aufbewahren. Sie bekommt sogar einen Platz in meinem relativ neu erworbenen Mini-Regal, das ich mir noch vor ein paar Wochen zum Geburtstag ausgesucht habe- eigentlich für besonders schöne Schmuckstücke 😊. Aber gute Erinnerungen sind ja auch Schmuckstücke. Oder etwa nicht?

Ein Gedanke zu „each word a gift (?)

  1. Sonja

    Liebe Barbara – wahrlich eine Sternstunde der Mütterlichkeit. Wie schön und ehrlich hast du es beschrieben! Danke für die Erinnerung daran, wie wichtig und gewichtig Worte sind. Das Wissen allein hilft mir jeweils nicht allzu lange. Mit deinem berührenden Bericht gibst du mir eine wunderbare Erinnerungs-Hilfe. Danke!!

    Antwort

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