Ein anderes Lied

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bild: publicdomainpictures/pixabay

Verstohlen räumst Du Deine Puppensachen weg, Auch die Puzzles und Lego-Sets. Dein Lieblings-T-Shirt wird aussortiert. Es passt Dir nicht mehr. Und ist auch nicht hip.
Schon lang spielt bei Dir eine andre Musik: die Müllerbauers & Co haben ihren Auftritt gehabt. Aber jetzt hält Justin Bieber die Top Ten Deiner Playlist besetzt. Dein Nagellack leuchtet in schrillen Farben, die Kleidung ist cool, die Stimmung wechselt und was ich sage, das nervt Dich zumeist.
Manchmal, aber nur manchmal, kehrst Du noch zurück in das frühere Land, kletterst aufs Holzpferd, reitest Galopp, sitzt auf der Schaukel und fliegst in die Luft, blätterst in einem Buch aus dieser anderen Zeit,
die Kindheit heißt und
deren letztes Kapitel Du gerade schreibst.

Und was mache ich dabei mit meinem Mutterherz, das plötzlich schwer wird und den Takt nicht mehr kennt?
Ich frage:

War es genug?
Genug
heiße Schokolade an Wintertagen
Antworten auf eine Milliarde von Fragen
Tobezeiten mit Kissenschlacht?
habe ich genug wieder gut gemacht?
Haben wir genug
Geschichten gelesen
ist genug Zeit zum Kuscheln gewesen?
Haben wir oft genug in die Sterne geschaut
Und genügend Burgen in den Sand gebaut?
Haben wir lange und laut gelacht
Waffeln gebacken, Blödsinn gemacht?
Haben getanzt und sind barfuß gegangen
und haben probiert, den Wind zu fangen
Hast Du gespürt, wie sehr ich Dich mag
Wusstest Du es jeden einzelnen Tag
Gab es genügende Luftballons
Schokoladeneis und Erdbeerbonbons
Haben wir oft genug Leben geteilt
gefeiert, versöhnt, im Moment verweilt
Sind wir oft genug im Park gewesen
und haben Kastanien aufgelesen
Habe ich all Deine Lieder gesungen
und alle Monster unter Deinem Bett bezwungen?

War es genug?
Wird das Licht Deiner Kindheit Dir leuchten
Wirst Du gerne zurückkommen in Gedanken und einen Ort der Geborgenheit finden?
Genug, um zu wissen, wo Du stehst, wo Dein Weg verläuft und die Grenze zwischen Böse und Gut?
Wirst Du wissen, wo Deine Heimat liegt?
Und wirst Du
weiter den suchen, der Dir alles gibt?

Ich lasse Dich ziehen und ich gehe noch mit.
Es ist nicht das Ende. Nur ein anderes Lied.

2 Gedanken zu „Ein anderes Lied

  1. Sonja

    Liebe Barbara, de schreibst wieder häufiger, wie schön! So wichtige Gedanken – manchmal kommen sie fast zu spät. Darum bin ich gerade sehr dankbar, sie hier zu lesen. Herzliche Grüsse!

    Antwort
  2. 5heringe Autor

    Liebe Sonja, ich danke Dir für Deinen lieben Gruß und für Dein Mit-Lesen! Und wünsche Dir immer mal wieder solche kostbaren Alltagsmomente, um sie bewusst mit Deinen Lieben zu erleben und genießen. Ganz liebe Grüße, Barbara

    Antwort

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