Thank you past for your lessons

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Foto: pixabay

Wer ich bin, wusste ich ziemlich lange Zeit nicht wirklich.

In der Phase meines Lebens, die eigentlich dazu da ist, sich selbst zu entdecken und auszuprobieren, war meine ganze Energie von innerfamiliären Konflikten geschluckt worden. Das Ziel, irgendwie zu funktionieren und den „Laden“ Familie zusammenzuhalten (als ob ich das gekonnt hätte!), hatte ich zu meiner obersten Priorität gemacht. Ein bisschen ist es so, als ob ich gar keine Teeniezeit gehabt hätte. Ich spielte früh die Rolle einer Erwachsenen und wusste damals noch nicht, dass es meistens nicht gut klappt, bestimmte Entwicklungsschritte einfach zu überspringen.

Natürlich wollte ich trotzdem irgendwann „raus“, was erleben und mir ein eigenes Leben aufbauen. Irgendwie würde das schon klappen. Von meiner eigenen Persönlichkeit hatte ich mir ein Wunschbild gebastelt, wie ich idealerweise zu sein hätte, damit ich möglichst gut bei anderen ankommen würde. Dieses Idealbild formte sich ganz von alleine in meinem Kopf: Die Leute, die beliebt und angesagt waren, waren meistens schlagfertig, modisch gekleidet, unterhaltsam und attraktiv. Na also, ganz klar. Da musste ich hin.  Denn wenn ich diesen Standard erreicht und die Zuneigung möglichst vieler meiner Mitmenschen erworben hätte, dann wäre ich doch sicherlich irgendwie und irgendwann auch irgendwer…Dachte ich.

Gemeinde ist einer meiner Heilungsorte.
Ich war 13, als mich eine Freundin mit auf eine Jugendfreizeit nahm, und seither bin ich der Kirche treu geblieben, an vielen verschiedenen Orten und in den unterschiedlichsten Denominationen.
Wenn ich als junge Erwachsene in Gemeinden, auf Seminaren oder in Workshops davon reden hörte, wie wichtig es sei, die eigene Identität zu kennen, dann nickte ich das eifrig ab, machte mir beflissen Notizen zum Thema, blieb aber doch regelmäßig mit einem großen Fragezeichen auf der Stirn zurück. Identität- ja, klar, natürlich, das brauchte man auf jeden Fall! Aber- was genau war das eigentlich?!?

Wenn Du nach Identität suchst, fehlt Dir etwas so Grundlegendes, dass es schwierig ist, auch nur den nächsten Schritt zu gehen.
Ein bisschen ist es so, als seist Du in einer fremden Gegend ausgesetzt worden mit dem Auftrag, einem bestimmten Weg zu folgen. Nur, dass Du keine Karte, keinen Kompass und erst recht kein Navi hast.  Du stehst verloren in der Gegend rum und schaust all denen hinterher, die ihre Bestimmung kennen und ihr intuitiv folgen.
Wie aber sollst Du Dich auf den Weg machen, wenn es so viele Richtungen gibt und Du noch nicht einmal das Ziel vor Augen hast?

Die Antwort war für mich sehr einfach und sehr schwer zugleich.
Einfach stehenbleiben und den anderen hinterherschauen wollte ich nicht.
Also bin ich eben losgelaufen, mit den Anhaltspunkten, die ich eben so zur Verfügung hatte.
Manche meiner Schritte waren sehr mutig (im Nachhinein vielleicht sogar ein bisschen wagemutig), manche ganz schön wackelig. Manchmal bin ich ein ganzes Stück gegangen und musste wieder umkehren, weil ich gemerkt habe, dass ich in der falschen Richtung unterwegs war. Ich habe Lehrgeld bezahlt und Dinge ausprobiert, die nicht zu mir gepasst haben und mit denen ich gescheitert bin. Obwohl mich dieses Scheitern zum Teil heute noch beschäftigt und traurig macht, hat es mich doch auch irgendwie nach vorne gebracht. Nicht nur, dass ich etwas über meine eigenen Grenzen gelernt habe- das Gefühl, versagt zu haben, hat mich letzten Endes auch weiter in Gottes Arme getrieben. Ich wusste, dass ich meine Scherbenhaufen nicht alleine wieder zusammenpuzzeln kann. Es würde jemanden brauchen, der viel Geduld und Umsicht hat und der mich sogar besser kennt, als ich mich selbst. Jesus.

Ich möchte Euch in den nächsten zwei oder drei Posts mehr davon erzählen, wie Gott mich auf dem Weg zu mir selbst begleitet und geführt hat.
Das heißt nicht, dass ich jetzt mit meiner Reise fertig bin.  Ich habe sogar eine ziemlich starke Ahnung davon, auf welche wunden Punkte mich Jesus vielleicht demnächst wird ansprechen wollen… (aber das hat doch bestimmt noch ein bisschen Zeit, oder???):

Ein gutes Wegstück liegt trotzdem schon hinter mir – das legt allein mein fortgeschrittenes Alter schon nahe (dieses Fass wollen wir jetzt aber wirklich nicht auch noch aufmachen!).

Hinsetzen. Verschnaufen. Zurückblicken.
Danke sagen.
Aus der Vergangenheit lernen: Thank you past for your lessons.
Mich stärken für die nächste Etappe.
Und Euch einladen, mit mir zurück zu blicken, zu staunen, zu loben, zu trauern, loszulassen, zu feiern.

Auf bald vielleicht!

Barbara.

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