Die Unwahrscheinlichen

Rebekka D Herz Blatt Schatz

Quelle: Rebekka D, pixabay

An manchen Tagen fühle ich mich unwahrscheinlich:
Unwahrscheinlich müde. Unwahrscheinlich ungeduldig. Unwahrscheinlich gereizt und unausgeglichen.

An diesen Tagen passiert es mir, dass ich auf meine Lebensbaustellen blicke und mich frage, ob ich sie jemals werde abschließen können. Für negative Botschaften, die sich in meinem Innern abgelagert haben, bin ich dann außerordentlich empfänglich und verwende sie gegen mich selbst. Die Palette reicht von „schlechteste Mutter aller Zeiten“ über „lausige Hausfrau“ (wenn der Satz“ Deine Mutter kann nicht kochen“ noch im Umlauf wäre, hätten es meine Kinder nicht leicht…) bis hin zu „der Lack ist ab“. Mein beruflicher Werdegang erscheint mir dann bei Weitem zu unspektakulär. Und meinen Garten sehe ich vor meinem geistigen Auge bereits von Schlinggewächsen überwuchert. Mit anderen Worten: Ich empfinde mich und mein Leben als unvorzeigbar und unzulänglich.
Dass ich dem Standard von Egal-Wem auch nur annähernd entsprechen könnte, erscheint mir an diesen Tagen- genau: völlig UNWAHRSCHEINLICH.

Für mich und alle anderen, die ihre blinden Flecken nur allzu gut kennen, gibt es eine gute Nachricht. Wir mögen in unseren eigenen Augen manchmal wie hoffnungsvolle Fälle aussehen. Aber das ist gar nicht so schlimm, wie wir denken.
Denn Gott sieht das alles ganz anders.
Gott hat eine Schwäche für das Schwache.
Warum Er das tut, können wir nur erahnen, aber Er sucht sich für seine Vorhaben häufig genau die Kandidaten aus, die nach unseren menschlichen Maßstäben als erste wieder von der Liste gestrichen werden würden:

Gideon ist ein Schisser und wird trotzdem siegreicher Kriegsherr (Richter 6 – 8).

Mose ist nicht wortgewandt und/oder hat einen Sprachfehler. Trotzdem wird er zum Führer der Nation (2.Mose 6).

Die Hirten von damals haben einen Broterwerb, der sie selbst zu schwarzen Schafen macht. Gott schickt seinen Engel zu ihnen und lässt sie die ersten sein, die den Heiland mit eigenen Augen sehen (Lukas 2).

Die Frau am Brunnen ist aus der Dorfgemeinschaft ausgestoßen. Aber Gott beruft sie, um ihrem ganzen Ort ein Zuhause zu geben. (Johannes 4)

Paulus wird von blindem Hass zur tiefsten Liebe und Hingabe bewegt. (Apostelgeschichte 9)

Der Verräter Petrus bekommt eine zweite Chance und wird zum Vater im Glauben. (Matthäus 16 und 26; Johannes 21)

Und schließlich- der Advent steht vor der Tür- wird eine mittellose, junge Frau aus einem unbedeutenden Vorort unverhofft schwanger und bringt den Sohn des Höchsten zur Welt.
(Lukas 1)

Unwahrscheinlich?
Ja.
Aber irgendwie ein wiederkehrendes Muster…

Nein, mein Leben wird kein biblisches oder episches Ausmaß erreichen. Darauf kommt es auch nicht an.
Es kommt darauf an, dass ich meine -tatsächlichen oder eingebildeten- Unzulänglichkeiten in die Gegenwart Gottes bringe. Denn mich tröstet zu wissen, dass bei Gott nicht nur die gesehen werden, die sowieso schon alles auf der Reihe haben, die (scheinbar) perfekt und ohne Macken sind und denen schon immer auf Anhieb alles gelungen ist. Falls es diese Sorte Mensch überhaupt gibt, ist sie mir unsympathisch natürlich bei Gott genau so geliebt und willkommen!

Das wahre Wunder entfaltet sich für mich aber dort, wo Gott mich mitsamt meinen Schwächen umarmt, sich mit mir in meinem Scherbenhaufen niederlässt und anfängt, aus all den Bruchstücken etwas Neues zu bauen.
Für mich mag das auf den ersten Blick nicht schön, großartig oder bedeutsam aussehen. Ich werde mich dabei vielleicht auch nicht schlagartig siegreich, heldenhaft und rundum-erneuert fühlen. Aber wenn ich Ihn machen lasse, dann ist Gott am Werk, sogar in meiner Baustelle.
Das ermutigt mich unwahrscheinlich!

„Our most meaningful purpose can be found exactly in our most painful brokenness.”

(Ann Voskamp in: “The broken way”)

Manfred Antranias Zmmer_Krone mmit Stacheldraht und Zaun

Quelle: Manfred Antranias, pixabay

2 Gedanken zu „Die Unwahrscheinlichen

  1. Johanna (Jojo)

    Liebe Barbara, danke, das spricht mir gerade ins Herz. Und irgendwie scheint mir, dass ich für Gott auch nicht wirklich brauchbar bin, wenn ich meine, dass ich gerade alles ganz gut alleine gewuppt kriege. Sein Maßstab für Stärke und Schwäche ist ein ganz anderer.

    Antwort
  2. 5heringe Autor

    Liebe Johanna, ich freue mich sehr, von Dir zu hören! Ja, ganz genau- der Maßstab ist ein anderer. In diesem Sinne wünsche ich Dir Gottes Kraft für das, was gerade bei Dir ansteht und schon mal vorab einen gesegneten Start in die Adventszeit. Liebe Grüße, Barbara

    Antwort

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